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Leander Haußmann hat Angst vor dem Altwerden

Berlin Alte Menschen werden in unserer Gesellschaft wie Außerirdische behandelt, findet der Regisseur Leander Haußmann («Sonnenallee», «Herr Lehmann»).

Seine neue Komödie «Dinosaurier - Ohne uns seht ihr alt aus» spielt in einem Altenheim und bietet alten Schauspiellegenden noch einmal eine Bühne.

Die Hauptrolle spielt sein Vater Ezard Haußmann (74). «Er hat unbedingt noch einmal eine große Filmrolle verdient», sagte der Regisseur der dpa. Durch zehn Jahre Berufsverbot in der DDR habe er viel Zeit verloren. In der Filmfigur Johann Schneider stecke viel von seinem Vater, sagt Haußmann.

Ist Ihr Vater auch so ein Playboy wie Johann Schneider?

Haußmann: «Playboy ist noch untertrieben. Mein Vater war ein Ladykiller. Er sah umwerfend aus und hat einiges flachgelegt. Ich darf das jetzt sagen, weil meine Mutter das weiß und alles in seiner Stasi-Akte nachlesen konnte. Außerdem kann mein Vater perfekt lügen. Er hat mir einmal gesagt: 'Wenn du deine Frau betrügst - was man natürlich nicht macht - dann sag es ihr nicht. Lüge, bis es nicht mehr geht und bis die Beweise dich erdrücken.' Und da hat er recht, denn wenn Du die Wahrheit sagst, ist der Ärger genauso groß.»

Das Altenheim in Ihrem Film ist der reinste Alptraum. Wollten Sie damit auf Missstände im Gesundheitswesen aufmerksam machen?

Haußmann: «Meine Großeltern wollten alle in Altenheimen wohnen - möglicherweise wurde die Entscheidung zu spät getroffen. Sie sind auch dort gestorben und es war teilweise wirklich gruselig, weil die hygienischen Zustände unzureichend waren und am Pflegepersonal gespart wurde, was ja heute immer noch der Fall ist. Alte, kranke Menschen werden in dieser Gesellschaft immer noch extrem vernachlässigt. Wir tun immer so, als ob sie plötzlich mit dem Raumschiff gelandet wären, eine uns unbekannte Volksgruppe wären, die wir irgendwo unterbringen müssten, wo sie uns nicht stören. Diese Art von Brutalität habe ich selbst kennengelernt, als bei meinem Vater kurz nach den Dreharbeiten ein Gehirntumor diagnostiziert und operiert wurde. Man ist plötzlich in einer anderen Welt, die man sich als Gesunder nicht vorstellen kann. Alle Menschen verfallen sofort in Moll und drücken ihr Mitgefühl aus. Aber man will kein Mitleid, sondern Hilfe, das ist der Punkt.»

Haben Sie Angst vor dem Altwerden?

Haußmann: «Ja, ich habe Angst. Und der Film ist eine Art, diese Angst zu bekämpfen. Deswegen ist es auch eine Komödie. Ich wollte einen Film machen, der uns alle betrifft und trotzdem nicht rumheult. Zynisch gesagt: Eigentlich könnte man im Alter doch die Vorteile des Kindseins wieder nutzen. Man kann wieder mit der elektrischen Eisenbahn spielen und sie sich sogar selbst leisten.»

Interview: Anna Wahdat, dpa

dpa-infocom