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Nürburgring: Zeuge bricht nach Aussage zusammen

Rheinland-Pfalz Der Untersuchungsausschuss "Nürburgring" sieht geschockte Politiker: Der Chef der Kur AG Bad Neuenahr, Rainer Mertel, der bei seinem souveränen Auftritt absolut fit wirkt, erleidet eine schwere Herzattacke.

Der Untersuchungsausschuss Nürburgring, der die spektakulär gescheiterte Privatfinanzierung aufrollt, beschäftigt sich noch mit der Vorgeschichte bis 2004. Der heutige Chef der Kur AG Bad Neuenahr, Rainer Mertel (64), war bis 1994 zehn Jahre Chef am Ring. Vor seinem plötzlichen Zusammenbruch im Zeugenzimmer nach der humorvollen Verabschiedung im Wappensaal des Landtags schildert er die Probleme von damals, die den heutigen gleichen: Nach dem tragischen Unfall von Rennfahrer Niki Lauda auf der alten Nordschleife musste die Rennstrecke umgebaut werden. Trotz der Investition von 40 Millionen Euro zog Bernie Ecclestone mit dem Formel-1-Rennzirkus aber nicht bereitwillig an die Eifel zurück.

Der knallharte Brite stellte Diktate , denen sich Mertel nicht beugen konnte und wollte, um nicht alle anderen Veranstalter zu verlieren. Um neue Zuschauer an den Ring zu locken, holte Mertel Publikumsmagneten wie den Truck Grand Prix und "Rock am Ring" in die Eifel. Als Ecclestone auch noch die Motorrad-Rennen unter seine Regie brachte, stand die GmbH unter Zugzwang. In den 80er-Jahren entstand die Idee für ein gigantisches "Motorland". Aber benötigte Sponsoren fanden sich nicht. Automobilfirmen setzten 1989/90 nach dem Fall der Mauer "andere Prioritäten". Die neue SPD/FDP-Regierung in Mainz 1991 beendete alle Pläne.

Mertel wollte nicht bis zum Ruhestand "Autos im Kreis fahren lassen". Er wechselte zu Kur AG, arbeitete noch sechs Monate mit Nachfolger Walter Kafitz zusammen, mit dem er Probleme hatte. Er bescheinigt ihm Defizite.

Zur Qualifikation von Kafitz kann der ehemalige Ministerpräsident Rudolf Scharping (1991 bis 1994) nicht viel sagen. Er kannte ihn aus Juso-Zeiten, habe sich aber am Nürburgring nicht eingemischt, weil er den mit Aufsichtsratschef Ernst Eggers (FDP) in besten Händen sah. Er habe sich mit Struktur-

problemen beschäftigt, die mit dem Abzug der Truppen und dem Bonn-Berlin-Umzug drohten. Dass die Staatskanzlei Einfluss auf die Personalie Kafitz genommen hat, will er "nicht ausschließen", erinnert sich aber nicht. Die CDU kann ihn nicht festnageln. In deren Reihen rückte Berhard Henter für Billen nach, der als Aufklärer nach der Polizeiaffäre gehen musste.

Ex-Finanzminister Ingolf Deubel bescheinigt dem inzwischen gefeuerten Kafitz aber hohe Kompetenz, weitsichtige Strategie und höchstes Ansehen bei internationalen Rennstreckenbetreibern. Die Vorgeschichte zeigt Deubel, dass ohne die teure Formel 1 immer noch Ecclestone diktiert, wichtige andere Gewinne wegbrechen - und damit auch Arbeitsplätze. (us)

RZO