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Erster Kältetod: Obdachloser erfriert in Hütte

Bendorf/Koblenz/Mainz In Rheinland-Pfalz ist erstmals in diesem Winter ein Obdachloser erfroren.

Der 62 Jahre alte Mann war am Mittwoch tot in einer ehemaligen Pfadfinder-Schutzhütte in Bendorf (Kreis Mayen-Koblenz) gefunden worden, wie die Polizei Koblenz am Freitag mitteilte.

Die Polizei geht davon aus , dass er wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands den tiefen Temperaturen der vergangenen Tage zum Opfer fiel. Das rheinland-pfälzische Sozialministerium sprach von einem "tragischen Fall". Der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland kritisierte, Hilfsangebote für Obdachlose müssten stärker auf deren Bedürfnisse ausgerichtet werden.

Die Leiche des 62-Jährigen sei am Mittwochmittag gefunden worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Lage am Fundort deute darauf hin, dass der Mann vermutlich erst in der Nacht zuvor die Hütte als sein Quartier ausgewählt habe. "Vom äußeren Eindruck her hat er sich dort eher kurz aufgehalten, es war kein Lager oder etwas Ähnliches eingerichtet", sagte der Sprecher. Da bei dem Toten keine Ausweispapiere gefunden wurden, brachte erst eine Obduktion am Freitag Gewissheit, dass es sich um einen Mann aus Frankfurt handelt, der seit Jahren als obdachlos gilt. Bei der Stadt Bendorf war am Freitagnachmittag niemand mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Nach Angaben des Sozialministeriums in Mainz ist der Mann der erste Kältetote in diesem Winter. Im Winter 2008/2009 war eine Obdachlose in Igel bei Trier in einem Zelt erfroren. "Davor gab es aber über Jahre hinweg keine solchen Todesfälle", sagte eine Ministeriumssprecherin.

Nach einer Zählung aus diesem Jahr lebten in Rheinland-Pfalz 117 Menschen auf der Straße, berichtete die Sprecherin. Das Land unterstütze Vereine wie die "Platte - Die Obdachloseninitiative Rheinland-Pfalz" aus Bingen. Diese Initiative versorge Menschen auf der Straße mit Lebensmitteln, Winterkleidung, Isomatten und Schlafsäcken. Mit dem sogenannten Kältebus ist der Verein nach Ministeriumsangaben im ganzen Land im Einsatz. Zudem stünden im Land insgesamt 330 Übernachtungsplätze für Obdachlose zur Verfügung.

Diese Angebote sind nach Ansicht des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland jedoch noch nicht ausreichend an den Bedarf angepasst. Beispielsweise dürften Hunde oft nicht mit in die Unterkünfte, sagte der Vorsitzende Gerhard Trabert in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Mainz. Das halte manch Obdachlosen auch bei Minusgraden davon ab, entsprechende Angebote in seiner Umgebung zu nutzen. "Die Leute wollen ihre Tiere nicht im Stich lassen."

Darüber hinaus seien die Schlafsäle in den Unterkünften oft zu groß. "Das ist für manche Leute beängstigend. Es gibt viel zu wenig Übernachtungsmöglichkeiten mit Ein- oder Zweibettzimmern", sagte der Sozialarbeiter. Auch mangele es an Schlafplätzen für Frauen. Und um die Weihnachtszeit gebe es mehr Gewalt in den Unterkünften. In dieser "sensiblen Zeit" greife manch einer häufiger zur Flasche als sonst.

Bundesweit sterben laut Trabert im Jahr etwa 10 bis 15 Menschen auf der Straße. "Viele wissen, auf welche Gefahren sie sich einlassen." Diese Menschen hätten aber meist vollständig ihr Selbstwertgefühl verloren und keinen inneren Antrieb, an ihrer Situation etwas zu ändern. Daher müsse die Gesellschaft "die Menschen mehr wertschätzen und nicht verurteilen für ihr Leben", sagte Trabert. Nur so könnten sie ein Selbstwertgefühl entwickeln und aus dem Kreislauf herauskommen. (Vereine: www.verein-armut-gesundheit.de, www.verein-platte.de)

RZO