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«Hilfe zur Selbsthilfe»: 50 Jahre Verbraucherzentrale

Mainz Der ältere Herr aus Trier steckte ganz schön in Schwierigkeiten.

Skrupellose Werber hatten ihm am Telefon Gewinnspielverträge aufgeschwatzt, die ihn tausende Euro kosteten.

Seine Kinder wollte der Mann aus Scham nicht um Hilfe bitten, er tastete lieber sein Erspartes an. Hilfe fand er schließlich bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, der Fälle wie dieser sehr vertraut sind. Die Mitarbeiter beraten Bürger aber auch in vielen anderen Fragen, von Versicherungen über Altersvorsorge und Pflege bis zum Schutz vor dubiosen Geschäftspraktiken. In diesem Jahr feiert die Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz ihr 50-jähriges Bestehen. Ihr Wunsch: Wachsen und noch bekannter werden. «Wir stellen fest, dass die Menschen die Bandbreite unserer Themen nicht kennen», sagt Sprecherin Lore Herrmann-Karch.

Verbraucherzentralen gibt es in jedem Bundesland, die rheinland-pfälzische zählt zu den jüngeren. Der von zahlreichen Organisationen getragene Verein beschäftigt in seiner Geschäftsstelle und den sechs Beratungsstellen 78 Voll- und Teilzeitmitarbeiter, die zunehmend mehr zu tun haben. «Es gibt etliche Themen, die an uns herangetragen werden», berichtet Vorstand Ulrike von der Lühe. Dazu gehören auch komplexe Fachgebiete wie Neue Medien, Energie- und Finanzberatung. Die steigende Nachfrage schlägt sich in den Fallzahlen nieder. Mehr als 150 000 Beratungen gab es im Jahr 2008 - in Einzelgesprächen oder Vorträgen der Verbraucherschützer.

Die Verbraucherzentrale knöpft sich nach von der Lühes Darstellung ein Thema vor, wenn sie sieht, dass «Dinge im Argen» liegen oder es auf diesem Feld keine oder unzureichende Regelungen gibt. Sie setzt sich bei Politik und Ministerien für bessere gesetzliche Vorschriften ein, erarbeitet Broschüren und kooperiert mit anderen Verbraucherzentralen und dem Bundesverband. Über Probleme und Lösungen informieren sie über die Presse und auf ihrer Homepage, auf der auch Musterbriefe stehen, etwa um sich gegen Internetabzocke zur Wehr zu setzen. Man wolle die Menschen nicht nur über ihre Rechte informieren, sondern ihnen auch helfen, sie durchzusetzen, sagt Herrmann-Karch. Die Verbraucherschützer haben einen Etat von rund drei Millionen Euro. Er stammt zum Großteil vom Verbraucherschutzministerium in Mainz, aber auch aus Beratungsgebühren.

Ein Ziel des Vereins sei es, «dem Verbraucher Hilfe zur Selbsthilfe zu geben», erklärt von der Lühe. «Wir wollen dem Verbraucher keine Entscheidung abnehmen, die muss er selbst fällen, aber wir wollen ihn so informieren und beraten, dass er sie angemessen treffen kann.» In der Finanzberatung etwa achteten professionelle Berater oft vor allem auf ihre Provision und nicht auf die Situation des Kunden, der Verbraucherzentrale hingegen gehe es darum, die sinnvollste Geldanlage zu finden. Das gelte auch für andere Bereiche, sagt von der Lühe und weist auf die Tragweite falscher Entscheidungen hin. «Ein falsch abgeschlossener Vertrag in der Altersvorsorge kann sich in 20 Jahren verheerend auswirken.»

Daneben geht es darum, vor Missständen zu warnen. Dazu gehören die als angebliche Gewinnübergabe getarnte Kaffeefahrt oder irreführende Werbung für Nahrungsergänzungsmittel. Der Hauptaufreger: «Was uns seit vielen Monaten umtreibt, ist, dass viele ältere Menschen über den Tisch gezogen werden, indem sie telefonisch Verträge untergejubelt kriegen», sagt Herrmann-Karch. Manche hätten 30 bis 40 Verträge «an der Backe», etwa von Gewinnspieleintragungsdiensten. Vielen - etwa dem älteren Herrn aus Trier - kann jedoch geholfen werden, allerdings muss jeder Vertrag einzeln rückgängig gemacht werden, was für die Beratungsstellen viel Arbeit bedeutet.

«Wir könnten noch mehr machen, wenn wir noch andere Möglichkeiten hätten», sagt von der Lühe. Nötig sei eine größere Verbreitung in der Fläche. Vor 20 Jahren gab es zwei Beratungsstellen mehr, doch aus Kostengründen wurde das Angebot gekürzt. Nun hoffe man darauf, Ende des Jahres wieder die alte Zahl an Beratungsstellen zu haben. In Cochem wird es ab 1. März einen neuen Stützpunkt geben, mit anderen Kreisverwaltungen laufen Gespräche. Denn viele Dinge ließen sich nicht am Telefon klären. Und mit weiteren Einrichtungen könnten lange Anreisen etwa von älteren Menschen vermieden werden.

Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: www.vz-rlp.de Von Jasper Rothfels, dpa

dpa-infocom


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