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High-Speed-Züge lassen Europa kleiner werden

Hamburg Morgens eine Konferenz in Köln, mittags ein Essen in Paris: Was früher dem Fluggast vorbehalten blieb, schafft heute auch der Bahnreisende - wenn er die richtigen Züge benutzt.

Der Verkehr auf Schienen wird im Westen Europas immer schneller, immer mehr Strecken erlauben bis zu 300 Stundenkilometer. «Auf fast 6000 Kilometern verkehren Bahnen heute mit Hochgeschwindigkeit, fast 3300 Streckenkilometer sind im Bau», erklärt Liesbeth de Jong vom Internationalen Eisenbahnverband UIC in Paris.

Das dichteste Hochgeschwindigkeitsnetz Europas finden Urlauber und Bahnfans in Frankreich. Auf fast 2000 Kilometern rasen die «Trains à Grande Vitesse», die TGV, quer durch das Land. Hartmut Buyken vom deutschen Fahrgastverband Pro Bahn in Düsseldorf nennt den Grund für die Spitzenstellung: «Die Konstrukteure nutzten für die von Paris sternförmig weglaufenden Schienenstränge die Täler und kamen dabei fast ohne Tunnel aus. In Deutschland machen die Mittelgebirge den Bahnbau aufwendig.»

Hierzulande beherrschen die weißen ICE auf 6800 Kilometern den schnellen Fernverkehr. «Auf mehr als 1200 Kilometern davon kann echte Hochgeschwindigkeit gefahren werden», erklärt Andreas Fuhrmann von der Deutschen Bahn in Berlin. Fast 380 Kilometer seien im Bau, 670 in Planung. Buyken sagt jedoch, dass damit keine Netze wie in Frankreich geflochten werden könnten: «Die schnellen Züge der Bahn müssen immer wieder ihr Tempo drosseln.»

Auch Spanien durchziehen auf mindestens 250 Stundenkilometer ausgelegte Schnellfahrstränge. 1992 schickte die Bahnverwaltung auf der neu gebauten Strecke von Madrid nach Sevilla die ersten AVE auf die Reise. Seither ist das Hochgeschwindigkeits-Streckennetz mit 1600 Kilometern das zweitgrößte in Europa geworden. Und es wächst weiter: 2200 Kilometer Gleise werden derzeit verlegt, 1700 weitere sind geplant. Von Madrid nach Barcelona fahren die AVE längst in weniger als drei Stunden. Vor wenigen Jahren waren Passagiere noch drei Mal so lang unterwegs.

Experten sprechen von Hochgeschwindigkeit, wenn mindestens Tempo 200 erreicht wird. In manchen Ländern allerdings täuschen schnittige Züge High Speed vor, auch wenn es keine entsprechend ausgebauten Strecken gibt. Dazu gehört der neue österreichische Fernreisezug «Railjet», der auch ins benachbarte Ausland fährt.

Italien hat seine Nord-Süd-Achse auf Tempo gebracht. Mit dem neuen Fahrplan braucht der «Frecciarossa» (Roter Pfeil) zwischen den Stadtzentren Mailands und Roms nur noch drei Stunden. Bislang waren Reisende doppelt so lang unterwegs.

Für das östliche Mitteleuropa rechnet der Verkehrswissenschaftler Prof. Wolfgang Fengler von der TU Dresden nicht vor dem Jahr 2020 mit «echter Hochgeschwindigkeit». Russlannd dagegen schickt als Newcomer im High-Speed-Club seit Dezember den «Sapsan» (Wanderfalke) auf die Traditionsstrecke Moskau - St. Petersburg. Der aus deutscher Produktion stammende Triebkopf-Express braucht mit Spitzengeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern für die 650 Kilometer weniger als vier Stunden - eine gute Stunde weniger als der bislang schnellste «Newskij-Express». Im Jahr 2010 sollen Züge mit Neigetechnik St. Petersburg auch mit Helsinki verbinden.

Weltweiter Fachverband des Bahnsektors: www.uic.org

Hochgeschwindigkeitszüge in Europa: www.railteam.eu Von Horst Heinz Grimm, dpa

dpa-infocom



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