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Honorarberatung: Rat gegen bares Geld

Stuttgart/Berlin Seit der Finanzkrise stehen Bankberater immer häufiger in der Kritik.

Sie empfehlen nicht die Anlagen, die für den Kunden die besten sind, lautet der Vorwurf - sondern die Produkte, die zum Vorteil der Bankbilanz sind.

Bestimmte Produkte sollen bevorzugt vertrieben werden. Eine neuer Untersuchung von Stiftung Warentest zum Beispiel stellte Bankberatern jetzt ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Verbraucherschützer fordern daher ein neues System - die Beratung gegen Honorar.

«In der Bank empfiehlt der Anlageberater in erster Linie die Produkte, für die er Vertriebsvorgaben erfüllen soll», sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Der Kunde erhalte so nur eine eingeschränkte Auswahl. Und er bekomme mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine für ihn optimale Beratung.

Ob die «Vertriebsvorgaben» und die Beratung auch zu den Bedürfnissen und der Risikobereitschaft des Kunden passen, stehe auf einem anderen Blatt. Der einzelne Berater könne dafür gar nicht unbedingt etwas - «der Vorwurf geht an die Geschäftsstruktur», sagt Nauhauser. «Da wird ein neuer Fonds oder ein neues Zertifikat aufgelegt, und das soll dann bevorzugt verkauft werden.»

Eine Honorarberatung vermeide diesen Interessenkonflikt: Sie erfolgt unabhängig von der Vermittlung eines Produkts. Sie wird allerdings auch unabhängig davon vergütet: Der Kunde leistet sich die Beratung von seinem eigenen Geld - Betrag je nach Stundentarif. Die Dienstleistung ist also ebenso wenig umsonst wie die Beratung in der Bank - auch wenn es dem Kunden dort so vorkommt, weil er kein Geld aus seinem Portemonnaie bezahlt.

«Der Berater in der Bank muss auch bezahlt werden», sagt Georg Baur vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. «Das erfolgt auch über Zuwendungen - Beträge, die vom Emittenten eines Produkts für den Vertrieb an die Bank gezahlt werden.» Entscheidend sei, dass das dem Kunden auch offengelegt wird.

Das ist schon rechtlich so vorgegeben. Dennoch haben sich viele Kunden das noch nicht verdeutlicht - oder es ist ihnen schlichtweg nicht wichtig. «Honorarberatung ist ein denkbares Geschäftsmodell - es gibt für solche Dienstleistungen aber offenbar nur einen geringen Markt», sagt Georg Baur. «Die meisten Kunden wünschen es kostenlos.» Nur wenige Banken bieten bislang die Beratung gegen Honorar, die dann ohne Vertriebsvorgaben auskommen soll. Verbraucherschützer würden sich dennoch wünschen, dass Kunden sich diesem Modell stärker zuwenden.

«Der Kunde bezahlt allein das Know-how und den Zeitaufwand des Beraters», sagt Karin Baur von der Stiftung Warentest in Berlin. Je nachdem, mit welchem Vergütungsmodell der Berater arbeitet, werden im Vorfeld Stundenhonorar, Pauschalbeträge oder andere Vergütungssysteme vereinbart. Die Anliegen, mit denen Kunden zu Honorarberatern kommen, seien sehr verschieden, wie Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater (VDH) mit Sitz in Amberg (Bayern), sagt: Einige wünschen sich «einfach nur eine zweite Meinung» zu ihren bestehenden Geldanlagen. Andere ließen sich einen kompletten Finanzplan ausarbeiten oder suchten Rat in Sachen Altersvorsorge.

Ein gesetzlich geregeltes und kontrolliertes Berufsbild gibt es derzeit nicht in Deutschland. Um möglichen schwarzen Schafen aus dem Weg zu gehen, empfiehlt Baur, sich vor dem ersten Beratungsgespräch eine schriftliche Bestätigung geben zu lassen, dass der Berater auch wirklich keine Provisionen bekommt. Um die Finanzberatung für Verbraucher insgesamt transparenter zu gestalten, plädiert Nauhauser dafür, die Ansprüche an die Honorarberatung gesetzlich zu regeln: «Es gibt bislang keine Vorgaben an die Qualität. Deshalb hat sie es auch schwer, sich zu etablieren.»

Testergebnisse der Stiftung Warentest im Überblick: dpaq.de/anlageberatung Wie Anleger einen Honorarberater finden Viele Honorarberater arbeiten selbstständig, rund 1300 sind im Verbund Deutscher Honorarberater (VDH) registriert. Einige beraten auch in den Verbraucherzentralen der Bundesländer. Wichtig ist vor allem die fachliche Qualifikation - sie und der vereinbarte Kostensatz sollten schriftlich festgehalten werden. Dazu sollte eine Bestätigung darüber kommen, dass der Berater keine Vergütung von Dritten bekommt. Von Stefanie Hiekmann und Thorsten Wiese, dpa

dpa-infocom



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