pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Film

Europäischer Filmpreis: «Das weiße Band» räumt ab

Bochum - Der Film zog sich wie ein roter Faden durch den Abend des Europäischen Filmpreises 2009: «Das weiße Band» ist der große Gewinner.

Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.

«Das weiße Band» ist in diesem Jahr der große Gewin­ner beim Europäi­schen Film­preis.

Gleich drei Auszeichnungen von den insgesamt zu vergebenen 15 bekam die deutsch-österreichisch-italienisch- französische Koproduktion am Samstagabend in der Jahrhunderthalle in Bochum. Michael Haneke wurde jeweils als Regisseur und Drehbuchautor prämiert. Der beklemmende Film, der vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in einem norddeutschen Dorf spielt, ist eine Anklage gegen geheuchelte Moral und mangelnde Zivilcourage. Trotz - oder vielleicht gerade wegen - seiner Machart in schwarz-weiß hat er sich durchgesetzt gegen die heute meist bunten und aufgeregten Filme.

«Ich versuche eine Filmsprache zu finden, die dem Zuschauer ein Stück Freiheit zurückgibt», hatte Haneke einmal gesagt. «Es war ein extrem schwieriger Film», betonte der Österreicher in seiner Dankesrede. Und bekannte sogar, dass auch er bei den Dreharbeiten nicht immer ganz leicht zu ertragen war: «Meistens bin ich grantig.» Der ebenfalls für den Europäischen Filmpreis nominierte «Slumdog Millionaire» erhielt den Publikumspreis. Danny Boyle sagte, er sei «in der Erwartung gekommen, anderen Filmen zu applaudieren». Der Oscarpreisträger fügte hinzu, die Aufreihung von Preisen bei ihm Zuhause wirke auf ihn inzwischen bedrohlich.

Am Abend des Filmpreises wurde viel über das europäische Kino diskutiert, den Überlebenskampf kleinen Programmkinos, aber auch über die Schaffensfreiheit. Der britische Regisseur Ken Loach und die französische Schauspielerin Isabelle Huppert waren die diesjährigen Ehrenpreisträger. «Das Kino ist eine Sprache der Freiheit, die nicht boykottiert werden darf», sagte Huppert. Und Loach meinte wenig später: «Es gibt Teile dieser Welt, wo Filmemacher unterdrückt werden. Es ist keine Selbstverständlichkeit, die Filme machen zu können, die man für wichtig hält.»

Mit «Das weiße Band» und «Der Vorleser» waren zwei deutsche Produktionen für die höchste Auszeichnung «Europäischer Film» nominiert worden. Kate Winslet wurde für ihre Rolle in «Der Vorleser» als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Ihr ebenfalls nominierter Mitspieler David Kross ging in der Kategorie bester Schauspieler leer aus. Dafür gewann mit Tahar Rahim ein Newcomer den Preis - für seinen Einsatz in «Un Prophète». Zumindest wurde am Abend klar, dass auch weniger kommerzielle Filme eine Chance auf Anerkennung und Auszeichnung haben.

Der große Star des Abends war neben allen Nominierten und illustren Gästen - darunter der deutsche Hollywood-Regisseur Roland Emmerich, und die deutschen Schauspieler Moritz Bleibtreu und Hannelore Elsner - aber jemand anderes: Eric Cantona. Der ehemalige Fußballstar bei Manchester United und französische Nationalspieler kam als Laudator für Ken Loach.

Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres Ruhr 2010 wurde der Filmpreis erstmals in der nordrhein-westfälischen Stadt Bochum verliehen. Eindrucksvoll war die Kulisse in der Jahrhunderthalle, in die eine Lichter- und Klangshow eingebettet wurde.

dpa-infocom