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Alles unter einem Dach: Uni Bielefeld wird 40

Bielefeld Ihr Ende ist nicht abzusehen: Rund 240 Meter misst die große Halle von einer Seite bis zur anderen, vom Audimax bis zum Schwimmbad. Quer an das riesige Gebäude sind außen die Fakultätsbauten angedockt.

Zusammen bringen sie es auf mehr als 175 000 Quadratmeter Nutzfläche, so viel wie 24 Fußballfelder. An der Universität Bielefeld ist das Hauptgebäude Programm: «Geistes-, Natur-, Sozial- und Technikwissenschaften - gemeinsam unter einem Dach». Mit diesem Slogan wirbt die Hochschule, die in diesem Jahr 40 Jahre alt wird.

Die große Halle gleicht einem riesigen Bahnhof, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Hörsäle spucken Studenten aus. Kleine Grüppchen junger Leute bevölkern Sitzecken, schwatzen, diskutieren oder bereiten den gemeinsamen Vortrag vor. Von den Balustraden hängen unzählige Transparente, von sachlich-informativ («Antifa-Café immer Montags 14.00 bi 17.00 Uhr») bis kämpferisch («Streiken und zurückerobern - AG für freie Bildung»).

Vor 40 Jahren war hier freies Feld. Es sollte eine Reformuniversität entstehen mit allen Voraussetzungen für Interdisziplinarität und Kommunikation, Werkstattcharakter erwünscht, andere sprechen von Nüchternheitsrausch. Ursprünglich war das Ungetüm aus nacktem Beton, Stahl und Glas für 6000 Studenten gedacht. Jetzt sind es 18 000 in mehr als 80 Studiengängen. «Ich musste mich erstmal daran gewöhnen», gibt Studentin Doris zu, die vorher in Münster studiert hat. «Aber jetzt finde ich es gut.»

«Das Besondere an der Universität sind die intensiven Möglichkeiten von Kommunikation und Interaktion durch die kompakte Bauweise», sagt der neue Rektor Gerhard Sagerer. «Die gelebte Interdisziplinarität ist bei uns seit 40 Jahren Tradition.» Am Dienstag (17. November) feiert die Universität ihren 40. Geburtstag mit einem Festakt.

Das Vorzeigeobjekt ist die Roboterforschung, genauer: das Exzellenzcluster «Cognitive Interaction Technology» (CITEC). «Hier arbeiten Fachbereiche miteinander, die man zunächst nicht unbedingt unter einem Dach sieht», sagt der Informatiker Sagerer und zählt auf: «Soziologen, Psychologen, Biologen und Linguisten.» Ihr Ansatz ist menschenfreundlich: Nicht der Mensch soll lernen, mit Robotern umzugehen, sondern umgekehrt.

Auch eine relativ junge Hochschule wie Bielefeld hat schon Geschichte und Erfolge. «Wir haben die größte soziologische Fakultät Europas mit derzeit rund 1600 Studierenden», sagt Sagerer. «Sie ist das Ausbildungszentrum für die deutsche Soziologie.» Einer ihrer bekanntesten Köpfe war Niklas Luhmann (1927-1998), der in Bielefeld von 1968 bis 1993 lehrte. Stolz ist die Bielefelder Uni auch auf ihre historische Fakultät mit Namen wie Hans-Ulrich Wehler, Jürgen Kocka und Reinhart Koselleck (1923-2006).

Dazu kommt die Mathematik und die Naturwissenschaften sowie acht Leibniz-Preisträger und mehrere Richter am Bundesverfassungsgericht. Und natürlich die Pädagogik mit dem Schulreformer Hartmut von Hentig und seiner Laborschule. Oder Reinhard Selten, der in Bielefeld seine Spieltheorie entwickelte. Die wurde 1994 mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Aktuell halten Forscher wie der Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann oder der Bevölkerungsforscher Herwig Birg die Universität im Gespräch.

«Wir versuchen unter den schwierigen Bedingungen einer Massenuniversität mit den Studierenden zu arbeiten», sagt Sagerer. Die Universität setze auf Beratung und Betreuung und wolle die Studierenden forschungsnah ausbilden. «Mein Wunsch wäre, dass wir die Studierenden - wie früher angedacht - viel intensiver betreuen können, sie stärker und früher in Forschungskontexte einführen können», sagt Sagerer. Hier dürfte der Rektor ganz nah bei seinen Studenten sein, die wie an vielen Universitäten in diesen Tagen für bessere Studienbedingungen demonstrieren.

Universität Bielefeld: www.uni-bielefeld.de Von Matthias Benirschke, dpa

dpa-infocom


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