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Von der Prinzessin und der Olympiasiegerin

Auch im Pferdesport wird betrogen, Beispiele gefällig?

Beispiel Isabell Werth: In der Probe von Whisper wurde im Mai 2009 "Fluphenazin" gefunden, und diese Substanz hat in einem Pferd nichts verloren. "Ich habe ein reines Gewissen", sagte Werth nach dem Bekanntwerden der Probe. Dabei ist Fluphenazin in der Tiermedizin verboten, es ist ein Psychopharmakon, das bei Menschen eingesetzt wird, die unter akuten Psychosen leiden, unter Wahnvorstellungen oder anderen schlimmen Erkrankungen. Es ist bei Pferden weder erprobt noch zugelassen. Werth sagte, ihr Pferd leide an einer "Zitterkrankheit". Ihr Arzt Hans-Georg Stihl habe das Medikament "Modecate" eingesetzt, weil er damit gute Erfahrungen gemacht habe.

Da das Medikament aber nicht beim Verband angemeldet wurde, wird vermutet, dass Whisper ruhiggestellt werden sollte. Fluphenazin fiel bereits 2004 bei den Spielen in Athen als Dopingsubstanz auf, aber damals war die Laboranalytik noch nicht so fein justiert wie 2009.

Anton Fürst von der Vet- suisse-Fakultät an der Universität Zürich sagt: "Beim Pferd gibt es für Fluphenazin keine medizinische Indikation." Mit dem Mittel werde "die Spitze gebrochen", also Nervosität und Übermut genommen. Das klingt klar nach Doping, denn Ruhe und Gelassenheit sind in der Dressur wichtige Parameter auf dem Weg zu Prämien in fünfstelliger Höhe. Es erschien realistisch, dass die Juristin für zwei Jahre gesperrt würde.

Werth sprach von gefundenen "unwirksamen Restspuren", verzichtete aber auf die B-Probe. Der Fall war eindeutig, heraus kam aber eine milde Sechs-Monats-Sperre des Weltverbandes FEI. Interessant: Werths Tierarzt Stihl war bereits Jahre zuvor aufgefallen, er soll in den 1980er-Jahren in Frankreich in Untersuchungshaft gesessen haben, weil er angeblich mit einem Wagen gestoppt wurde, dessen Kofferraum mit Doping-Präparaten gefüllt war. 2003 wurde das Pferd Rusty von Dressur-Star Ulla Salzgeber positiv auf Testosteron getestet, verabreicht von Stihl - angeblich ohne das Wissen der Juristin. Salzgebers Strafe - 2000 Euro und zwei Monate Startverbot - wurde so gestaltet, dass sie mit Ausnahmegenehmigung die Olympia-Qualifikation bestreiten und dann in Athen zu Olympiagold reiten konnte. Stihl werden in der Szene "magische Fähigkeiten" attestiert.

Beispiel Prinzessin Haya Bint al Hussein: Während noch das Verfahren ihres Verbandes gegen Werth lief, erklärte die Präsidentin des FEI lautstark beim CHIO in Aachen, dass die deutsche Reiterin lediglich schlecht von ihrem Arzt beraten worden sei. Werth sei keine Lügnerin, erklärte sie mitten in einem schwebenden Verfahren.

Die 35-jährige Jordanierin plauderte sozusagen aus dem familiären Nähkästchen. Erst kurz zuvor war doch ihr Gatte, Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum, Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate, von ihrem Verband FEI wegen Dopings seiner Distanzpferde bestraft worden: sechs Monate Sperre für den begeisterten Hobbyreiter, 3000 Euro Strafe. Bestraft, so nannte es der Verband, gestreichelt, so wirkte es. Das bei zwei Pferden - neben anderen Substanzen - gefundene Mittel gehört zur gleichen Gruppe von Psychopharmaka wie bei Werth.

Beispiel Christian Ahlmann: Bei den Olympischen Reiterspielen in Hongkong wurde neben fünf anderen das deutsche Paar Christian Ahlmann und Cöster auffällig, weil bei dem 15-jährigen Schimmel "Capsaicin" gefunden wurde. Pikant: Ahlmann hatte vor der Abreise eine "Selbstverpflichtungserklärung" des olympischen Reiter-Teams unterzeichnet, dass Doping tabu sei. Capsaicin wirkt stark durchblutungsfördernd und hautreizend, sodass Springpferde erhebliche Schmerzen empfinden können, wenn sie die Stangen berühren. Cöster riss in Hongkong einige. Weil die Schmerzen durch Capsaicin zu groß waren?

Ahlmann erklärte: Das Mittel löse Verspannungen, Verhärtungen und Ähnliches. Doch war Cöster teamintern weder als verspannt noch als zu behandelnd angemeldet worden. Die deutsche Reiter-Abordnung in Hongkong reagierte schockiert auf den Doping-Befund, man ahnte wohl, dass hier eine Art "chemisches Barren" vorgenommen worden war. Ahlmann reiste so schnell ab, dass Nachfragen kaum möglich waren. Er wurde von der FEI für vier Monate gesperrt, der Internationale Sportgerichtshof CAS revidierte das Urteil aber, bevor Ahlmann sein erstes Turnier reiten konnte. Der CAS entschied, dass es sich um einen klaren Dopingfall handelte und verdoppelte die Strafe.

Die Fälle sind exemplarisch für Dutzende, die sich prominente Reiter zuschulden kommen ließen, von Meredith Michaels-Beerbaum bis hin zu Michael Whitaker. Ludger Beerbaum machte sich im Sommer mit einem Geständnis zur unerwünschten Person in der Szene. Er beschrieb seine Haltung in der Vergangenheit so: "Erlaubt ist, was nicht gefunden wird." Volker Boch

RZO

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