pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
 RZ-Thema 

 

Umfrage: Dr. Rösler - ein Minister, dem Ärzte vertrauen

Selten zuvor haben sich bei den Ärzten im Land so viele Hoffnungen mit einem Gesundheitsminister verbunden wie bei Philipp Rösler. Erstmals ist mit ihm ein Arzt in diesem Amt.

Doch der Hoffnungsträger seiner Standeskollegen nimmt ihnen gleich den Wind aus den Segeln: "Als Bundesgesundheitsminister bin ich nicht Bundesarzt, sondern verantwortlich für mehr als 80 Millionen Menschen.".

Dennoch: So sehr Rösler auch bemüht ist, die Erwartungen der Mediziner an ihn zu dämpfen - in der aktuellen Umfrage der Koblenzer Compugroup unter 440 repräsentativ ausgewählten Ärzten erhält der neue Minister nur Bestnoten. Während die bei vielen Medizinern geradezu verhasste Vorgängerin Röslers, Ulla Schmidt (SPD), mit der Durchschnittsnote 4,48 bewertet wird, geben die Ärzte ihrem Kollegen eine 2,75.

Allerdings haben sich 75 Prozent der Befragten bei der Benotung von Rösler enthalten, bei Ulla Schmidt sind es nur 17 Prozent. Dies spricht dafür, dass viele erst einmal abwarten wollen, ehe sie sich zur Arbeit Röslers äußern. Aber: Satte 77 Prozent glauben, dass der ausgebildete Mediziner Rösler seine Aufgabe besser bewältigen kann als ein fachfremder Politiker wie etwa Ulla Schmidt.

Positiv reagieren die Ärzte auch auf ein zentrales Ziel des neuen Ministers: die Einführung einer einkommensunabhängigen Gesundheitsprämie. 39 Prozent halten dies für überlegenswert, 13 Prozent für zweckmäßig, 8 Prozent gar für goldrichtig. Als unsozial stufen den Vorschlag 21 Prozent ein, als verkehrt 13 Prozent; 6 Prozent haben zu diesem Thema keine Meinung.

Und was sollte Rösler besonders engagiert anpacken? Einen Abbau der Bürokratie in der Arzneiverordnung, sagen die meisten (30 Prozent). Direkt hinter diesem Thema rangiert die Reform der Krankenkassenfinanzierung (23 Prozent). 14 Prozent fordern Maßnahmen gegen den regionalen Ärztemangel. Weitere Wünsche sind die Sicherung der Kassenärztlichen Vereinigungen und des Kollektivvertragssystems (8,4 Prozent), die Novellierung der Gebührenordnung (6 Prozent), die vielen Ärzten seit Jahren ein Dorn im Auge ist, sowie die Einführung eines Patientenschutzgesetzes (1 Prozent). Immerhin 16 Prozent halten aber alle Punkte für wichtig.

Genau dies dürfte das Problem des neuen Gesundheitsministers im nächsten Jahr sein: Der Berg ungelöster Fragen ist gigantisch. Viele Lösungen liegen auf der Hand, sind aber im Widerstreit der Lobbyisten nur schwer durchsetzbar. "Eine Gesundheitsreform ist nichts für schnelle Kopfrechner", hat Rösler jüngst gesagt. Doch es ist mehr als fraglich, ob es sich der neue Minister leisten kann, auf den großen Wurf zu warten. Sollte er deswegen kleine Reformen aufschieben, könnte das Ansehen von Dr. Rösler auch in der Ärzteschaft sinken. (Christian Kunst)

RZO