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Walther erschafft für Kinder neue Welten

Mainz Die Leidenschaft fürs Zeichnen und Geschichtenerfinden hat Max Walther schon als Kind gepackt. Mittlerweile ist daraus Profession geworden. Dieses Zimmer wäre der Traum für manchen Achtjährigen: In einer Vitrine kämpfen Dinosaurier und Modellautos um die besten Plätze, unter der Decke segelt ein Piratenschiff zu Abenteuern, von einem Plakat funkelt Godzilla herab, die Regale sind voll mit Kinderbüchern und der Schreibtisch ist übersät mit Zeichnungen, Buntstiften und Farbtuben. Aber bevor jetzt einer auf falsche Gedanken kommt: Das Ganze ist hochprofessionell. Denn der König in diesem bunten Reich ist Max Walther - Illustrator und Kinderbuchautor.

Vor wenigen Wochen hat der 28-Jährige sein Diplom in Kommunikationsdesign gemacht. Vielleicht hat mancher im Dezember seine Arbeit in der Diplomschau "Spektrum 09" der Mainzer Fachhochschule gesehen. Zwei Bilderbuchprojekte hatte Walther, der aus Darmstadt stammt und in Mombach als Selbstständiger lebt und arbeitet, dafür gestaltet: "Bärenpapa" (Bild unten rechts) und "Der Bär" (unten Mitte). Ersteres ist ein reizendes Büchlein über den kleinen Leo, dessen Vater leider weit weg im Ausland arbeitet. Da sich Leo für Tiere interessiert, schickt ihm der Vater ein Bärenbuch - und tatsächlich taucht eines nachts ein Bär im Garten auf. Letztendlich geht es darum, wie Kinder ihre Wünsche in Fantasien umsetzen. Das zweite Buch ist freier gestaltet und spielt mit Farben, Formen und Worten.

Zu kaufen gibt es die beiden Bücher allerdings nicht - noch nicht: "Ich habe sie bei der Frankfurter Buchmesse vorgestellt, aber leider keinen Verlag gefunden", erklärt Walther. "Was nicht ganz so schlimm war, denn ich habe dafür ein anderes Projekt mit einem Verlag vereinbart." Die wichtigste Messe steht eh noch an: Ende März öffnet die Kinderbuchmesse in Bologna ihre Pforten, da will der Zeichner unbedingt dabei sein.

Wer aber nun meint, dass Walther noch ganz am Anfang seiner Karriere steht, der liegt falsch. Denn seit zweieinhalb Jahren zeichnet er für den Tessloff-Verlag in der Reihe "Was ist was - Junior", deren Exemplare in so manchem Kinderzimmer einen festen Platz haben. Dass der ausgebildete Offsetdrucker bereits im fünften Semester an diesen Auftraggeber kam, war ein großer Zufall und ein noch größeres Glück: "Eigentlich hatte der Verlag unseren Professor angefragt, aber der hat das Ganze einfach an uns Studenten weitergereicht. Ich habe ein paar Probeillustrationen abgegeben und für den Verlag verschiedene Techniken ausprobiert: Aquarell, Aquarell und Tusche, Marker, Acryl - so ging das alles los."

Was sich in der Rückschau ganz lässig anhört, hat den armen Studenten einige Nerven gekostet. Im allerersten Buch der neuen Sachbuchserie für Kinder sollte es um die Feuerwehr gehen. Rund drei Wochen hat Walther für das erste Bild gebraucht und in denen ist er fast verrückt geworden, weil immer irgendwas nicht gepasst hat: Mal war fachlich was falsch, mal hat die Perspektive nicht gestimmt, mal waren die Gesichter nicht gut. "Ich war kurz vorm Verzweifeln und dachte, ich werde niemals fertig", erinnert er sich zurück. Sachbuchzeichnen ist etwas Eigenes mit großen Unterschieden zum freien Zeichnen als Künstler.

Nach Feuerwehr, Piraten, Polizei und Dinosaurier (Bild unten links) sitzt er am fünften Buch, dessen Thema er nicht verraten darf. "Bei den Dinos habe ich mich ein wenig aufgedrängt", sagt der 28-Jährige lächelnd, "da bin Fachmann von Kindesbeinen an."

Wenn ein Thema steht, dann überlegt sich die Lektorin des Verlags, die auch die Texte schreibt, die Seitengestaltung. Walther macht dazu Vorschläge und fertigt die ersten Skizzen an. Dann werden Fachberater hinzugezogen, also Menschen aus der Praxis: Für das Dinobuch etwa traf er sich mit Forschern im Frankfurter Senckenberg-Museum, für das Polizeibuch besuchte er die Beamten im Präsidium am Valenciaplatz. Wenn inhaltlich alles korrekt ist, fertigt er die Reinzeichnung an, die wird dann koloriert und per Kurier an den Verlag geschickt. Dort wird das kleine Kunstwerk eingescannt, der Grafiker passt den Text ein, nach dem Feinlayout kann alles in Druck gehen. Rund drei bis vier Monate Arbeit steckt Walther in so ein Buch.

"Diesen Job schon als Student zu bekommen, war super", sagt Walther, der als Kind davon geträumt hat Comiczeichner zu werden. Aber als bodenständiger Typ habe er sich früher oft gefragt, ob er mit dieser Arbeit mal Geld verdienen kann. Er kann.

"Ich sehe mich nicht als reinen Künstler, sondern als Illustrator. Ich arbeite gern für andere, vor allem für Kinder. Aber mein großer Traum sind schon die eigenen Bücher", sagt er, der ein Faible für Tomi Ungerer, Hergé, Wilhelm Martin Busch und Wolf Erlbruch hat. Das hat er im Studium immer mal wieder gemerkt: "Da war ich schon manchmal hin- und hergerissen: Die anderen machen ganz freie Zeichnungen, und ich denke über die Fußstellung beim Tyrannosaurus Rex nach..."

Noch etwas anderes schwebt ihm für die Zukunft vor: Zeichenkurse geben. Zum einen ist die Arbeit allein zu Hause auf Dauer doch etwas einsam, zum anderen hat er Spaß daran, anderen etwas über das Zeichnen beizubringen und sich mit ihnen auszutauschen. Wer Interesse hat, kann sich auf seiner Homepage über Walther informieren und mit ihm in Kontakt treten: www.maxwalther.com. (Alexandra Schröder)

RZO