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Debattierclubs schulen für Studium und Beruf

Bonn/Berlin Debattieren hat in England schon eine lange Tradition: Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten Studenten in Oxford und Cambridge die ersten Debattierclubs.

Inzwischen ist die Welle auch nach Deutschland geschwappt: Immer mehr Studenten treffen sich hierzulande, um Wortgefechte auszutragen und Streitkultur zu zelebrieren. Quasselstrippen und Rechthaber sind dabei fehl am Platz. Wer Spaß am Argumentieren hat, kann aber einiges lernen, was ihm auch später im Berufsleben nützt.

Wer Mitglied in einem Debattierclub wird, kann mehr lernen, als das Reden zu verbessern. «Man lernt auch, komplexe Sachverhalte zu präsentieren, ohne sie zu vereinfachen», erklärt Tim Richter, Präsident des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen in Bonn. «Darüber hinaus schärft Debattieren den Verstand, trägt dazu bei, klarer zu formulieren - und macht auch noch Spaß.»

Mit Uni-Referaten lässt sich das nach Richters Ansicht nicht vergleichen: «Es wird von Dozenten oft nur geschätzt, dass man es macht, aber nicht, wie man es macht», sagt der 27-Jährige, der Philosophie, Jura und Geschichte studiert. «Ein direktes Feedback bekommt man jedoch kaum.» Da Debattierclubs von Studenten selbst organisiert werden, seien Teilnehmer häufig motivierter als in Pflichtveranstaltungen ihres Studiums.

Die Palette der Themen, die in den Clubs meist einmal in der Woche debattiert werden, reicht von Klassikern wie der Todesstrafe bis zu aktuellen außenpolitischen Fragen. «Einer der Vorteile liegt auch darin, dass sich die Teilnehmer mit Politik auseinandersetzen können, ohne sich parteipolitisch zu binden», sagt Patrick Ehmann von der Berlin Debating Union.

Die Debattierclubs wollen nicht nur Studenten aus Fächern wie Jura ansprechen, die später etwa vor Gericht Plädoyers halten müssen. «Die Teilnehmer kommen aus den verschiedensten Fachbereichen - von der Physik bis zur Philosophie», erklärt Richter. «Darunter sind hin und wieder auch schüchterne und ruhige Teilnehmer, die während der Debatte aufblühen.» Für ihn selbst sei das Debattieren mittlerweile ein «Thrill» und regelrecht zur Droge geworden, sagt Richter.

Aufnahmekriterien für eine Mitgliedschaft gibt es kaum. Kandidaten müssen sich laut Richter zutrauen, vor 15 bis 20 Menschen zu sprechen. Und wenn in einem Club auf Englisch debattiert wird, sollte man die Sprache angemessen beherrschen.

Um die eigenen Redekünste zu vertiefen, bieten manche Clubs zusätzliche Seminare an. «Anfänger können darin das Handwerk lernen, wie man etwa eine Debatte strukturiert oder wie man Argumente aufbaut», erklärt Ehmann von der Berlin Debating Union. «Die darauffolgenden Seminare konzentrieren sich dann auf inhaltliche Aspekte, um den Grundschatz an Argumenten auszubauen.»

Im Grunde laufen Debatten meist in einer ähnlichen Form ab. «Es werden zwei Gruppen, also die Regierung und die Opposition, mit jeweils vier Teilnehmern ausgelost, die dann abwechselnd jeweils sieben Minuten reden und ihre Argumente vorbringen», erläutert Ehmann. Am Ende wird der Sieger gekürt: «Es gewinnt derjenige, der stringenter argumentiert, keine logischen Fehler macht und überzeugender in der Darlegung ist.» Für solche Wettstreite gibt es sogar nationale und internationale Turniere.

Wer sich regelmäßig im Debattieren übt, kann daraus auch Vorteile für die eigene berufliche Zukunft ziehen. «Die praktischen Erfahrungen, die man beim Debattieren macht, sind heutzutage fast überall relevant - sei es die Rede, der Fachvortrag oder die Verhandlung», sagt Cornelius Ambros, Karrierecoach und Vorsitzender des Rhetorikverbandes Baden-Württemberg in Tübingen.

«Das betrifft also praktisch alle Situationen, in denen es um die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen geht», fügt Ambros hinzu. Ein Debattierclub kann daher für diejenigen hilfreich sein, die später zum Beispiel als Kommunikationstrainer, in den Medien oder der Unternehmensberatung arbeiten wollen.

Verband der Debattierclubs an Hochschulen: www.vdch.de

Berlin Debating Union: www.debating.de Debattieren kann jeder lernen Als Meister im Debattieren wird man nicht geboren. Es könne aber von jedem erlernt werden, meint Cornelius Ambros, Vorsitzender des Rhetorikverbandes Baden-Württemberg in Tübingen. Das bedeutet nicht nur, die Scheu vorm Reden zu verlieren. Wichtig ist zum Beispiel auch, Methoden zur Interpretation von Texten zu kennen. «Dabei können Debattierclubs helfen, wirkungsvolle und sachorientierte Rhetorik in freundschaftlich-kollegialer Atmosphäre spielerisch anzuwenden.» Von Sascha Rettig, dpa

dpa-infocom


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