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Ein Stück Zeitgeschichte der DDR: Der Wartburg

Eisenach Auf den Straßen der DDR herrschte nicht gerade Vielfalt.

Neben importierten Ladas oder Skodas gab es vor allem zwei Modelle: den Trabant und den Wartburg.

Letzterer war nach westlichen Standards alles andere als ein nobles Auto, spielte im Osten aber die Rolle der bequemem, leistungsstärkeren und eben auch etwas luxuriöseren Reiselimousine. Heute jedoch stehen Trabant und Wartburg auch dafür, wie ewig gestrig die Autohersteller in der einstigen DDR doch gewesen sein müssen.

Als im Westen gerne mal der Sechszylinder gewählt wurde und der Viertakt normal war, gab es im Osten zwei oder drei zweitaktende Zylinder, die «däng-däng-derängdängende» Geräusche ausstießen. Die Grundkonstruktion konnte ebenfalls nicht mit modernen Autos mithalten. Doch anders als vermutet, lag das nicht an den Autobauern selbst, sondern an der Politik. Denn Ideen gab es genug, was die Geschichte der Marke Wartburg und vor allem des Modells 353 zeigt.

Unter dem Namen Wartburg wurden schon im Jahr 1898 Fahrzeuge angeboten. Das, was heute mit einem Wartburg in Verbindung gebracht wird, kam allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg ins Rollen: Der erste richtige Wartburg wurde in dem einstigen BMW-Zweigwerk in Eisenach ab 1956 produziert. Ein echtes Eigengewächs war dieses 311 genannte Modell jedoch noch nicht - rein technisch ging er auf den DKW F9 von 1940 zurück. Als Antrieb diente wie auch in den Jahrzehnten danach ein Zweitakter, hier mit bestenfalls 37 kW/45 PS.

Nach einigen eher unwesentlichen Zwischenstufen folgte der nächste große Entwicklungssprung Mitte der 60er Jahre - zunächst aber noch so, dass es niemand erkennen konnte. Denn der neue Wartburg 312 von 1965 sah aus wie der 311. Der Fortschritt versteckte sich unter dem Blech: Dort trug der 312 bereits die Modifikationen, die den gänzlich neuen 353 auszeichnen sollte, der 1966 eingeführt wurde.

Dieser 353 ist jener Wartburg , den heute noch fast jeder Deutsche aus den Zeiten des Mauerfalls kennt: Denn mit dem 353 hielt das über Jahrzehnte typische Wartburg-Gesicht mit den rechteckigen Scheinwerfern Einzug. Es gab die bis zum Ende der Marke weitgehend unverändert gebaute viertürige Karosserie. Technisch unterschieden sich 312 und 353 vom Vorgänger auch durch ein modernisiertes Fahrwerk mit Einzelradaufhängung. Der plärrende Zweitakter holte aus einem Liter Hubraum weiterhin 37 kW/45 PS, später auch 37 kW/50 PS.

Damit wäre die Geschichte der Marke Wartburg für die Jahrzehnte bis zum Mauerfall eigentlich schon erzählt. Denn nach 1966 tat sich nach außen hin eigentlich kaum etwas. Das anfangs noch leidlich zeitgemäße Auto veraltete nach und nach vollkommen.

Erst 1987 hielt der Viertaktmotor in der DDR Einzug: In Kooperation mit Volkswagen wurde damit begonnen, den Bau von Motoren in Chemnitz zu installieren. Produziert wurden Aggregate mit einem und 1,3 Liter Hubraum - und die kamen zum Teil auch in DDR-Fahrzeugen wie der jetzt Wartburg 1.3 genannten nächsten Generation des schon mehr als 20 Jahre alten Autos zum Einsatz.

Während bis dahin alles seinen sozialistischen Gang gegangen war, ging es nun Schlag auf Schlag weiter: Denn die Jahre nach dem Aufbau der Motorenlinie wurden vor allem vom Fall der Mauer und der Wiedervereinigung geprägt. Weil nun auch westliche Autos in den Osten drängten, waren nur wenige Menschen gewillt, fast 30 000 statt vorher 20 000 Mark für einen Wartburg 1.3 zu zahlen. Lagen die Produktionszahlen 1985 noch bei 74 000 Exemplaren, sanken sie bis 1991 auf 7200. Insgesamt waren von 311 bis 1.3 mehr als 1,6 Millionen Autos entstanden, nun aber war Schluss. Im April 1991 lief der letzte Wartburg vom Band. Von Heiko Haupt, dpa

dpa-infocom



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