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Nürburgring: Pinebeck verlangte Provision von neun Millionen Euro

Rheinland-Pfalz Vor dem Rücktritt von Finanzminister und Aufsichtsratschef Ingolf Deubel und der geplatzten Privatfinanzierung am Nürburgring hätten die Finanzmakler des umstrittenen Deals um ein Haar noch vier Millionen Euro Provision am 3. Juli kassiert.

Das Firmengeflecht Pinebeck und der Schweizer Kaufmann Urs Barandun gaben vor, für 200 Millionen Euro die Ring-Immobilien kaufen und an die Ring-GmbH so günstig vermieten zu wollen, dass die nahezu landeseigene Gesellschaft 50 Millionen Euro spart. Dafür wollten die Pinebeck-Chefs Michael Merten und Normann Böhm, die Barandun eingeschaltet hatten, aber auch neun Millionen Euro Provision sehen.

Am 3. Juli, kurz vor dem Rheinland- Pfalz-Tag in Bad Kreuznach, machten sie Druck. Zwei Schecks über 100 Millionen Euro waren eingetroffen, aber noch nicht eingelöst. Merten & Co., die schon etwa eine Million Euro an Beraterhonoraren kassiert hatten, forderten eine zweite Rate von vier Millionen ein, weil dafür eine 48-Stunden-Frist vereinbart worden war. Ring-Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz und Deubel berieten sich mittags mit einem Anwalt, wie Deubel unserer Zeitung bestätigte. Der Anwalt war skeptisch. Die GmbH erwartete offenbar eine Anweisung von Deubel. Aber: "Ich habe nicht eine einzige Weisung an den Geschäftsführer erteilt", betont er. Wer könne ihn nur "für so verrückt halten"?

Er wäre es in diesem Fall wohl auch gewesen. Denn nach 19 Uhr an jenem 3. Juli erreichte Deubel ein Anruf der Bank, die "an der Werthaltigkeit der Schecks zweifelte". Er informierte "sofort" die Nürburgring GmbH, wo Kafitz die Millionen-Anweisung bereits unterschrieben hatte. Aber die war erst nach der normalen Öffnungszeit bei der Bank eingetroffen. Die Stornierung habe die GmbH sofort hinterhergeschickt, sodass der Bank am Montagmorgen noch rechtzeitig beide Anweisungen vorlagen. Die vier Millionen Euro erreichten Pinebeck nicht mehr. Ministerpräsident Kurt Beck berief am Fest-Wochenende eine Krisensitzung nach der anderen ein. Am Montag, 6. Juli, konnte Deubel nur noch für sich bürgen. Am 7. Juli trat er zurück. Der Deal wurde gestoppt und die in der Schweiz deponierten 95 Millionen Euro zurückgerufen.

In der Eifel und an der Ahr kursiert aber eine andere Version: Danach soll der gefeuerte Kafitz von Deubel am 3. Juli die Anweisung erhalten haben, die vier Millionen an Pinebeck zu transferieren, weil ja die 100 Millionen Euro pünktlich vor der Eröffnung des Projekts eingetroffen waren. In dieser Sichtweise saßen die cleveren Kaufleute aber am Ring, die abwarten wollten, ob die Schecks auch gedeckt waren. Deshalb hätten sie den von Manager Kafitz unterschriebenen Überweisungsträger erst gar nicht zur Bank gegeben.

Die Koblenzer Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass Pinebeck-Manager und Barandun seit Juni 2008 mit Scheingeschäften nur auf Provisionen aus waren. (Ursula Samary)

RZO