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Schutz vor Verkehrslärm soll besser werden

Dessau/Berlin Wer an einer stark befahrenen Straße wohnt, kann ein Lied davon singen: Verkehrslärm nervt und beeinträchtigt die Lebensqualität.

Schlafen bei offenem Fenster? Unmöglich. Eine Unterhaltung auf dem Balkon? Geht nur mit Anbrüllen.

Verkehrslärm macht Wohngegenden unattraktiv und verursacht Kosten. Und dann sind da noch gravierende gesundheitliche Auswirkungen, die Mediziner dem Verkehrslärm zuschreiben. Gründe genug also, um nach besseren Schutzkonzepten zu suchen. Ansätze sind neben Schutzwänden und Flüsterasphalt auch Strafen für Lärmsünder und leisere Autos.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) in Dessau fühlen sich 59 Prozent der Deutschen durch Straßenverkehr belästigt, 12 Prozent sogar «äußerst» oder «stark belästigt». Ab welcher Lautstärke Verkehr als störend empfunden wird, hängt von der Tageszeit ab. Laut UBA sind keine Beeinträchtigungen zu erwarten, wenn in der Wohnung der Mittelungspegel nachts unter 25 Dezibel (dB(A)) und tagsüber unter 35 dB(A) liegt - bei mehr als 55 dB(A) im Mittel am Tag drohten jedoch «Beeinträchtigungen des psychischen und sozialen Wohlbefindens».

Bei höheren und längeren Belastungen kann Verkehrslärm sogar krank machen. So sind Gesundheitsgefährdungen nicht auszuschließen, wenn die Dauerbelastungen am Tag 65 dB(A) und nachts 55 dB(A) betragen, heißt es bei der Europäischen Akademie für städtische Umwelt (EA.UE) in Berlin. 65 dB(A) entsprechen in etwa der Lautstärke in einer gut besuchten Kantine. 55 dB(A) erreicht ein Radio bei Zimmerlautstärke. An Hauptverkehrsstraßen ist von Pegeln von 80 dB(A) auszugehen.

Eine Studie des UBA bestätigte außerdem Zusammenhänge zwischen Verkehrslärm und dem Herzinfarktrisiko. Bei Männern steigt demnach die Gefahr, einen Infarkt zu erleiden, um etwa 30 Prozent, wenn sie längere Zeit in Gebieten mit Mittelungspegeln von mehr als 65 dB(A) am Tag wohnen. Auch für andere gesundheitliche Beeinträchtigungen sehen Mediziner Verkehrslärm als Auslöser: Die EA.UE nennt etwa Schlaf- und Hormonstörungen, Stress- und Kreislauferkrankungen.

Nicht zuletzt deshalb will die EU mit der Umgebungslärmrichtlinie die Situation der Betroffenen verbessern. Sie legt den Kommunen auf, mit Karten die Lärmbelastung der Anwohner zu ermitteln und Lärmaktionspläne zu erstellen. Darüber hinaus hatte die alte Bundesregierung angekündigt, den Verkehrslärm in den kommenden Jahren deutlich zu senken. Als Ziel hatte der damalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee eine Verringerung um 30 Prozent genannt. Anwohner sollten schon bei geringerem Verkehrsaufkommen als bisher mit Schutzwänden oder -wällen vor Lärm geschützt werden. Zudem sollten die Grenzwerte für die Lärmsanierung von Straßen herabgesetzt werden.

Michael Niedermeier, Verkehrs- und Umweltexperte beim ADAC in München, gibt auf diese «Absichtserklärungen» jedoch nicht viel. Er bezweifelt, ob die neue Regierung für solche Projekte überhaupt noch Geld zur Verfügung hat. Auch von den Lärmschutzplänen der EU sei nicht zu viel zu erwarten. Denn anders als etwa bei der Richtlinie zur Verringerung der Feinstaubbelastung schreibe Brüssel hier keine konkreten Grenzwerte vor. «Die Behörden haben daher nicht den dringenden Bedarf, irgendwo tätig zu werden», sagt Niedermeier.

Dabei ließe sich zur Reduzierung des Verkehrslärms erheblich mehr tun. Neben Schutzwänden entlang der Umgehungsstraßen kann laut dem ADAC zum Beispiel bei Fahrbahnsanierungen sogenannter Flüsterasphalt verbaut werden, der Abrollgeräusche «schluckt». Denn ab Tempo 40 dominieren die Fahrbahn- die Motorgeräusche. Auch mit einer intelligenten Verkehrslenkung kann Lärm vermieden werden: Sind auf innerörtlichen Durchgangsstraßen die Ampeln nachts auf «grüne Welle» geschaltet, entfällt das lärmintensive Anfahren. Nicht zuletzt sorgen auch Tempo-30-Zonen für weniger Verkehrslärm.

«Auch die Fahrweise ist nicht zu unterschätzen», ergänzt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin. Leider würden viele Motorrad- und Autofahrer ihre Maschinen und Wagen «zu laut» fahren, indem sie den Motor hochdrehen und erst spät einen Gang höher schalten - sehr zum Leidwesen der Anwohner. Denn die empfinden herausstechende Geräusche wie ein hochtourig fahrendes Motorrad laut Niedermeier als besonders störend. «Das führt dazu, dass die Leute nachts aufwachen.» Das sei schlimmer als konstante Verkehrsgeräusche.

Niedermeier wünscht sich «kreativere» Schutzmaßnahmen, statt wie so oft neben den Hauptverkehrsstraßen nur hässliche Betonwände hochzuziehen: «Da passiert zu wenig. In manchen Ländern ist man viel weiter.» Ein solcher kreativer Ansatzpunkt wäre laut VCD-Sprecher Lottsiepen, wiederholt auffällig gewordenen Lärmsündern für einige Zeit einen Drehzahlbegrenzer vorzuschreiben. «Man muss an die Verursacher herangehen und die Lärmquellen beseitigen.» Auch die Industrie sei gefordert, leisere Fahrzeuge und Reifen auf den Markt zu bringen. Warum so wenig passiert, habe einen Grund: «Lärm wird oft als die 'vergessene Plage' bezeichnet. Lärmopfer haben keine Lobby.» Von Felix Rehwald, dpa

dpa-infocom


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