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Synode der Rheinischen Landeskirche: Protestanten wollen Jugend nicht verlieren

Bad Neuenahr/Ahrweiler Der Satz "die Jugend ist unsere Zukunft" gehört zum Standard-Repertoire einer jeden gesellschaftspolitischen Rede.

Doch wie schwer es ist, Jugendarbeit in Zeiten knapper Kassen auf hohem Niveau weiterzubetreiben, wurde jetzt auf der Synode der Rheinischen Landeskirche deutlich.

Die Evangelische Kirche im Rheinland will mehr für die Jugend tun. Doch so einfach ist das nicht. Denn der jüngste Jugendbericht der Rheinischen Landeskirche, der jetzt auf der Landessynode in Bad Neuenahr vorgestellt wurde, weist erschreckende Fakten auf. Ein Beispiel: Die Zahl der Vollzeitkräfte in der Kinder- und Jugendarbeit hat sich von 1997 bis 2007 um die Hälfte reduziert. Gemeinden und Kirchenkreise müssen sparen. Öffentliche Zuschüsse fließen nicht mehr so üppig wie einst. Entwarnung ist nicht in Sicht. "Der Abbau schreitet voran", heißt es in dem Jugendbericht.

450 hauptamtliche Kräfte wirken noch in der Kinder- und Jugendarbeit. Viele von ihnen arbeiten Teilzeit, weil mehr nicht finanzierbar ist. "Dabei sind die Hauptamtlichen dringend notwendig", sagt Landesjugendpfarrerin Simone Mechels. "Sie garantieren die notwendige Professionalität - etwa in der Bildungsarbeit. Sie halten das Netz an Ehrenamtlichen zusammen." Mechels weiter: "Zudem sind die Hauptamtlichen für die Fort- und Weiterbildung unverzichtbar."

Ein Blick in die aktuelle Shell-Studie zeigt, dass junge Menschen durchaus Interesse an Religion haben. Die Hälfte der befragten Jugendlichen bezeichnet sich als religiös. Knapp 70 Prozent halten eine Kirche für wichtig, die sich sozial und ökologisch engagiert.

Um diese Jugendlichen nicht zu verlieren, greifen die ersten klammen Kirchenkreise zu Pool-Lösungen: Mehrere Kirchengemeinden finanzieren einen Jugendleiter gemeinsam. Ein anderer Weg sind die 23 Jugendkirchen-Projekte der Rheinischen Landeskirche. Hier bekommen Jugendliche alle erdenkbaren Freiheiten, Gottesdienste in ihrer eigenen Sprache, Musik und Spiritualität zu feiern - natürlich mit seelsorglicher Begleitung.

Noch immer erreicht die rheinische Kirche Tausende von Jugendlichen jedes Jahr. Ein Beispiel: 2008 nutzten 25 000 junge Menschen ein Freizeitangebot der Evangelischen Landeskirche. Doch zugleich sind die kirchlichen Gremien stark überaltert. Auch hier gibt der Jugendbericht Auskunft: 2008 waren von 8551 Presbyterinnen und Presbytern lediglich 336 zwischen 18 und 29 Jahren alt. Die Autoren der Expertise fordern einen "Mentalitätswandel".

Problematisch für die Jugendarbeit ist auch die Ganztagsschule. Den Jugendlichen fehlt dadurch die Zeit, sich in der kirchlichen Jugendarbeit zu engagieren. "Wir müssen viel stärker in die Schulen rein", so Landesjugendpfarrerin Mechels. Vielleicht muss die Kirche auch intensiver virtuelle Netzwerke wie Facebook und SchülerVZ nutzen. Jugendpfarrerin Mechels gesteht in Bad Neuenahr ein, dort bislang noch außen vor zu sein.

Dietmar Brück

RZO