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Auftakt des Weltklimagipfels in Kopenhagen

Kopenhagen - Weiter so wie bisher oder ein grundsätzlicher Wandel zum Schutz unseres Planeten? Mit einem eindringlichen Appell, gemeinsam das Ruder herumzureißen, hat in Kopenhagen am Montag der Weltklimagipfel begonnen.

Die Zeit für bloße Erklärungen sei vorbei, sagte UN-Klimachef Yvo de Boer in seiner Eröffnungsrede. Er forderte verbindliche Klimaschutzziele und eine sofortige Finanzzusage über 10 Milliarden US-Dollar (6,7 Milliarden Euro) jährlich für die armen Länder.

Bis zum Ende der kommenden Woche ringen Regierungsvertreter aus 192 Staaten um eine weitreichende Vereinbarung mit dem Ziel, die drohende Klimakatastrophe zu verhindern. Dafür sind teils schmerzhafte Einschnitte nötig. So viele Länder wie nie zuvor haben Vorschläge vorgelegt, um ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren oder zu bremsen. Ob dies für eine Einigung reicht, ist zweifelhaft.

Der Regierungschef des Gastgeberlandes, Lars Løkke Rasmussen, schwor die Verhandlungspartner aus aller Welt auf «schwierige, aber notwendige Entscheidungen» ein. Eine Einigung sei greifbar nahe, sagte Rasmussen und appellierte an die Delegationen: «Lasst uns nicht auf das konzentrieren, was uns trennt, sondern auf das, was uns verbindet.» Der Klimagipfel sei eine herausragende Chance - die Welt könne sich nicht erlauben, sie zu verpassen.

Der Chef des Weltklimarates, Rajendra Pachauri, unterstrich die Notwendigkeit, die Erderwärmung im Bereich von 2 bis 2,4 Grad zu drosseln. Sonst drohten katastrophale Auswirkungen. Die globale Durchschnittstemperatur sei im 20. Jahrhundert bereits um 0,74 Grad gestiegen, der Meeresspiegel um 17 Zentimeter. Sollte das Grönland-Eis schmelzen, könnte er um sieben Meter klettern. In Afrika bedrohe Wassermangel 75 bis 250 Millionen Menschen bis zum Jahr 2020.

Die Konferenz ringt auch um ausreichende Finanzzusagen, damit sich Entwicklungsländer an den Klimawandel anpassen können, und technische Hilfen für eine klimafreundliche Entwicklung. Zudem wird vorgeschlagen, dass Länder mit großen Urwaldgebieten Geld für deren Schutz erhalten.

UN-Klimachef de Boer entwarf die Vision eines «idealen Weihnachtskuchens» mit drei Teigschichten, auf dem am Ende der Konferenz die Kerzen brennen sollten. Den Boden bilde die Übereinkunft, unverzüglich im Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen aktiv zu werden. Die zweite Lage enthalte ehrgeizige Ziele zur Treibhausgas-Reduktion und Finanzzusagen. Dabei forderte de Boer ausdrücklich langfristige Zusagen ein - darauf will sich aber kaum ein Industrieland einlassen. Der Tortenguss bestehe aus einer gemeinsamen Vision für die fernere Zukunft.

In einem gemeinsamen Kommentar von über 50 Zeitungen in Europa, Afrika, Asien und Amerika hieß es am Montag, der Wandel hin zu einer umweltschonenderen Gesellschaft werde viel Geld kosten, aber viel weniger als die Rettungsaktionen für die Banken. «Viele von uns, vor allem in der entwickelten Welt, werden ihren Lebensstil ändern müssen. Die Zeit, in der ein Flug billiger ist als die Taxifahrt zum Flughafen, muss bald vorbei sein. Doch der Wandel zu einer CO2-armen Gesellschaft birgt mehr Chancen als Opfer.»

Der Ansturm auf die dänische Hauptstadt - in Hoffnung auf eine Einigung in «Hopenhagen» umbenannt - ist enorm: Zur Konferenz sind nach Angaben der Organisatoren mehr als 15 000 Teilnehmer aus aller Welt angereist. Eigentlich hatten 34 000 Menschen dabei sein wollen, viele von ihnen mussten abgewiesen werden.

Zur Präsidentin der Klimakonferenz wurde am Montag die dänische Klimaministerin Connie Hedegaard ernannt. In der zweiten Woche des Gipfels werden 110 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen erwartet, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama. Seine Ankündigung, entgegen ersten Planungen doch noch zu den Abschlussverhandlungen nach Kopenhagen zu kommen, hatte neue Hoffnungen auf eine Einigung geweckt.

dpa-infocom