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Interview

Mehrheit für Steuerentlastungspaket noch unsicher

Koblenz - Die Mehrheit des Bundesrats für das Steuerentlastungspaket der Bundesregierung ist noch nicht sicher. "Die Gespräche laufen weiter. Ich habe keine neuen Erkenntnisse", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten.

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Video-Inter­view mit Hote­lier Hans-Joachim Mehl­horn.

Der Bundesrat entscheidet am Freitag über die geplanten Hilfen für die Familien und die Steuerentlastungen für Erben, Unternehmen und Hoteliers.

Dabei geht es auch um eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für Übernachtungspreise in Hotels von 19 auf 7 Prozent. Sollte der gesenkte Satz tatsächlich kommen - was würde das für Branche und Gäste bedeuten? Wir haben beispielhaft nachgefragt bei Hans-Joachim Mehlhorn. Er ist Inhaber von Diehl's Hotel in Koblenz und Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Koblenz. Zuletzt hat Mehlhorn mehr als 5 Millionen Euro in sein 90 Jahre altes Haus investiert. Einiges vom neuen Geld wird in die Tilgung der Kredite fließen.

Warum ist die Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent für Hoteliers wichtig?

Wir brauchen die 7 Prozent, damit wir unsere Preise senken können. Das Tödlichste für uns wäre eine Reduzierung der Lohnsteuer und Einkommensteuer, aber keine Senkung der Mehrwertsteuer. Denn wenn der Deutsche mehr Geld in der Tasche hat und Urlaub machen will, wo fährt er dann hin? Nach Mallorca, weil in Deutschland die Preise zu hoch sind. Der Effekt sollte aber in Deutschland bleiben.

Geben Sie die Senkung eins zu eins an den Gast weiter?

Nicht zu jeder Jahreszeit. Wenn es sich anbietet, schon. Im Januar, Februar und März, wenn überall Flaute herrscht, wird der Gast sofort spüren, wo die 12 Prozentpunkte hin sind. Gerade in flauen Zeiten ist es wichtig, Deutschland als Urlaubsland attraktiv zu gestalten. Vor allem im Süden fragen sich die Menschen: Fahre ich nach Bayern oder nach Österreich, wo es einen geringen Mehrwertsteuersatz gibt?

Was machen Sie mit dem Geld, wenn Sie es nicht weitergeben?

Unsere Mitarbeiter haben seit Jahren keine Lohnerhöhung mehr gesehen, außer den tariflich vorgeschriebenen. Für mehr war auch kein Spielraum. Ich habe ihnen versprochen: Wenn wir die reduzierte Mehrwertsteuer bekommen, kriegen sie um die 3,5 Prozent mehr in die Tüte. Von den Sozialabgaben und der Lohnsteuer profitiert wiederum Vater Staat.

Wie geht es Ihrer Branche?

Durchwachsen. Die Hotellerie hatte in den letzten Jahren erhebliche Mehrkosten zu verkraften. So sind die 7 Prozent auch ein Ausgleich für die Kosten, die wir ungerechtfertigterweise mehr bezahlen mussten.

Die gestiegenen Energiekosten treffen auch andere Berufsstände. Warum soll es eine Steuerermäßigung gerade für Hoteliers geben?

Die Gäste sind heute sehr preissensibel geworden und verlangen einen absoluten Leistungsstandard. Sie sehen, welche Unterschiede es innerhalb einer Kategorie - zum Beispiel vier Sterne - geben kann. Gerade in der Privathotellerie hat es aber in den letzten Jahren erhebliche Investitionsstaus gegeben, weil man mithalten musste mit der Kettenhotellerie, die die Preise vorgegeben hat. Wir hatten nicht das Geld, um unsere Häuser auf einen gewissen Standard anzupassen.

Die FDP hatte sich den erniedrigten Steuersatz auf die Fahnen geschrieben. Wählen alle Hoteliers gelb?

Die FDP ist dieses Jahr massiv von der Hotellerie und Gastronomie gewählt worden. Wenn die Entscheidung am Freitag gegen die 7 Prozent ausfällt, dann wird es einen großen Aufschrei geben. Dann hat die FDP zumindest in unserer Branche verloren.

Das Gespräch führte Katrin Steinert

RZO