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Viele Migrantinnen trotz Doktortitel am Fließband

Frankfurt/Main Fabrikarbeiterinnen mit Doktortitel: In der Heimat haben sie Jura oder Informatik studiert, doch in Deutschland sollen sie am Fließband stehen. Selbst mit einer akademischen Ausbildung finden viele Migrantinnen keinen Job.

So geht es auch Jolita Asalati-Gudeikyte aus Litauen. «Grafikdesign war schon immer mein Traum», sagt die 24-Jährige, «das kann ich, und jetzt möchte ich natürlich auch berufliche Anerkennung bekommen». Seit zwei Jahren sucht die diplomierte Grafikdesignerin in Deutschland eine Stelle. Hilfe verspricht sie sich nun von einem deutschlandweit einzigartigen Mentoring-Projekt für Migrantinnen in Frankfurt.

Mentoring bedeutet, dass ein erfahrener Mensch (Mentor) sein Fach- und Erfahrungswissen an einen unerfahrenen Menschen (Mentee) weitergibt. So funktioniert auch das Frankfurter Projekt «Einsteigen, Umsteigen, Aufsteigen». Asalati-Gudeikytes Mentorin Antonia Henschel leitet ein Grafikdesignbüro in Frankfurt. Sie hilft der 24-Jährigen dabei, die in Deutschland obligatorische Bewerbungsmappe zu erstellen und zeigt ihr, wie in deutschen Grafikdesignbüros gearbeitet wird.

Ein Jahr dauert die Tandem-Beziehung - offiziell, denn meist bleiben beide auch danach noch in Kontakt. Getragen wird das Projekt vom Frauenreferat und dem Weiterbildungsverein beramí. Vor knapp einem Monat startete die fünfte Gruppe. Die 16 Teilnehmerinnen kommen etwa aus Spanien, Weißrussland, Serbien oder Ecuador. In der Heimat haben sie Fächer wie Jura, Informatik oder Psychologie studiert. Eine Teilnehmerin aus Ungarn ist sogar promovierte Juristin.

Asalati-Gudeikyte war vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen, um bei ihrem Freund zu leben. Ihr Abschluss wurde hier jedoch nicht anerkannt, und ihr war das deutsche Designprogramm fremd. Das Arbeitsamt schlug ihr deshalb immer wieder Fabrikarbeit vor. «Da hört man irgendwann einfach auf, nachzufragen», meint die Litauerin.

Nach Darstellung von beramí haben mehr als 80 Prozent der Frauen, die seit Projektbeginn vor vier Jahren an dem Programm teilgenommen haben, ihr berufliches Ziel erreicht. Und selbst wenn das nicht sofort gelinge, hätten die Teilnehmerinnen zumindest wieder neuen Mut gefasst. Vor allem seien sie dann aber mit mehr Know-how und einem größeren Netzwerk ausgestattet, sagt Projektleiterin Ute Chrysam.

«Die ständigen Zurückweisungen machen das Selbstvertrauen der Frauen völlig zunichte», meint Chrysam. Oft leiden die Frauen auch unter den Erwartungen ihrer Familien. Die Wirtschaftsinformatikerin Sejal Bhesania, eine andere Teilnehmerin, kommt aus Tansania. Damit ihr Bachelor-Abschluss anerkannt wird, muss sie noch mal mehrere Semester an einer deutschen Hochschule studieren. Die Eltern haben sich für die schulische Ausbildung ihrer Tochter in Unkosten gestürzt und sind nun enttäuscht, dass die 29-Jährige keinen Job findet.

Fälle wie die von Asalati-Gudeikyte und Bhesania machten einmal mehr deutlich, «dass das, was wir hier machen, ganz wichtig ist», sagt Chrysam. In den vergangenen Jahren habe es eine «große Bereitschaft zum Ehrenamt» gegeben, erläutert die 47-Jährige. Außerdem sei Mentoring in vielen Firmen ein «In-Thema». Das komme dem Projekt zu Gute.

Berufliche Integration: www.berami.de

Frauenreferat Frankfurt: www.frauenreferat.frankfurt.de Von Franziska von Tiesenhausen, dpa

dpa-infocom


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