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Schlichte Uhren für schwere Zeiten

Biel/Ulm In der Schweiz gehen die Uhren derzeit rückwärts.

Um ein Viertel sind die Exporte in den ersten zehn Monaten des Jahres 2009 eingebrochen, berichtet der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie in Biel.

Nicht jeder macht dafür allein die Wirtschaftskrise verantwortlich - auch von einer verfehlten Modellpolitik ist die Rede. Inzwischen wird in der Branche eine neue Bescheidenheit ausgerufen.

«In der Uhren-Szene gab es in den letzten Jahren zu viel Bling-Bling», sagt Rüdiger Bucher von der Zeitschrift «Chronos». Tatsächlich wurden während des Booms der vergangenen Jahre immer neue Kreationen zu immer höheren Preisen auf den Markt geworfen. Um diese zu rechtfertigen, entstand ein Wettlauf um das schrillste Design. Spötter erinnerte das bisweilen an «überschminkte Frauen».

Davon profitieren nun jene Hersteller , die sich schon vor längerem auf ein zeitlos-modernes Design im Geist von Bauhaus und Werkbund besonnen haben. Überraschend viele davon kommen aus Deutschland. «Wir sind verblüfft, dass uns das Krisenjahr 2009 Rekordzuwächse bringt», sagt zum Beispiel Manfred Brassler, Gründer der Marke Meistersinger aus Münster. Sind heute schon Dreizeiger-Uhren in etlichen Kollektionen eine Seltenheit, so reduzieren die Einzeiger-Modelle der Marke die Informationstiefe auf ein Minimum. Auf fünf Minuten genau lasse sich die Uhr mühelos ablesen, verspricht der Hersteller. Dafür erhält der Käufer einen ideellen Mehrwert und setzt ein Zeichen für mehr Gelassenheit. Die können gerade in diesen Zeiten viele gut gebrauchen - das zeigt zumindest der Verkaufserfolg.

Nicht ganz so erfolgreich war die jüngere Vergangenheit von Junghans, wo Ende 2008 die Insolvenz des Mutterkonzerns zu verkraften war. Inzwischen rüstet sich das Unternehmen für die Zukunft. Ein wichtiges Faustpfand ist dabei die Linie «Max Bill by Junghans», die auf einen Entwurf aus dem Jahr 1962 zurückgeht.

Auch fast 50 Jahre nach ihrem Entwurf strahlt die «Max Bill» mit ihrer Kombination aus schmaler Lünette, puristischem Zifferblatt und gewölbtem Plexiglas kompromisslose Modernität aus. Der Träger sieht sich durch die präzisen Linien an eine Zeit gemahnt, als die Zukunft noch berechenbar erschien - vielleicht ist das das Geheimnis ihres jetzigen Erfolgs.

Anhaltender Beliebtheit erfreut sich Nomos aus Glashütte. Der Hersteller hat es nach seinem Marktstart 1992 verstanden, der Nachfrage durch fantasievolle Variation der Produktpalette immer neue Nahrung zu geben. Auf den ersten Blick wirkt auch das neue Modell «Zürich» nur wie die junge Schwester der «Orion». Auf den zweiten Blick zeigt sich mehr Markanz im Detail, was zusammen mit dem größeren Durchmesser männliche Käufer erfreuen soll.

Sechs Monate beträgt derzeit die Wartezeit bei D. Dornblüth & Sohn im sachsen-anhaltinischen Kalbe. «Wir fertigen nur auf Bestellung und maximal 150 Uhren im Jahr», sagt Juniorchefin Anja Wernecke. Angelehnt an alte Beobachteruhren der Marine, strahlt das Design unaufgeregte Solidität aus. Von Tobias Wiethoff, dpa

dpa-infocom


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