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Kommentar: Feste Haltung bewahren

Von Christian Kunst

Von seinem Eheleben erzählt Philipp Rösler diese Geschichte: An einem Sonntag im November wickelt er eine seiner Töchter. Seine Frau hört nebenan im Radio Nachrichten. Da kommt sie plötzlich ins Zimmer gestürmt und sagt empört: "Jetzt willst du uns also vorschreiben, wie wir zu impfen haben." Autsch. Der Stich hat gesessen. Er gab dem jungen Gesundheitsminister einen Vorgeschmack darauf, was ihn im nächsten Jahr erwartet. Ein Hauen und Stechen von allen Seiten.

Gesundheitspolitik ist ein ständiger Jahrmarkt der eitlen Standesvertreter, Dampfplauderer und streitlustigen Lobbyisten. Ihr Angebot besteht meist aus alten Ideen in neuem Gewand. Nur wenige haben das Wohl aller im Sinn, die meisten die Interessen ihres Standes. Es grenzt an ein Kunststück, in diesem Wirrwarr als Gesundheitsminister eine feste Haltung zu bewahren. Rösler bringt die besten Voraussetzungen mit: Einem 36-jährigen Neuling gewährt die Branche eine etwas längere Schonzeit. Das könnte seinen Start erleichtern. Außerdem hat der gelernte Mediziner noch einen sehr guten Ruf unter den Ärzten - anders als seine Vorgängerin Ulla Schmidt. Überdies scheint Rösler ein sehr klares Konzept für die Zukunft des Gesundheitssystems zu haben, das er durchboxen will.

Doch wenn die Regierungskommission im nächsten Jahr die Vorschläge vorlegt, wird Rösler die ersten großen Widerstände zu spüren bekommen - auch aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition. Sollte es in NRW einen Regierungswechsel geben oder nur eine Niederlage für die FDP, wird sich das Kabinett Merkel neu aufstellen müssen. Alles, was nach "unsozial" schmeckt, wird dann über Bord geworfen. Dazu könnte auch Röslers Gesundheitsreform gehören. Dann wird sich zeigen, wie sturmfest der neue Minister wirklich ist.

RZO