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Musik

Sting überrascht mit Wintermusik

Baden-Baden Sting hat sich noch nie richtig angepasst mit seiner Musik.

Er wird es wohl auch nicht mehr tun, egal ob als Frontmann der früheren Rock-Gruppe The Police oder als Solo-Künstler.

Bei dem Briten ist nie klar, ob er als nächstes einen Ausflug in die klassische Musik unternimmt oder lieber mit Jazz, Weltmusik und - wie zuletzt - den Werken des Renaissancekomponisten John Dowland herumexperimentiert. Mit beschaulichen Winter-Melodien und geradezu meditativen Klängen hat der Mann mit der vertrauten und ruhigen Stimme nun zur Vorweihnachtszeit erneut überrascht - mit Erfolg, wie ihm die Ovationen von 2500 Fans am Donnerstagabend beim einzigen Deutschland-Konzert in Baden-Baden zeigten.

Sein neues Album «If On A Winter's Night...» kommt als gekonnter Griff in die Musiktruhe längst vergangener Jahrhunderte daher. Mit großem Aufgebot stellt Sting auch in Baden-Baden diese bisweilen gemütlich einlullende, teils auch ausgelassene Sammlung mit traditionellen britischen Titeln, Weihnachts- und neu interpretierten Wiegenliedern vor.

Cello und Geige, keltische Harfe und Melodeon, Akkordeon und Dudelsack - Stings gut drei Dutzend Musiker hatten alles im üppigen Gepäck, um im ausverkauften Festspielhaus die richtige vorweihnachtliche Stimmung zu verbreiten. Der 58-Jährige allerdings legt großen Wert darauf, dass seine neue Sammlung kein Weihnachtsalbum ist - und es kommt auch nicht als festliche Dauerberieselung daher. Vielmehr versucht der gut aufgelegte Brite mit warmer Stimme auch in Baden-Baden einen Bogen zu spannen quer durch die kalte Jahreszeit mit Verweisen auf Besinnung und Religiosität, Stille und Selbstreflexion.

«Der Winter ist faszinierend, es ist eine frostige Jahreszeit zum Nachdenken, eine Zeit, in der Geschichten am Feuer erzählt werden, von Geistern und Vorfahren, eine Zeit der Hoffnung und der Vorbereitung auf das neue Jahr», erklärt Sting alias Gordon Sumner seinen Baden-Badener Fans. Sein gänzlich kitschfreies Repertoire des Abends umfasst neben traditionellen Stücken wie «Lo How A Rose E'er Blooming» («Es Ist Ein Ros' Entsprungen») auch bearbeitete Kompositionen zum Beispiel von Henry Purcell, dem «ersten britischen Rockstar», wie Sting ihn preist. Mit dem schauerlich-schönen «Hounds Of Winter» und «Lullaby To An Anxious Child» bringt der Brite zudem zwei eigene Werke auf die Bühne.

Bisweilen klingen die Wintermelodien nach Blues, bisweilen nach Folk, sehr oft nach Kaminfeuer-Atmosphäre und immer wieder nach einem aufgeheizten irischen Pub an einem kalten Winterabend, an dem Traditionen wach werden. Die Texte der Songs handeln allerdings keineswegs nur von den Freuden des Festes, sondern von düsteren Themen, den Kehrseiten, der Einsamkeit. Das kraftvolle und jazzige «Burning Babe» erzählt von einer feurigen Erscheinung, Stings Single «Soul Cake» von den Seelenkuchen, die man einst direkt nach Allerheiligen an Kinder und Arme verteilte, symbolisch für die Stärkung der Seelen, die aus dem Fegefeuer aufsteigen.

«Hurdy Gurdy Man» dagegen ist eine musikalische Adaption von «Der Leiermann» aus Franz Schuberts klassischem Liederzyklus «Winterreise». Bei «Cherry Tree Carol» verlässt sich Sting voll und ganz auf wenige Akkorde seiner Gitarre und die eigene Stimme. Und das baskische Weihnachtslied «Gabriel's Message» gehört für ihn ebenso zum Winter wie das mit gälischer Musik untermalte Gedicht von Robert Louis Stevenson «Christmas At Sea». Von Martin Oversohl, dpa

dpa-infocom