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Modernes im alten Auto: Aktuelle Technik für Klassiker

Pleidelsheim/Frankfurt/Main Geschwärmt wird gern: Davon, wie schön die alten Autos im Vergleich zu aktuellen Modellen doch waren.

Oder auch, dass es viel mehr Stil hat, einen originalen Old- oder Youngtimer sein Eigen zu nennen, als einen neuen Kompaktwagen.

Allerdings beziehen sich solche Schwärmereien oft nur auf den Anblick der Klassiker. Denn wer damit unterwegs ist, bemerkt schnell, dass die Technik in den vergangenen Jahrzehnten viele Fortschritte gemacht hat. Dabei geht es um moderne Scheinwerfer ebenso wie um ausgefeilte Fahrwerke oder auch so etwas wie ein ABS. Mittlerweile gibt es aber auch Fachleute, die alt und neu kombinieren, also moderne Technik in Klassiker einbauen.

Mancher Oldtimer-Liebhaber dürfte bei dem Gedanken an solche Umbauten zusammenzucken. Doch auch im Lager der Anhänger von rollenden Klassikern gibt es Unterschiede: Während der eine beispielsweise das alte Blech lieber in der Garage belässt und es bestenfalls bei strahlendem Sonnenschein mal ein paar Meter vor das Tor schiebt, meinen andere, dass ein Klassiker am besten in seinem angestammten Umfeld gehalten wird - also fahrend auf der Straße.

Gerade in den Köpfen solcher Klassiker- Besitzer könnte der Gedanke aufkommen, dass ein wenig aktuelle Technik nicht das Schlechteste wäre. Zum Beispiel Scheinwerfer, die nicht trübe in der Gegend rumfunzeln, sondern ihrer Bezeichnung gerecht werden. Oder eben ein Fahrwerk, das Fahrbahnunebenheiten ausgleicht, statt sie direkt an die Wirbelsäule weiterzuleiten.

Auf solche Menschen haben sich auch die Experten von Mechatronik in Pleidelsheim bei Stuttgart spezialisiert. Hier werden vor allem historische Mercedes-Modelle aus den 50er und 60er Jahren an die neuen Zeiten angepasst. Zum Programm gehört die Umrüstung auf moderne Motoren, es gibt Drei-Wege-Katalysatoren, ein ABS, überarbeitete Scheinwerfer oder auch ausgefeilte Soundsysteme und Fahrwerke.

Die Idee dahinter ist im Grunde ganz einfach: «Wir wollen die Oldtimer wieder auf die Straße bringen», fasst Mechatronik-Prokurist Carsten Ohlinger zusammen. Denn wenn sich der Wagen zeitgemäß fährt, wird er wahrscheinlich auch häufiger im Alltag bewegt - und nicht nur dann und wann mal auf einem Anhänger zu einer Ausstellung gekarrt.

Spezialisten wie Mechatronik sind keine Hinterhofschrauber, die neue Teile irgendwie in die alte Kiste klemmen. Es handelt sich auch um nicht gerade preisgünstige Umbauarbeiten. Wer unter der Haube seines 280 SL vom Typ Pagode einen Achtzylinder mit 4,3 Litern Hubraum und 205 kW/279 PS haben möchte, zahlt schnell mal 86 602 Euro nur für die notwendigsten Arbeiten. Wird rund um den neuen Motor noch eine aufwendige Restaurierung gewünscht, werden 177 994 Euro fällig.

Doch neue Technik wird nicht nur in ohnehin hochpreisige Mercedes-Oldtimer eingebaut. Die Firma Memminger Feine Cabrios im bayerischen Reichertshofen hat sich auf alte Käfer spezialisiert. Auch diese - nicht gerade für ausgefeilte Technologien bekannten - Klassiker lassen sich auf einen technisch zeitgemäßeren Stand bringen. So können etwa in die typischen Kotflügel eines Käfers Scheinwerfer mit Bi-Xenon-Technik eingebaut werden.

Mehr noch: «Wir haben für den Käfer ein ABS entwickelt», sagt Geschäftsführer Georg Memminger. Rund 4000 Euro kostet es, den Blockierverhinderer in den klassischen Volkswagen einzubauen. Dabei ist es egal, wie alt das Auto ist. Grundsätzlich kann das ABS laut Memminger auch in einem Uralt-Käfer arbeiten, der noch mit Trommelbremsen verzögert. In Kombination mit einer modernisierten Scheibenbremsanlage aber soll ein ABS-Käfer einen um rund 25 Prozent kürzeren Bremsweg als das Original benötigen.

Probleme, die Technik-Ideen an den Klassiker-Liebhaber zu bringen, gibt es weder bei Mechatronik noch bei Memminger. «Rund 80 Prozent unsere Kunden mögen zwar die klassischen Formen, legen aber auch auf aktuelle Technik Wert», so Georg Memminger. Dabei geht es den Fahrern aber nicht nur um die eigene Sicherheit. Viele Autos werden später vom Nachwuchs gesteuert, und dem möchte man bestmögliche Sicherheit mit auf den Weg gegen. Bei Mechatronik wiederum verweist man darauf, dass der Verkauf seit nunmehr zehn Jahren stetig wächst.

Albrecht Trautzburg von Autoclub AvD in Frankfurt weist darauf hin, dass eventuelle Interessenten genau überlegen sollen, was sie von ihrem Oldtimer erwarten. «Soll der Wagen viel im Alltag bewegt werden, dann kann so ein Umbau sicher Sinn machen.» Geht es aber darum, auf Ausstellungen Pokale einzuheimsen, ist der Erhalt des Originalzustands der bessere Weg. Bewusst sein sollten sich die Fahrzeugeigner auch, dass sie sich zwischen neuer Technik und dem H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge entscheiden müssen. Beides gibt es in der Regel nicht. Von Heiko Haupt, dpa

dpa-infocom


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