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Stummfilmklassiker «Metropolis» kehrt zurück

Wiesbaden Ein einziges Wort reicht, um die Herzen echter Cineasten höherschlagen zu lassen: «Metropolis».

Der Stummfilmklassiker von Regisseur Fritz Lang hat in vielerlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt.

Der vor fast genau 83 Jahren erstmals gezeigte Film kehrt am 12. Februar in einer rekonstruierten Fassung auf die Kino- Leinwand zurück, die der Ursprungsversion ziemlich nahe kommt. Möglich gemacht hat dies ein überraschender Fund in Argentinien: Dort waren 2008 längst verschollen geglaubte Szenen des Science-fiction- Klassikers aufgetaucht. In mühevoller Kleinarbeit wurden diese wieder mit dem schon vorhandenen Filmmaterial zusammengepuzzelt. «Die Restaurierung ist abgeschlossen», berichtete die Friedrich-Wilhelm- Murnau-Stiftung am Freitag stolz in Wiesbaden.

Die Premiere der neuen Fassung macht die Stiftung, die die Rechte an dem Film besitzt, zu einem Spektakel. Zur Eröffnung der Berlinale und zeitgleich in der Alten Oper in Frankfurt wird die Filmlegende «Metropolis» aufgeführt. Die Musik zu dem Stummfilm wird von Orchestern live gespielt, der Fernsehsender Arte überträgt. In Berlin dirigiert Frank Strobel, der an der Restaurierung des Films mitgearbeitet hat, das Rundfunk-Sinfonieorchester der Hauptstadt im Friedrichstadtpalast.

«Metropolis» hatte auch schon in seiner Entstehungszeit in den 1920er Jahren für große Aufmerksamkeit gesorgt. Geschlagene 18 Monate dauerten die Dreharbeiten, die Kulissen und Tricks erreichten bis dahin nicht gekannte Dimensionen. Aber die Kosten liefen völlig aus dem Ruder. Statt der anvisierten 1,9 Millionen Reichsmark war der Film am Ende etwa 5 Millionen Reichsmark teuer, was das Filmunternehmen an den Rande der Existenz brachte. «Die Ufa konnte sich gerade noch einmal vor dem Ruin retten», berichtet Eberhard Junkersdorf, Kuratoriumsvorsitzender der Murnau-Stiftung.

Denn «Metropolis» über eine futuristische Stadt, deren Bewohner in eine reiche und eine arme Klasse aufgeteilt sind, war alles andere als ein Kassenschlager und drohte ein großer Flop zu werden. Eine Katastrophe für die damalige Universum Film Aktiengesellschaft - kurz Ufa. Das Unternehmen reagierte und dampfte die mehr als zweieinhalbstündige Premierenfassung schon bald um fast eine halbe Stunde ein.

Das ist mit einer der Gründe , warum Szenen später endgültig verloren schienen. Zwar wurde «Metropolis» auch ins Ausland exportiert, die Verleiher nahmen dann aber oft selbst noch Szenen heraus. Irgendwann war keine Originalfassung mehr auffindbar. 2001 rekonstruierte die Murnau-Stiftung eine gut zweistündige Version. Fehlende Szenen wurden - wo nötig - mit Texteinblendungen erläutert.

Bis dann im Sommer 2008 aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires die Nachricht kam, dass dort die Direktorin des Museo del Cine, Paula Félix-Didier, und Fernando Martín Peña eine längere Version von Metropolis entdeckt hatten. Für die Murnau-Stiftung eine echte Sensation. Es gab nur ein Problem. «Das Material war wirklich in einem ganz grauenvollen Zustand», erinnert sich der Vorstand der Murnau-Stiftung, Helmut Poßmann. Denn es handelte sich um die Kopie einer Kopie, die außerdem stark abgenutzt war.

Der Weg zur nun rekonstruierten Filmfassung war aber auch noch aus einem anderen Grund sehr mühselig. Der argentinische «Metropolis»- Film hatte teilweise eine andere Reihenfolge der Szenen als die Murnau-Fassung aus dem Jahr 2001. Auf eine Original-Schnittliste konnte die Restauratorin der Murnau-Stiftung, Anke Wilkening nicht zurückgreifen. Es wurde eine echte Puzzlearbeit. Geholfen hat dabei unter anderem der Klavierauszug aus einer erhaltenen Partitur.

Nach monatelanger Arbeit sind nun etwa 25 Minuten bislang fehlender Szenen wieder eingefügt, was auch den Charakter des Films verändert. Das Thema Freundschaft, was typisch für Regisseur Fritz Lang gewesen sei, komme nun wieder deutlicher zur Geltung, erläutert Wilkening. Einige wenige Szenen aus der Originalfassung werden aber weiterhin fehlen - bis vielleicht irgendwann noch mal eine verschollen geglaubte «Metropolis»-Version auftaucht.

http://dpaq.de/ZBuNR

dpa-infocom



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