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«Das weiße Band»: Spannend, spröde und brillant

Hamburg Kinder, Jugendliche, Gewalt und falsche Werte: Das ist seit langem ein großes Thema des österreichischen Regisseurs Michael Haneke.

Mit seinem Werk «Das weiße Band» steckt er die Grenzen ganz neu ab, was Kino auf intellektuellem Niveau leisten kann, ohne dabei an Spannung und filmischer Qualität zu verlieren.

Dafür bekam er 2009 die Goldene Palme des Festivals in Cannes sowie drei Auszeichnungen beim Europäischen Filmpreis. Weil «Das weiße Band» eine vorwiegend deutsche Produktion ist, geht der Film nun auch für Deutschland als «Bester nicht englischsprachiger Film» ins Rennen um den Oscar. Im Januar gab es in der Kategorie bereits einen Golden Globe.

In «Bennys Video» (1992) und «Funny Games» (1997) hat der Intellektuelle Haneke (67) auf die «modernen» Ursachen von Gewalt geschaut: Verwahrlosung der Kinder, bedenkenlose Brutalität in der Unterhaltungskultur. Im vergangenen Oktober lief in Deutschland mit «Das weiße Band» sein erster «Historienfilm» an, der in seiner Grundsätzlichkeit noch wuchtiger wirkt als die zeitgenössischen Geschichten. Bis zu der Nominierung für den Oscar am Dienstag hatten ihn bereist eine halbe Million Menschen in Deutschland gesehen.

Ein Dorfschullehrer erzählt rückblickend von den scheußlichen Ereignissen in einem norddeutschen Örtchen in der Zeit vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs: Erwachsene werden Opfer schwerer, absichtlich herbeigeführter Unfälle. Zwei Kinder - Außenseiter alle beide - werden von Unbekannten brutal geschlagen und schwer verletzt. Menschen verschwinden. Wer tut so etwas? Warum?

Diese Fragen verfolgt Haneke wie in einem Thriller, doch er verweigert ganz bewusst die Auflösung. «Das ist mein Prinzip», erklärt er. Es sei nicht die Aufgabe von Kunst, Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen. Haneke fordert sein Publikum heraus: «Ein Film ist wie eine Sprungschanze. Springen muss der Zuschauer selbst.»

Die hypnotisch ruhigen Schwarz-Weiß- Bilder von Kameramann Christian Berger, der Anfang März ebenfalls Aussicht auf einen Oscar hat, wirken lange nach. Wie unter der Lupe inszeniert Haneke das Werte- und Sozialgefüge des Dorfes: Den feudalen und rigorosen Absolutheitsanspruch des Barons (Ulrich Tukur). Die Bigotterie des Dorfarztes (Rainer Bock), der nicht nur mit der Hebamme eine ausbeuterische Affäre unterhält, sondern auch seine Tochter missbraucht. Die wahnhafte Strenge des evangelischen Pfarrers (Burkhart Klaussner), der seine Kinder zu äußerlich angepassten, innerlich verkrüppelten Monstern macht.

In dieser Atmosphäre von Schuld, Bestrafung und Heuchelei verabsolutieren die Kinder die falschen feudalen und übersteigerten christlichen Werte ihrer Väter. Hier gibt es keine Nische für so etwas Schlichtes wie Liebe, Freude, Weichheit oder auch nur die kleinste Geste von Toleranz. Es sind die Gesichter der Kinder, die den Zuschauer auch Stunden nach dem Film noch verfolgen. Ihre verschlossenen Münder, verzweifelten Augen, ihr Flehen, ihre Härte und ihr nach außen gewendeter Hass gegen alle, die nicht so deformiert sind wie sie selbst.

Haneke illustriert eine Lehrstunde über die Folgen Schwarzer Pädagogik. Der historische Zusammenhang verweist in die Zukunft: Erster Weltkrieg, Nationalsozialismus, Holocaust... Bis zur Perversion übersteigerte Ideale sieht der Autor und Regisseur überall als die wichtigste Ursache für Gewalt und Terrorismus. Für ihn ist klar, dass dieses Problem trotz des Untertitels «Eine deutsche Kindergeschichte» auch als ein weltweites verstanden wird. Von Karin Zintz, dpa

dpa-infocom



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