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Das Jahr, in dem Michael Jackson starb

New York - Die Welt hielt den Atem an: Michael Jackson in Lebensgefahr? Ein Notruf aus seiner Villa? Im Krankenwagen in die Klinik? Herzstillstand?

Es war der 25. Juni, in Deutschland kurz vor Mitternacht, als der Internetdienst «tmz.com» Alarm schlug. Knapp zwei Stunden später lösten Schock und Trauer die Ungewissheit ab. CNN meldete unter Berufung auf einen Gerichtsmediziner in Los Angeles: Der «King of Pop» ist tot. Jackson, einer der größten und schillerndsten Stars aller Zeiten, starb - gerade 50-jährig - nur wenige Tage vor seinem geplanten Comeback.

Ein halbes Jahr später verspricht das Drama um den Tod der Pop- Ikone zu einem Justiz-Thriller zu werden. Muss sich der Leibarzt Dr. Conrad Murray vor Gericht für ein Tötungsdelikt verantworten? Trat Jacksons Ende durch ärztliche Nachlässigkeit ein, oder lässt sich gar ein Vorsatz nachweisen? Ein Prozess gegen den Kardiologen aus Houston (Texas) ist so gut wie sicher. Dr. Murray hatte seinem schlaflosen Patienten neben starken Beruhigungsmitteln am Vormittag (Ortszeit) des 25. Juni noch ein Narkosemittel gespritzt. Dann ließ er entscheidende Zeit verstreichen. Am Ende kam jede Rettung zu spät.

Ein Verfahren um Michael Jacksons Tod würde die Welt vermutlich ähnlich faszinieren wie jener Prozess wegen Kindesmissbrauchs, das Jackson selbst 2005 schlaflose Nächte bereitete. Unvergessen das Bild von dem verstörten Superstar in Schlafanzughosen vor einem Richter in Kalifornien. Zwar endete das Verfahren mit einem Freispruch, es ließ aber tiefe Kratzer auf seinem Image zurück. Sie mit dem Comeback im Londoner O2-Stadion zu beseitigen, war Jackson nicht vergönnt.

Dafür setzte ihm der Regisseur Kenny Ortega mit «This Is It» ein filmisches Denkmal. Die Dokumentation verewigt Michael Jackson als brillanten und innovativen Entertainer, einen Künstler, der hart an sich und seiner Show arbeitet und seinen berühmten «Moonwalk» noch genauso perfekt darbietet wie vor Jahren und Jahrzehnten. Der Film, der angeblich nur zwei Wochen im Kino laufen sollte, dann aber doch länger auf den Leinwänden blieb, könnte Jackson noch posthum einen Oscar einbringen. Derweil erzielen seine Alben Rekordumsätze und bereichern die Erben, allen voran die drei Kinder Michael, Paris und Blanket.

Gemessen an der Zahl der Schlagzeilen stand Jackson schon vor Monaten der Titel «Toter des Jahres» zu, wie das Wirtschaftsmagazin «Forbes» feststellte. Nicht dass es 2009 an Prominenten gemangelt hätte, die unerwartet oder nach schwerer Krankheit zu Grabe getragen werden mussten. Außer dem letzten Kennedy-Bruder und US-Senator Ted Kennedy wurden auch zum Beispiel auch die Hollywoodstars Patrick Swayze, Farah Fawcett sowie Natasha Richardson betrauert.

Jackson aber schlug alle. Schon deshalb, weil sich die Spanne von seinem Tod bis zur Bestattung in einem rund um die Uhr bewachten Mausoleum am 3. September über zehn Wochen hinzog und den Medien - noch dazu in der gewöhnlich nachrichtenarmen Sommerzeit - Stoff in Hülle und Fülle bot. Da waren die Spekulationen um die Ursache seines Todes, das Rätsel um seinen Leichnam, die Grabstätte, der Streit in der Familie Jackson und das Sorgerecht für die Kinder, das gemäß Testament der Matriarchin des Jackson-Clans, Katherine (79), zugesprochen wurde.

Nach Angaben von Medienforschern des Pew Research Center drehten sich in der Woche seines Todes 18 Prozent aller Nachrichten in den USA um den Popstar, in den beiden Wochen danach jeweils noch 17 Prozent. Die Zeitschriftenindustrie verdiente nach Schätzung des Magazine Information Network an Jackson 55 Millionen Dollar. Am Tag des Todes war der Ansturm auf die Internetseiten von Google so groß, dass das Unternehmen zunächst von einer Hacker-Attacke ausging.

Die dreistündige Trauerfeier im Staples Center von Los Angeles, die mit dem Liebesbekenntnis von Tochter Paris ihren Höhepunkt erreichte, wurde dem Medienbeobachter Nielsen zufolge von 18 TV- Sendern übertragen und fesselte allein in den USA 31,1 Millionen Menschen an den Fernseher. Das kommt der Sympathiewelle, die der Tod von Prinzessin Diana auslöste, sehr nahe: Deren Trauerfeier 1997 verfolgten in den USA 33 Millionen Menschen am Schirm.

Für die Erben von Rock- und Popstars ist der Tod, so muss man es sagen, eine Goldgrube. Michael Jackson, Elvis Presley, John Lennon, aber auch Filmstars wie Marilyn Monroe und Paul Newman verdienten laut «Forbes» 2008 posthum 194 Millionen Dollar. Der Geschäftsführer von CMG Worldwide, einem Unternehmen, das tote Prominente vermarktet, erläutert die Anziehungskraft toter Promis. Fans fühlten sich ihren Idolen auch dann noch verbunden, wenn jene bereits im Jenseits seien, sagt Mark Roesler. «Wir haben das Gefühl, einen Teil von ihnen zu besitzen. Es ist fast so, als gehörten sie zur Familie.» Von Gisela Ostwald, dpa

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