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«Vöööllig losge-elöööst»: Karaoke im Taxi

Münster Freitag, kurz vor Mitternacht: Laute, schiefe Töne schallen durch den Kleinbus von Taxifahrer Nizamettin Kilincli.

«Vöööllig losge-elöööst. Voon deeer Eeeerde. Schwebt das Ra-a- aumschiff, vööllig schweeräääloooos.».

Eine Gruppe von sechs beschwipsten jungen Frauen sitzt singend und mit Bierflaschen in den Händen auf den Rückbänken von Kilinclis Großraumtaxi und feiert. Für viele Taxifahrer sind solche Fahrgäste ein Alptraum. Für Nizamettin Kilincli nicht. Im Gegenteil. Er will es ja: In seinem Wagen soll gebrüllt und gejault werden. Für Kilincli ist das gut fürs Geschäft. Er betreibt ein Karaoke-Taxi. Das einzige in Deutschland nach dem Wissen des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands.

Die Entscheidung, seine Gäste während der Fahrt singen zu lassen, hat der 46-Jährige vor zwei Jahren getroffen. «Es ist wichtig, Zusatzideen zu haben», erklärt er. «Die Lage für Taxifahrer hat sich verschlechtert. Die Leute fahren weniger mit uns.» Laut Kilincli ist die Zahl seiner Fahrgäste in den vergangenen zehn Jahren um knapp ein Drittel zurückgegangen.

Deswegen hängt jetzt hinter seinem Fahrersitz ein Bildschirm von der Decke, auf dem nach Wunsch Musikvideos zum Mitsingen erscheinen. Die blauen Silben von Peter Schillings Text flammen rot auf: «Dann hebt er ab und...» Kilincli hofft, auf diese Art wieder mehr Kunden in sein Taxi zu locken. Teurer wird die Fahrt dadurch nicht. «Das Angebot gehört zum Service. Die Fahrgäste sollen sich freuen am Ende der Fahrt, damit sie mich noch mal bestellen», sagt Kilincli.

Kilincli hat mittlerweile sogar Stammkunden. «Die buchen mich zum Beispiel, wenn sie in die Disco wollen. Um in Stimmung zu kommen.» Wie zum Beispiel die sieben betrunkenen Teenager, die um kurz vor 01.00 Uhr auf dem Weg in eine Münsteraner Großraumdisco sind. «Leik a wörtschäään» schmettern sie laut und schief den Madonna-Hit «Like a virgin» aus den Achtzigern. Die Stimmung ist reichlich ausgelassen. Kilincli blickt in den Rückspiegel. Er scheint nun doch etwas genervt. «Das ist schön, natürlich, wenn sie singen», sagt er dann aber und betont: «Nicht nur mit Blick aufs Geschäft. Wenn die Fahrgäste besoffen sind, machen sie Theater irgendwann. Wenn ich Musik anmache, dann habe ich meine Ruhe.»

Weitere Infos zum Karaoke-Taxi: www.karaoketaxi-muenster.de Von Silke Katenkamp, dpa

dpa-infocom


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