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Musik

Elvis ist tot - aber der Kult um den «King» lebt

Memphis - All jenen, die zu jung sind, um sich an den «King of Rock'n'Roll» live zu erinnern, muss der Rummel um Elvis Presley gut 32 Jahre nach seinem Tod seltsam vorkommen.

Skurrile Imitatoren, kitschige Andenken, altmodische Musik und Pilgerströme zum Presley- Schrein Graceland in Memphis (Tennessee). Der Elvis-Kult lebt auch am heutigen 75. Geburtstag des Entertainers ungebrochen weiter.

Zu Beginn seiner Karriere in den 1950er Jahren war Presley ein musikalisches und kulturelles Phänomen. Mit Schlafzimmerblick, Schmollmund und laszivem Hüftschwung versetzte er Mädchen und Massen in Ekstase. Seine vom Rhythm & Blues sowie Gospel geprägte Musik sprengte die Rassenschranken und inspirierte Musikgrößen von John Lennon über Bob Dylan bis zu Rod Stewart. Elvis Presley machte den Rock'n'Roll hoffähig, war Rebell und Idol der Jugend.

Vor seinem Tod am 16. August 1977 aber geriet er zur Parodie seiner selbst. Bei seinen letzten Konzerten erregte der einst gefeierte Superstar schwitzend in juwelenbesetzten Kostümen eher Mitleid. Mit 42 Jahren starb Elvis verfettet, vereinsamt und drogenabhängig auf seinem Luxusanwesen Graceland. Sein Leben war der Inbegriff des amerikanischen Traums. Die Geschichte von einem weißen Jungen aus der Arbeiterklasse des amerikanischen Südens, der es auf den absoluten Gipfel des Ruhms geschafft hatte.

Elvis Aaron Presley kommt am 8. Januar 1935 in ärmsten Verhältnissen in Tupelo im US-Bundesstaat Mississippi zur Welt. Sein Zwillingsbruder wird tot geboren. Umso enger wird das Verhältnis zwischen Mutter Gladys und dem einzigen Sohn. Vater Vernon ist oft arbeitslos und zwischendurch wegen Scheckbetrugs im Gefängnis. Die Familie hält sich nur mühsam über Wasser und zieht 1948 in eine Sozialbauwohnung in die Musik-Metropole Memphis.

Elvis übt Gitarre - scheu und versteckt im Waschkeller, wo ihn keiner hören kann. Nach der Schule wird er zunächst Lastwagenfahrer, wagt sich aber im Sommer 1953 mit ein paar Dollar in der Tasche ins «Sun Studio» in Memphis. Er nimmt ein paar Schnulzen auf, die niemanden recht überzeugen. Ein Jahr später aber entsteht dort bei einer nächtlichen Session die Hit-Single «That's All Right Mama». Im Herbst 1955 ist Elvis plötzlich ein Star. Der größte US- Schallplattenkonzern RCA kauft ihn für 35 000 Dollar aus seinem Vertrag mit «Sun» heraus und produziert mit «Heartbreak Hotel» und «Hound Dog» Millionen-Hits.

Hollywood ruft und es folgen mittelklassige Spielfilme wie «Love Me Tender» und «King Creole». Während seiner zweijährigen Militärzeit in Deutschland lernt Elvis die erst 14 Jahre alte Priscilla kennen. Nach seiner Rückkehr in die USA knüpft er an den früheren Erfolg an, tritt aber kaum noch live auf, sondern dreht pausenlos drittklassige Filme. 1967 heiratet er die inzwischen volljährige Priscilla, im Jahr darauf kommt die Tochter Lisa Marie zur Welt.

Erst 1968 wagt Elvis das musikalische Comeback in einer Fernsehshow beim Sender NBC. Er sieht umwerfend aus, braun gebrannt, fit, in schwarzer Lederjacke. Dies sei das beste, was er je geleistet habe, sagt Elvis später über seinen Auftritt und geht mit neuem Elan auf Tournee. 1973 bricht das via Satellit übertragene «Aloha-Konzert» auf Hawaii weltweit mit mehr als einer Milliarde Zuschauer alle Rekorde. In der Blüte der Hippiezeit schafft es der Sänger mit Koteletten, dunkler Sonnenbrille und weißen Overalls immer noch, Millionen mit seinen glitzernden Shows zu überzeugen.

Doch das mörderische Pensum vor allem seiner langen Konzertreihen in Las Vegas verbraucht seine Kraft. Fast zeitlebens ist Elvis von Amphetaminen und anderen Pillen abhängig. Als Priscilla ihn verlässt, geht es dann rapide bergab. Junk Food, Tablettensucht und Einsamkeit fordern ihren Tribut. Elvis ist aufgedunsen, hält sich auf der Bühne nur mit Mühe aufrecht, vergisst seine Texte, lallt unverständliches Zeug. Er hat Affären, einen spielsüchtigen Manager und einen großen Kreis schmarotzender Freunde, die sogenannte Memphis-Mafia.

Niemand kann oder will dem «King» helfen. Am 16. August 1977 findet ihn seine damalige Freundin Ginger Alden leblos im Badezimmer von Graceland. Alle Wiederbelebungsversuche scheitern. Die Fanwelt ist erschüttert. Hunderttausende pilgern nach Memphis, um einen Blick auf den offenen Sarg zu erhaschen. Zu seinem 75. Geburtstag kommen die Pilgerströme auch jetzt wieder an den Wallfahrtsort. Denn der Junge aus dem Ghetto von Tupelo, der «King of Rock'n'Roll», ist für sie unsterblich. Von Tina Eck, dpa

dpa-infocom