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Totes Holz am «Lotharpfad» macht die Natur lebendig

Baiersbronn Hier umarmen sich Zerstörung und Neubeginn: Der «Lotharpfad» an der Schwarzwaldhochstraße ist ein Beispiel dafür, wie die Kräfte der Natur funktionieren.

Einerseits ist das natürliche Chaos, das der Orkan vor zehn Jahren unweit des Schliffkopfs angerichtet hat, auch heute noch sichtbar. Doch die zehn Hektar große Sturmwurf-Erlebnisfläche, die bewusst nicht aufgeräumt wurde und von Maschinen und Waldarbeiter-Händen unberührt geblieben ist, zeigt auch, wie sich Natur frei entwickelt und so ein Stück unbeeinflusste Wildnis entsteht. «Wald, der sich selbst regeneriert, ist robuster als angelegter Wald», erklärt der Biologe Wolfgang Schlund.

Schlund, Leiter des Naturschutzzentrums Ruhestein im Schwarzwald, hatte die Idee, am Plonkopf die Holztrümmer von «Lothar» einfach liegen zu lassen. «Der Holzpreis fiel nach dem Orkan in den Keller, da war es einfacher, dieses Projekt zu realisieren», sagt der Biologe. Zudem hatte das Forstamt Baiersbronn andernorts genug zu tun: Eine halbe Million Festmeter Holz riß der Sturm um. «Tannen und Kiefern brachen ab wie Streichhölzer, Fichten wurden mitsamt der Wurzel umgeworfen», berichtet Baiersbronns Bürgermeister Norbert Beck, der 1999 auf dem Heimweg vom Tennis über umgestürzte Bäume klettern musste.

Auf dem Lotharpfad liegt der Wald heute noch. Wer über die urigen Stege, Holzbohlen, Leitern und Pfade durch die Wildnis streift, begegnet immer noch verkeilten Bäumen, riesigen Wurzeln und zersplitterten Ästen und Stümpfen. «Verrottung dauert lange», erklärt Schlund und nennt eine forstliche Faustregel: «So alt der Baum ist, so lange braucht er, bis er nicht mehr da ist.»

Doch neben dem Totholz hat sich die Vegetation längst wieder in die Horizontale entwickelt. Liegende Buchen produzierten Bucheckern, Vögel verbreiteten Samen. «Man kann jetzt schon wieder von Wald sprechen», meint Schlund zum frischen Grün von bereits mannshohen Tannen, Fichten, Buchen, Birken und Vogelbeeren. Anders auf geräumten Flächen: Durch die Arbeit verdichtet sich der Boden, Kleinholz wird zerstört. Dann dauere die Regeneration länger, sagt der Biologe.

Deshalb sei totes Holz «ganz zentral» für neuen Wald, ein Kosmos mit bizarren Lebewesen, von A wie Ameise bis Z wie Zangenbock. Das liegen gebliebene Holz biete durch Schutz gegen Hitze, Austrocknung und Schneelast ein «Wohlfühlklima». Hirsche und Rehe, die gerne junge Bäume fressen, kommen nicht durchs Dickicht. Außerdem sei Verrottung «der beste Kompost» und biete Insekten und Vögeln, aber auch Pilzen gute Lebensräume, erklärt Schlund.

Der Biologe hat am Lotharpfad inzwischen viele Vogelarten beobachtet, die sonst typisch für Hecken, Parks oder Friedhöfe sind, wie den Neuntöter oder Gartenrotschwanz: «Die Vielfalt ist größer geworden.» Auch der Dreizehenspecht, der stehende absterbende Hölzer mag, oder der Hirschkäfer, der tote Fichten braucht, fühlen sich auf der Sturmwurf-Fläche wohl. Fledermäuse nisten in Baumhöhlen, auch Amphibien und Schmetterlinge finden beste Lebensbedingungen. Längst ist auch das Auerhuhn wieder an den Grinden angesiedelt.

«Lothar war vielleicht für die Waldbesitzer eine Katastrophe, für die Natur jedoch nur ein Ereignis», sagt Schlund. Ohne «Lothar» würde es jedoch den 2003 mit EU-Mitteln geförderten «Lotharpfad» nicht geben, den inzwischen etliche Menschen besucht haben. Und auch nicht den robusten, vielfältigen Wald, der künftig am Plonkopf stehen wird. Von Wolf Günthner, dpa

dpa-infocom


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