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Musik

Helge Schneider bei Tourauftakt in seinem Element

Mülheim/Ruhr (dpa) ­ «Hier sind viele Leute, die hab ich bestimmt 50 Jahre nicht gesehen»: Gut gelaunt und gewohnt klamaukig ist Helge Schneider am Freitagabend in seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr zu seiner Tournee «Komm hier haste ne Mark!» gestartet.

Mit neuen Songs, Klassikern wie «Fitze fitze fatze» und Absurditäten unterhielt der Improvisationskünstler das Publikum in der ausverkauften Stadthalle.

Zunächst lässt der Blödelbarde auf sich warten. «Helge, komm `raus!», tönt es ungeduldig aus einer der vorderen Parkettreihen. Der schwarze Vorhang wird zur Seite geschoben, und Schneider schlurft in grauem Anzug und mit dunkler Sonnenbrille auf die Bühne, stellt sich vor das Mikrofon und rückt es zurecht: «Guten Abend, meine Damen und Herren. Das war bis jetzt ein sehr schöner Abend mit euch, den ich niemals in meinem ganzen Leben vergessen werde. Tschüss!» Das Publikum lacht, «das Eis ist gebrochen», wie Helge Schneider konstatiert. Dann lässt er sich von Bodo, seinem Tee-Koch mit rotem Frack und schlecht sitzender Perücke, erst einmal einen Hagebuttentee servieren.

Es ist die meisterhafte Sinnlosigkeit, die Helge Schneiders Humor unverwechselbar macht. Der Entertainer führt alles, was er sagt, Augenblicke später ad absurdum: «Ich war schon mal am Nordpol, - also nur in meiner Fantasie. Da war es sehr warm. In der Realität ist es da natürlich sehr kalt.» Verzweifelt sucht Schneider einen Moment lang seinen Kamm, obwohl er behauptet, ihn nicht zu brauchen. Dann hält die Mundharmonika als Ersatz her.

In einer Tonne am Bühnenrand will der 54-Jährige seinen bärtigen Saxofonisten Volker Bertzky, den er als russischen Astronauten vorstellt, auf den Mond schießen. Obwohl Schneider mehrmals von zehn herunterzählt, scheitert das Vorhaben daran, dass er die Lunte mit seinem kaputten Feuerzeug nicht anzünden kann. Also lässt er sich von Bodo lieber noch einen Hagebuttentee servieren. Auf Schneiders Hals prangt an diesem Abend ein breites Pflaster. Er habe sich beim Rasieren geschnitten, sagt er. Vielleicht stimmt das, vielleicht ist es auch nur Blödsinn - so genau weiß man das nie bei ihm.

Der selbsternannte «popowackelnde Kakadu der deutschen Popmusik» präsentiert in Mülheim einige musikalische Neuheiten, darunter den melodischen Song «Du bist ich». Laut Helge Schneider ein Liebeslied, «aber ein bisschen aggressiver, so ein bisschen punkig». Sagt's und grinst. Wer sich auf seine Scherze einlässt, hat bei diesem Konzert ständig etwas zu Lachen.

Schneider musiziert an diesem Abend zwar auch selbst auf Piano, Gitarre und Mini-Saxofon. Den Großteil der Arbeit überlässt er aber seiner fünfköpfigen Band Die Drops. Die nimmt der Komiker gnadenlos auf die Schippe. Seinem Kontrabassisten bescheinigt er «trotz seines hohen Alters» ganz gute Fähigkeiten, aber «mit dem Ringel-Shirt könnte er auch in einem Piratenfilm mitspielen». Mit Schlagzeuger Pete York unterhält sich Schneider auf Englisch, das er sehr frei übersetzt. Der Drummer sticht gegen Ende der Show mit einem minutenlangen Solo heraus, während sich Schneider und der Rest der Band zu einer Pause hinter die Bühne zurückziehen.

Bis Montag ist Helge Schneider mit drei weiteren Weihnachts- Konzerten in Mülheim zu sehen. Bis April tourt er mit seinem neuen Programm durch Deutschland. «Für die neue Tournee haben wir hier jetzt mal ein bisschen was ausprobiert», verabschiedet er sich am Freitagabend nach knapp drei Stunden. «Morgen wirds besser, schade, dass ihr für die Show keine Karten habt.»

http://dpaq.de/Xlk7X Von Julia Wäschenbach, dpa

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