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«Das Orangenmädchen» - nichts für Gaarder-Fans

Hamburg An seinem 16. Geburtstag bekommt Georg Briefe aus dem Jenseits. Sein Vater hat sie geschrieben, kurz bevor er vor elf Jahren an Krebs starb.

Er erzählt ihm darin vom Orangenmädchen - Georgs Mutter. Es ist eine Geschichte von viel Liebe und wenig Lebenszeit.

«Je schöner es ist zu leben , desto schlimmer ist es zu sterben. Wie würdest Du wählen», fragt Jan Olav seinen Sohn. Die norwegische Regisseurin Eva Dahr erzählt ihr Wintermärchen «Das Orangenmädchen» nach dem gleichnamigen Bestseller von Jostein Gaarder («Sofies Welt») in drei Zeitebenen: Jan Olavs Liebesgeschichte zeigt sie in warmen Farben mit viel Orange, den quälenden Abschied von der Familie fast in Schwarz-Weiß, Georgs Suche nach dem Sinn des Lebens in klarer, eher kühler Stimmung.

Noch immer wütend, dass sein Vater, ein Arzt und passionierter Sternengucker, ihn alleingelassen hat, sträubt sich Georg (Mikkel Bratt Silset) zunächst, in die Vergangenheit einzutauchen. Doch dann begreift er, dass sein Vater ihm eine Botschaft schickt: Er muss sich auf das Leben einlassen, um seine Schönheit zu sehen und das Glück zu greifen. Stella (Emilie K. Beck), seine Begleiterin auf einer Skireise, wartet nur darauf.

Jan Olav (Harald Thompson Rosenstrøm) trifft nicht der Blitz, als er sich in Veronika (Annie Dahr Nygaard) verliebt, sondern eine Tüte voller Apfelsinen. Während er noch versucht, in der Straßenbahn die herumkullernden Früchte einzusammeln, ist die geheimnisvolle Schöne im orangefarbenen Mantel schon wieder verschwunden. Er glaubt, er denkt kaum an sie - «nur einmal pro Minute» - und trifft sie zufällig wieder. Sie sagt, sie sei ein Eichhörnchen. Sie ist ihm ein Rätsel. Es ist Weihnachten, und er küsst sie zum Fest. Sie sagt, er muss warten: ein halbes Jahr. Frohe Weihnachten, Jan Olav! Woher kennt sie seinen Namen?

Als eine Karte aus Sevilla kommt («Kannst Du noch warten?»), fliegt Georg nach Spanien. Er findet sein Orangenmädchen und noch im selben Sommer heiraten sie. Sie haben keine Zeit zu verlieren. «Ich glaube, der Augenblick ist die einzige Ewigkeit», sagt Veronika.

Wer das Buch vom Orangenmädchen kennt und liebt, wird den Film nicht mögen. Jostein Gaarder hat ein wunderbar poetisches Märchen mit philosophischer Tiefe geschrieben. Der Film - gedreht in Oslo, Sevilla und im Studio in Erfurt - ist eher nüchtern und ohne Zwischentöne, vor allem aber werden die 84 Minuten völlig überfrachtet mit der erdachten Rahmenhandlung. Die Schauspieler bekommen keine Zeit, sich zu entfalten und die großen Gefühle zu vermitteln.

«Ich war von der Idee begeistert, hatte aber auch gleichzeitig Angst davor», sagt die Regisseurin Eva Dahr. Es sei eine große Herausforderung gewesen, die vielen verschiedenen Arten der Reflexionen, Gedanken und Wunder einzufangen. Diesen übergroßen Respekt vor Gaarders literarischem Werk - er hat weltweit mehr als 50 Millionen Bücher verkauft - merkt man dem Film an. Das Bedeutsame dieser Geschichte können die bewegten Bilder nicht erzählen.

dpaq.de/orangenmaedchen Von Ines Bellinger, dpa

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