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Heimvorteil nur im Kopf - Auswärtssiege nehmen zu

Düsseldorf Der Heimvorteil hat seinen Schrecken verloren.

Noch nie hat es vor Abschluss der Hinrunde in der 46-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga so viele Auswärtssiege gegeben wie in dieser Saison.

Von bislang 144 absolvierten Partien wurden 47 von den Gastmannschaften gewonnen, 47 endeten unentschieden, demgegenüber stehen nur 50 Heimsiege. Im Schnitt aller Spielzeiten gab es nach 16 Spieltagen knapp 32 Auswärtssiege, also nur zwei pro Spieltag - in der Saison 1975/76 gar nur 17 (1). In der laufenden Spielzeit endeten sogar drei Spieltage mit nur einem Heimsieg. Insgesamt haben derzeit acht Bundesligateams eine bessere Auswärts- als Heimbilanz.

Diesen Trend bestätigt auch eine wissenschaftliche Studie der Technischen Universität Dortmund aus dem vergangenen Jahr. Demnach ging bis zur Saison 1987/88 in durchschnittlich 55,8 Prozent aller Spiele die heimische Mannschaft als Sieger vom Platz, danach sank der Wert auf durchschnittlich 47,8 Prozent, in der Saison 2006/07 sogar auf 43,8 Prozent. Untersuchungen der TU Dortmund auf europäischer Ebene in den Ligen Englands, Spaniens und Italiens bestätigen diesen Trend ebenfalls, lediglich in der italienischen Serie A ist die Anzahl der Heimsiege über die Jahre annähernd konstant geblieben.

Die Gründe für den Rückgang der Bedeutung des Heimvorteils sind vielfältig. Die Untersuchungen der Diplom-Statistikerin Eva Heinrichs ergaben, dass es einen Zusammenhang zwischen schwindendem Heimvorteil und der geringeren Anzahl erzielter Treffer gibt. In den Anfangsjahren der Fußball-Bundesliga fielen wesentlich mehr Tore als heute. Zudem sank die Trefferquote der Heimmannschaften, die der Auswärtsteams blieb relativ konstant. In der Studie kommt Heinrichs zu dem Schluss, dass die zunehmende Leistungsdichte ein Aspekt für den mehr und mehr schwindenden Heimvorteil sei.

Heute ist es oft so, dass sich Mannschaften in Auswärtsspielen leichter tun und sich bessere Chancen ausrechnen. Nach dem Sieg des FC Schalke 04 bei Werder Bremen am 12. Dezember war Schalke-Trainer Felix Magath keineswegs überrascht. «Uns war klar, dass wir gegen eine so offensiv spielende Elf wie Werder immer wieder unsere Chancen bekommen werden, wenn wir schnell umschalten.»

Auch die vielen neuen Stadien bieten den Heimteams nicht mehr unbedingt einen Vorteil. Die Größe der Spielfelder ist sehr ähnlich, nur noch in wenigen Stadien gibt es gravierende Unterschiede. So hat der SC Freiburg mit 127 Metern einen um 22 Meter längeren Platz als zum Beispiel die Spielfelder der Stadien in Köln, Berlin, Frankfurt oder Hamburg. In Gelsenkirchen (79 Meter) und Dortmund (75) sind die Spielfelder bis zu 16 Meter breiter. Das kann sich auf die Spielweise auswirken.

Allerdings stehen zum Beispiel die Freiburger derzeit mit vier Auswärtssiegen zu einem Heimsieg in der Fremde wesentlich besser da. «Auswärts kommt uns vielleicht entgegen, dass wir das Spiel nicht ganz so mitgestalten müssen, dass wir auch mal ein wenig abwartender spielen können», sagte Freiburgs Kapitän Heiko Butscher. «Eine clever spielende Auswärtsmannschaft kann das ausnutzen», befand Trainer Jupp Heynckes vom Spitzenreiter Bayer Leverkusen.

Der Münsteraner Sportpsychologe Bernd Strauß, der sich ebenfalls in einer Studie mit dem Thema befasst hat, kommt zu der Erkenntnis, dass sich der Heimvorteil oder -nachteil im Kopf der Profis abspielt. «Wenn die Spieler die Angst vor einem Misserfolg aktualisieren und beginnen, über sich nachzudenken, kann es kritisch werden», sagte Strauß. Von Morten Ritter, dpa

dpa-infocom


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