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«Ein Sommer in New York»: Leben nach den Anschlägen

Von Aliki Nassoufis, dpa Die Terroranschläge vom 11. September 2009 haben die USA grundlegend verändert, politisch und gesellschaftlich.

Diese Neuordnung wurde seitdem immer wieder in unterschiedlichen Filmen verschiedener Regisseure thematisiert.

Auch Tom McCarthy erzählt in «Ein Sommer in New York» von der Post-9/11-Gesellschaft, in der die Behörden besonders strikt gegen Illegale vorgehen - vor allem, wenn sie aus der arabischen Welt kommen. Doch «Ein Sommer in New York» ist dabei nicht explizit politisch, sondern erzählt in erster Linie in stillen und beobachtenden Bildern die Geschichte einer Freundschaft. Vor allem Richard Jenkins brilliert in der Hauptrolle und wurde dafür zu Recht für den Oscar nominiert.

Jenkins spielt den Wirtschaftsprofessor Walter Vale, der nach dem Tod seiner Frau kaum noch Freude am Leben hat. Uninspiriert hält er am College seit Jahren den selben Kurs, drückt sich vor neuen Aufgaben und trottet bedrückt-gelangweilt durch seinen Alltag. Als er dann jedoch für einen Vortrag nach New York fährt, trifft er in seiner Zweitwohnung ein junges Paar, das einem Immobilienschwindler aufgesessen war: den Syrer Tarek (Haaz Sleiman) mit seiner senegalesischen Freundin Zainab (Danai Gurira). Da die beiden keine weitere Bleibe haben, bietet ihnen Walter an, für einige Zeit bei ihm wohnen zu bleiben.

Diese Zufallsbekanntschaft verändert Walters Leben. Denn der Wirtschaftsprofessor interessiert sich für Tareks Trommel-Spiel und lässt sich von ihm die Grundlagen zeigen. Durch das laute Trommeln scheinen auch Walters Lebensgeister wieder zu erwachen, und zwischen ihm und Tarek entwickelt sich so etwas wie eine Freundschaft. Sicher, das Trommeln wirkt auf den ersten Blick wie eine eher plakative Metapher für das Erwecken von Walters Emotionen. Doch Regisseur McCarthy verfällt in «Ein Sommer in New York» nie in stereotype Beschreibungen oder Charakter-Klischees, sondern kreiert einen durchaus feinfühligen Film.

Das gelingt ihm unter anderem dadurch, dass er es nicht bei der Erweckungsgeschichte belässt, sondern davon ausgehend ein Drama erzählt. Durch einen dummen Zufall wird Tarek in der U-Bahn kontrolliert und verhaftet. Es fliegt auf, dass der junge Musiker illegal in den USA lebt - und die Mühlen der Behörden fangen an zu mahlen, kühl und unbeeindruckt vom Einzelschicksal. Ähnlich wie in seinem Debüt «Station Agent» fokussiert McCarthy so auch in «Ein Sommer in New York» Außenseiter und ihren Kampf um einen Platz in der Gesellschaft.

Richard Jenkins, der bislang eher durch Nebenrollen wie in «Burn After Reading» oder «Six Feet Under» auf sich aufmerksam machte, ist für Walter, der um die Rechte seines neuen Freundes kämpft, die ideale Besetzung. Etwas unbeholfen tastet er sich an seinen neuen Lebensabschnitt heran und gewinnt dabei schnell die Sympathien der Zuschauer. Ohne große Gesten oder emotionale Ausbrüche gelingt es ihm, die Veränderungen in Walter spürbar werden zu lassen. Es sind seine Körperhaltung oder ein Zucken seiner Mundwinkel, die verraten, wie er gerade empfindet. Auch die Beziehung zu Tareks Mutter Mouna, gespielt von Hiam Abbass aus «Die Syrische Braut» und «Paradise Now», entwickelt sich auf diese Weise wundervoll langsam und zärtlich.

«Ein Sommer in New York» wird so zu einem berührenden und engagierten Plädoyer für eine tolerante Gesellschaft, in der jeder offen aufgenommen und akzeptiert wird. Darüber hinaus zeigt der Film, wie herzliches Miteinander dem eigenen Leben (wieder) einen Sinn geben kann - das stimmt nachdenklich und optimistisch zugleich.

dpa-infocom