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Dopingserie Teil 5

Im Pferdesport wird ausgemistet

Von Volker Boch

Der Sport lebt von seinen Facetten, von seinen unterschiedlichen Farben. Nur beim Thema Doping scheint es nur schwarz und weiß zu geben. Die (bösen) Doper und wir, die (guten) Sauberen. Wie schnell sich dieses Bild dreht, lässt sich an der Reiterei festmachen.

Für Jahrzehnte galt der Reitsport als Sport der Privilegierten. Elitär = sauber, so wirkte es in der Öffentlichkeit. Isabell Werth war ein schönes Beispiel dafür: vier Olympiasiege, dazu dreimal Silber unter den Olympischen Ringen, sechs WM-Titel.

Werth war immer eine Erfolgsgarantin in Sachen Medaillenspiegel. Wer auf die Internetseite der Dressurreiterin schaut, kann sich davon ein glänzendes Bild machen. Aktuell beschäftigt die 39-Jährige ihr kleines Baby, aber auch die Frage, wann sie wieder "rank und schlank in den Sattel steigen kann". Zunächst muss Werth das Ende ihrer Doping-Sperre abwarten. Mit sechs Monaten Turnierverbot - bis kurz vor Weihnachten - wurde sie belegt, nachdem ihr Pferd Whisper im Mai beim Turnier in Wiesbaden positiv getestet worden war. Angesichts dessen, was beim zehnjährigen Wallach gefunden wurde, dürfte die zeitnahe Rückkehr in den Reitzirkus ein Weihnachtsgeschenk sein.

Solche Geschenke haben offenbar Tradition im Reitsport. Aber: "Die Reiter werden langsam wach", hat Armin Baumert, Vorstandsvorsitzender der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada, festgestellt. Insider sagen, dass bei den Reitern Narrenfreiheit und Willkür herrschten. Züchter erzählen, wie sie talentierte junge Pferde an bekannte Trainer abgeben und wenige Monate später ihren Augen nicht mehr trauen, wenn sie die Tiere wiedersehen: definierte Muskulatur, kräftigerer Körper. Ganz abgesehen von der Brutalität, die in diesem Sport - auch Jahre nach dem Barren-Skandal um Star-Trainer Paul Schockemöhle - als Methode wohl immer noch Anwendung findet; es wird offensichtlich auch viel gespritzt. Obwohl im Pferdesport bislang alles verboten war, was nicht auf Weiden wächst.

"Wir sprechen von Null-Toleranz", sagt Mario Thevis, Analytik-Professor im Institut für Biochemie an der Sporthochschule in Köln. Der Doping-Fahnder bekommt es in letzter Zeit immer häufiger mit Pferde-Urin zu tun. Nach Jahren relativer Untätigkeit wird verstärkt kontrolliert, weil der Sport in Verruf geraten ist.

Geradezu grotesk war vor einigen Tagen der Vorstoß des Weltverbandes FEI, das Medikationsverbot zu lockern. Das wichtigste Turnier weltweit, das CHIO in Aachen, lehnt die von FEI-Präsidentin Haya Bint al Hussein forcierten Regeln ebenso brüsk ab wie der deutsche Verband - weil es ein falsches Signal ist. Inzwischen schreien nicht nur Tierfreunde angesichts des Doping-Problems im Reitsport auf. Dabei geht es meist nicht mal um die ethische Dimension des Dopings. Aber sie sei wenigstens erwähnt: Das Pferd kann sich gegen Doping nicht wehren.

RZO

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