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Umwelt-Zahnmediziner suchen detektivisch nach Ursachen

Berlin/Aachen Wenn ein Hautausschlag trotz Behandlung beim Hautarzt nicht abklingt, kann sich ein Gang zum Zahnarzt lohnen.

Der sollte aber ein besonderer sein: Umwelt-Zahnmediziner sind darauf spezialisiert, Ursachen zu finden, die andere Ärzte nicht im Blick haben.

So können zum Beispiel eine alte Halswirbelsäulenverletzung, eine Amalgamfüllung und eine Borreliose Probleme nach sich ziehen, die später nicht mehr darauf zurückzuführen sind.

Umwelt-Zahnmedizin ist daher keine homöopathische Behandlung der Zähne, wie gelegentlich vermutet wird. Im Fokus stehen vielmehr ganzheitlich ausgerichtete, wissenschaftliche Therapien für chronisch Kranke, erklärt Lutz Höhne von der Deutschen Gesellschaft für Umwelt-Zahnmedizin in Berlin. Umwelt-Zahnmedizin konkurriere nicht mit der Schulzahnmedizin, sondern ergänze sie, fügt Sabine Köhler vom Medizinischen Beratungsdienst der Zahnärzte in Aachen hinzu.

Das Konzept besteht darin, die Ursachen der Beschwerden in der äußeren und der inneren Umwelt des Patienten, beispielsweise in Dentalmaterialien, ausfindig zu machen. Umweltmediziner helfen dann, den Kontakt mit schädlichen Einflüssen zu meiden beziehungsweise zu minimieren, erklärt Frank Bartram vom Deutschen Berufsverband der Umweltmediziner in Berlin. «Umweltmediziner müssen oft detektivisch sein», beschreibt er das Vorgehen.

Eine entscheidende Rolle spielt das sogenannte Erstkontaktgespräch zwischen Umweltmediziner und Patient. Hierbei erkundigt sich der Arzt nach der gesamten gesundheitlichen Situation. Dabei ist die Diagnostik aller vorbehandelnden Ärzte wichtig. Dann werden Laboranalysen durchgeführt, um den dringenden Verdacht eines ursächlichen Zusammenhangs zu beweisen oder auszuschließen. Die Therapie ist weniger medikamentös als bei anderen Ärzten - in erster Linie geht es darum, die Auslöser für die Beschwerden auszuschalten oder - so gut es - geht zu meiden.

Den steigenden Bedeutungsgewinn der Umwelt-Zahnmedizin sieht Lutz Höhne vor allem in der Zunahme von Allergien und chronischen Krankheiten. Patienten mit mehrfacher Schadstoffsensibilität könnten besonders profitieren. Sie reagieren schon auf geringste Mengen der unverträglichen Substanz mit Krankheitssymptomen. «Diese sind aber nicht toxikologisch, also mengenmäßig begründbar», erläutert Bartram.

Ohne erkennbaren Grund sind Betroffene dann nicht mehr leistungsfähig, fühlen sich krank und haben oft grippeähnliche Symptome. Ihr Immunsystem wird immer wieder durch den Kontakt mit Substanzen belastet, die der Umwelt-Zahnmediziner aufspüren muss. Er setzt sich daher zum Beispiel intensiv mit den Allergien des Patienten auseinander.

In der Regel führen die Hautärzte zwar Allergietests durch. «Dermatologen kennen aber nicht alle Dentalwerkstoffe», sagt Höhne. Denn auch Zahnspangen, Zahnfüllungen oder Kronen können Beschwerden auslösen. Deswegen seien Allergietests beim Dermatologen kein Beweis dafür, dass keine Allergie vorliegt. Denn sie testen meist nur die allergische Reaktion über die Haut. Manche Unverträglichkeiten können jedoch nur über einen Bluttest nachgewiesen werden.

Ist eine Unverträglichkeit belegt, können Beschwerden zum Beispiel durch das Austauschen von Amalgam, Goldlegierungen oder Kunststoffen gelindert werden. «Für sensible Patienten mit einem gestressten Immunsystem ist es wichtig, dass die neu zu verwendenden Materialien möglichst keinen weiteren Reiz setzen», erklärt Köhler. «Jedes Zahnmaterial kann Probleme verursachen», fügt Bartram hinzu. Wenn schon ein Material getauscht wird, auf das der Patient sensibel reagierte, sollte der Zahnarzt eine gefahrlose Alternative verwenden.

Das ganze Verfahren hat allerdings erst einmal seinen Preis. Um Unverträglichkeiten zu beweisen, müssen Zahnmediziner Blut abnehmen und Tests durchführen, die nicht im Leistungskatalog der Dentalmedizin stehen. Wenn die umweltmedizinische Behandlung gerechtfertigt und sinnvoll ist, werden die Kosten von den Krankenkassen getragen. Ärzte müssen Bartram zufolge den Kassen aber den Beweis anführen, dass die Behandlung notwendig war. Wie die Umwelt-Zahnmedizin entstanden ist Die Umwelt-Zahnmedizin entstand aus einem Arbeitskreis aus Labor-, Umwelt- und Zahnmedizinern. Die Teilnehmer des 2004 gegründeten Arbeitskreises tauschten sich aus, lernten voneinander und forschten interdisziplinär - mit dem Ziel, Methoden zu finden, chronisch kranke Patienten langfristig von ihren Beschwerden befreien. So entstanden Leitlinien und standardisierte Verfahren für Umwelt-Zahnmediziner. Zwar können sich auch Physiotherapeuten, Zahntechniker und Heilpraktiker auf dem Gebiet weiterbilden lassen, Umweltmedizin praktizieren dürfen aber nur Ärzte. Von Anja Gladisch, dpa

dpa-infocom


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