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Unsicherheit bei der Klimaanlagen-Zukunft

Dessau/Berlin Vor einiger Zeit haben Experten erkannt, dass das Mittel in Auto-Klimaanlagen umweltschädlich ist.

Also wurde beschlossen, dass ein anderes her musste - und zwar vom Jahr 2011 an.

Eine Alternative war schnell gefunden , auch der VDA als Herstellerverband fand die neue Lösung in Ordnung - so hieß es jedenfalls seinerzeit im Jahr 2007. Mittlerweile jedoch ist 2011 nicht mehr fern, doch statt die gefundene Lösung voranzutreiben, kam alles anders. Denn inzwischen liegt eine weitere Alternative auf dem Tisch. Obwohl ein neues Mittel in gut einem Jahr eingesetzt werden soll, weiß heute eigentlich niemand, welches es denn sein soll.

In den Klimaanlagen aktueller Autos wird ein Kältemittel mit der Bezeichnung R134a eingesetzt. Dieses Mittel hat jedoch ein Treibhauspotenzial, das 1300 Mal so hoch ist wie das von Kohlendioxid (CO2). Jedes Auto mit R134a stößt daher nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) in Dessau durch unvermeidbare Undichtigkeiten im System pro Kilometer Fahrt sieben Gramm CO2 zusätzlich aus. Allein in Deutschland gelangten 2006 rund 2300 Tonnen R134a aus den Klimaanlagen der Autos in die Atmosphäre.

Experten war daher schon lange klar , dass für Ersatz gesorgt werden musste. Und so kam es zu einer europäischen Richtlinie mit der Bezeichnung 2006/40/EG. Sie sagt aus, dass vom 1. Januar 2011 an nur noch neue Pkw-Typen zugelassen werden dürfen, deren Klimaanlagen wesentlich weniger unschöne Stoffe in die Umwelt entlassen. Im Klartext darf künftig eine bestimmte Menge Kältemittel in den Anlagen höchstens 150 Mal klimaschädlicher sein als die gleiche Menge CO2.

Die Lösung, die gefunden wurde, lautete auf Anhieb etwas überraschend: CO2. Denn während CO2-Ausstoß in Hinblick auf die Abgase eines Autos als etwas gilt, das gesenkt werden muss, hat es in Sachen Klimaanlage deutliche Vorteile. Was aus einer Klimaanlage in Sachen Umweltbelastung herauskommt, wird als GWP-Wert bezeichnet. Die drei Buchstaben sind eine Abkürzung von «Global Warming Potential» und beschreiben das Risiko des Mittels in Hinblick auf die Erderwärmung: Während R134a eine GWP-Wert von 1300 hat, liegt der bei dem kältetechnisch R744 genannten CO2 gerade einmal bei 1. Weil das so ist, schien die Entscheidung gefallen - und mehrere Hersteller machten sich an die Entwicklung entsprechender Auto-Klimaanlagen.

Unerwartet brachten Konzerne wie Honeywell dann aber ein weiteres Kältemittel ins Gespräch. Es trägt die Bezeichnung HFO-1234yf und hat aus Sicht der Hersteller den Vorteil, dass es auch in den schon existierenden Klimaanlagen verwendet werden kann - CO2 dagegen braucht neue Klimaanlagen.

Es gibt bei HFO-1234yf aber auch einen entscheidenden Nachteil: Es gilt als brennbar, laut Umweltbundesamt kann sich «bei einem Brand stark ätzende Flusssäure bilden.» Obwohl die Zeit bis zum Januar 2011 knapp wird, ist unterm Strich aber wieder alles offen. «Die Änderungen werden 2011 kommen, aber noch immer ist unklar, welches Kältemittel zum Einsatz kommen wird», sagt Wolfgang Plehn vom UBA.

Die Entscheidungsverweigerung könnte Folgen haben, wenn es dann tatsächlich soweit ist. Das Problem: «Die Industrie müsste jetzt bereits an den Produktionsanlagen für die künftigen Klimaanlagen arbeiten», so Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Berlin.

Während die endgültige Entscheidung noch auf sich warten lässt, lässt zum Beispiel Honeywell nichts unversucht, HFO-1234yf als ungefährlich hinzustellen. So heißt es zur immer wieder beschriebenen Brennbarkeit des Mittels, es sei «10 000 Mal wahrscheinlicher, dass eine Person vom Blitz getroffen wird, als dass sie durch eine HFO-1234yf-Entzündung aufgrund eines Zusammenstoßes verletzt wird.»

Für Wolfgang Plehn ist allerdings unklar, worauf solche Berechnungen beruhen. Das Umweltbundesamt bleibt vielmehr bei dem Hinweis, dass das Mittel brennbar ist und dass sich eben auch die gefährliche Flusssäure bilden kann. Diese wiederum kann zu starken Verätzungen an Haut und Atemwegen führen. «Für das Umweltbundesamt ist CO2 die umweltfreundlichere Alternative», so Plehn. Welche Wahl die Hersteller treffen, muss sich erst noch zeigen. Von Heiko Haupt, dpa

dpa-infocom


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