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Berlins ältestes Taxi: «Ein bisschen Eiserner Gustav»

Berlin Von Berlin nach Paris - wie einst der «Eiserne Gustav» - ist er mit seinem Taxi Nepomuk noch nicht gefahren.

Dafür kutschiert Ralf Werner seinen 45 Jahre alten Mercedes auch mal nach Kroatien oder ins Fichtelgebirge.

Das aber nur zu privaten Zwecken. Ansonsten ist das älteste Taxi Berlins fast ausschließlich auf den Straßen der Hauptstadt im Einsatz. Besonders beliebt ist es bei englischen und amerikanischen Touristen, aber auch Prominente wie Harald Juhnke oder DJ Paul van Dyk zählten schon zu den Fahrgästen.

Mit seinem Oldtimer Nepomuk sieht sich Werner ein bisschen in der Tradition der berühmten Romanfigur von Hans Fallada, auch wenn er nicht wie dieser Aufsehen erregende Protestfahrten organisiert. «Ick bin halt ein moderner Eiserner Gustav, der von seinem Nepomuk nicht lassen kann», betont der 72-jährige gebürtige Berliner aus Reinickendorf. Seit 40 Jahren fährt er Taxi und das in der vierten Generation. Schon sein Ur-Opa saß als Fuhrunternehmer auf dem Kutschbock. Auch sein Opa war Droschkenkutscher, fuhr aber später auch motorisierte Taxen. Im Taxibetrieb seines Vaters arbeitete Werner von 1969 bis 1973. Danach machte er sich selbstständig.

Der legendäre Berliner Droschkenkutscher Gustav Hartmann wurde als «Eiserner Gustav» berühmt, als er aus Protest gegen die zunehmende Zahl von Autos mit seinem Pferdegespann und dem Wallach Grasmus im April 1928 eine Fahrt nach Paris startete. Durch seine Reise berühmt geworden, gründete er nach seiner Rückkehr eine Stiftung für die Hinterbliebenen von zu Tode gekommenen Taxifahrern. Hans Fallada griff die Geschichte in seinem Buch «Der Eiserne Gustav» auf. Sie wurde auch mehrfach verfilmt, unter anderem mit Hans Rühmann und Gustav Knuth in der Hauptrolle.

Auch Chauffeur Werner wehrt sich gegen die Moderne: So lehnt er Funk und Handy kategorisch ab. Und an seinen Mercedes 190 Dc, Baujahr 1964, lässt er keine fremde Hand ran. «Nepomuk repariere und wasche ich noch selbst, den pflege ich wie einen guten alten Freund», betont der gelernte Maschinenschlosser. Das Auto beeindruckt viele Fahrgäste wegen seiner eleganten Heckflossen und der roten Polster.

Die schon in die Jahre gekommene Rückbank ziert ein weißes Häkeldeckchen und in der Weihnachtszeit brennt auf dem Armaturenbrett neben Säulentacho und Lenkradschaltung immer eine echte Kerze. Auf einem Schildchen ist in Handschrift zu lesen: «Du fährst im ältestem Taxi Berlin's.» Der Schreibfehler sei schon uralt und «gehört halt dazu», betont Werner.

Fast 940 000 Kilometer hat Nepomuk schon auf dem Buckel. Der Name stammt von seinem Vorbesitzer und ist der eines katholischen Schutzpatrons. Als «NK» findet er sich auch im Kennzeichen wieder. Heute fährt Werner fast ausschließlich nachts. «Und wenn ich in den Morgenstunden merke, die Kollegen schaffen es auch ohne mich, dann hören wir einfach auf», sagt der gepflegte Alt-Hippie.

Tagsüber ist Nepomuk höchstens für Dreharbeiten oder Hochzeitsgesellschaften im Einsatz. So verlieh Werner den alten Mercedes mal für einen Harald-Juhnke-Film und die ARD drehte mit dem Wagen eine Berliner Nachtreportage. Ans Aufhören denkt Werner noch lange nicht. Sein Vorbild ist ein Taxifahrer aus Lissabon, der bis ins hohe Alter von 97 Jahren mit seinem Taxi unterwegs war. Von Maren Martell, dpa

dpa-infocom


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