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AOL verabschiedet sich aus deutschem Markt

Hamburg Der amerikanische Internet-Dienstleister AOL verabschiedet sich vom deutschen Markt.

Sämtliche Niederlassungen werden geschlossen, alle 140 Mitarbeiter müssen gehen.

Auch die Niederlassungen in Frankreich , Schweden, Finnland und Spanien fallen den Kürzungen zum Opfer. Das Portal AOL.de bleibt jedoch in einer abgespeckten Variante erhalten. AOL war im Dezember vom Medienkonzern TimeWarner abgespalten und wieder an die Börse gebracht worden. Das US-Unternehmen fährt einen rigiden Sparkurs.

Zu welchem Zeitpunkt den deutschen Mitarbeitern die Kündigungen ausgesprochen werden, stehe noch nicht fest, erklärte Knorpp. Am Montag sei der Betriebsrat über die Pläne informiert worden. Nun verhandelten Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter. AOL hat neben seiner Zentrale in Hamburg Büros in Düsseldorf, Frankfurt und München. Nur die Tochterfirma AdTech mit Sitz im hessischen Dreieich bleibe erhalten, sagte Firmensprecher Knorpp. Sie bietet Technologie an, mit der Unternehmen digitale Werbung verwalten können.

Trotz der Schließungen bleibe das deutsche AOL-Portal bestehen, jedoch in einer «Light-Version», sagte Knorpp. E-Mail, Instant Messaging und die Medienabspiel-Software WinAmp seien weiterhin verfügbar. Gesteuert werde das Portal AOL.de aber nicht mehr von Deutschland aus. Das Zugangsgeschäft des Internetanbieters hatte Hansenet bereits 2006 übernommen, auch wenn das Produkt teils noch unter AOL firmierte.

Mit dem Schritt beendet AOL nahezu sämtliche Aktivitäten auf dem deutschen Markt und stellt auch sein deutsches Werbenetzwerk «AOL Media Netzwerk» ein. Dieses erreicht monatlich 16,7 Millionen Nutzer und ist damit laut der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) der fünftgrößte Anbieter in Deutschland. Zu dem Verbund gehören neben dem eigenen Portal AOL.de auch populäre Websites wie StayFriends.de, Gutefrage.net und Auftritte diverser Fußballclubs. AOL sicherte seinen Kunden zu, die Verträge zu erfüllen und bei der Suche eines neues Werbenetzwerkes zu helfen.

Der einstige Internet-Pionier hat seit Jahren mit sinkendem Umsatz zu kämpfen. Firmenchef Tim Armstrong will daher die Kosten deutlich senken. Im November kündigte er an, 2500 der weltweit 6900 Stellen zu streichen. Nachdem nur 1100 Mitarbeiter ein Abfindungsprogramm nutzten und freiwillig gingen, entlässt das Unternehmen nun bis zu 1400 weitere. Die Kosten sollen damit um jährlich 300 Millionen Dollar sinken. Allerdings muss AOL für die Entlassungen zunächst 200 Millionen Dollar aufbringen.

AOL war in den 1990er Jahren als Zugangsanbieter groß geworden - in Deutschland machte Tennisstar Boris Becker als populäre Werbefigur das Unternehmen bekannt. 2001 fusionierte der Internet-Aufsteiger mit dem Medienkonzern Time Warner. Der 100 Milliarden Dollar schwere Zusammenschluss scheiterte aber in jeder Hinsicht: Nach dem Platzen der Internetblase blieben riesige Verluste, angesichts massiver Konkurrenz brach das Geschäft mit den Internetzugängen ein. Die deutsche Niederlassung verkaufte daher diese Sparte bereits 2006 an Hansenet.

Nach der Abspaltung von Time Warner im Dezember 2009 trimmt der ehemalige Google-Manager Armstrong AOL nun auf die Vermarktung von Online-Werbung, um die Abhängigkeit vom schwinden Zugangsgeschäft zu verringern. Dafür investiert das Unternehmen in Inhalte, allerdings vornehmlich in den USA. «Es geht darum, im internationalen Markt Wachstum zu erzielen», sagte Sprecher Thomas Knorpp.

dpa-infocom


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