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Die «Nuller Jahre»: Sehnsucht nach Entschleunigung

Berlin Zehn Jahre zurück, wir erinnern uns.

1999 herrschte eine Angst vor massenhaften Computerabstürzen. Das sogenannte Y2K-Phänomen zum Jahrtausendwechsel ging um.

Die Sorge, Millionen Rechner würden auf 1900 statt auf 2000 umspringen oder überhaupt mit dem Wechsel auf «00» nicht klarkommen. Aus Angst zum Beispiel vor Unfällen in Atomkraftwerken investierte die Industrie viele Millionen Euro. Es ging gut. Zehn Jahre später sind Computer und Technik in unserem Leben viel präsenter und trotzdem nicht jedem geheuer.

Ein Jahrzehnt geht zu Ende und bei der Frage was bleibt, gibt es oft die gleiche Antwort: Es ist alles furchtbar schnell geworden, Reize allerorten, kein Wunder, dass gerade viele Städter, die in der Woche rastlos von Termin zu Termin hetzen, sich am Wochenende nach einem Landleben mit intakter Nachbarschaftskultur sehnen.

Wer in Berlin U-Bahn fährt , hört wenig Gespräche, stattdessen werden Stöpsel ins Ohr gesteckt, Videos geschaut, Musik gehört, SMS geschrieben, Bilder verschickt, telefoniert. Wenn mal ein paar Stunden ein Handy-Netz ausfällt, ist die Verzweiflung groß. Und das Funkloch lässt Reisende im Zug fluchen.

Die Automatisierung des Lebens, die zugleich immer ein Abbau von Arbeitsplätzen ist, schafft heute ganz neue Branchen. Kurse für Senioren zur Orientierung im Automaten-Dschungel etwa verbuchen regen Zulauf. Wer hätte gedacht, dass wir eines Tages mal im Supermarkt uns selbst abkassieren können, Postpakete in anonyme Boxen stecken und ohne Satellit uns nicht mehr in der Lage fühlen, mit dem Auto ans Ziel zu finden. Und dass viele Menschen mehr Freunde online haben als in der realen Welt (Stichwort: soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ). Schon stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich mit dem virtuellen Nachlass (Mails, Homepage), wenn man eines Tages stirbt?

Auch im Privaten hängt unser Glück vom Computer ab, die Windows- Melodie beim Hoch- und Runterfahren des Rechners wird zum Soundtrack der Nuller Jahre. Wehe, die Festplatte schmiert ab - dann bricht eine Welt zusammen. Und der USB-Stick wird zum Symbol der «Nuller»: Statt Aktenmeter im heimischen Bürozimmer aneinanderzureihen, speichern wir Tausende von Texten, Fotos und Filmen auf kleinen Speichermedien. Unser ganzes Leben lässt sich nun auf eine CD-Rom pressen. «Das Internet vermanscht unser Hirn», findet der «F.A.Z.»-Mitherausgeber Frank Schirrmacher. Die Informationsflut und das Multitasking erschöpften uns geistig. «Wir werden ständig durch Mails, SMS, Nachrichten gestört - das ist tatsächlich so etwas wie Körperverletzung.»

Der Kölner Politologe Thomas Jäger definiert die Globalisierung als «die gegen Null tendierende Komprimierung der Faktoren Raum und Zeit für weite Bereiche menschlichen Handelns». Wir sind immer auf dem Sprung, jetzt hier, gleich da. Wir finden Gefallen am «Speed-Dating». Der «Coffee To Go» wird zum Lebensgefühl und «Freizeitstress» zum geflügelten Wort. Der Kopf kommt kaum mit, man will - oder muss - oft drei Sachen gleichzeitig machen. Das Handy klingelt, eine Mail poppt auf, und wir müssen von vorne beginnen, uns zu konzentrieren.

So wächst auch der Wunsch nach einer Wiederentdeckung der Langsamkeit. Denn der Druck in Schule, Studium und Beruf steigt. Vier Millionen Menschen leiden an Depressionen. Burn-Out ist keine Nischenerscheinung mehr. Uns geht manchmal der Blick für den anderen verloren, Tim K. (Winnenden) und Robert S. (Erfurt) erschüttern uns mit Amokläufen.

Der große Fluss des Lebens fließt heute derart schnell, dass viele Ereignisse einem schon wieder so weit weg erscheinen, dass sie fast historisch wirken: Die Terrorangriffe auf die Twin Towers in Manhattan und das Pentagon in Washington 2001. Der Tsunami an Weihnachten 2004 tötet etwa 230 000 Menschen. Papst Johannes Paul II. stirbt im April 2005. Der Deutsche Joseph Ratzinger wird als Papst Benedikt XVI. sein Nachfolger: «Wir sind Papst».

Der Terror und seine Bekämpfung werden zum großen Thema der Dekade. Der Faktor Angst dominiert ganze Gesellschaften. Wie bei Ampeln wird in den USA die aktuelle Terrorgefahr angezeigt. Ein weltweiter Kampf gegen den islamistischen Terrorismus beginnt, der zugleich Zwietracht sät und zum größten Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan führt (zurzeit 4500 Soldaten). Deutschlands Sicherheit wird nun auch am Hindukusch verteidigt - der Kampf der Kulturen kann aber glücklicherweise vermieden werden.

Im Irak wird Saddam Hussein gestürzt und später gehenkt - dass seine Hinrichtung per Handy gefilmt wird, passt ins Bild des Jahrzehnts, wo alles öffentlich wird, millionenfach verbreitet bei YouTube. Und dann endet das Jahrzehnt irgendwie auch wieder in New York, diesmal kracht die Investmentbank Lehman Brothers zusammen (September 2008) und löst damit an den Finanzmärkten ein Beben aus, das die kommende Generation bei den Staatsschulden auszubaden hat. Der Staat pumpt Milliarden in «notleidende Banken». Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist nicht mehr zum Zeigen des Victory-Zeichens zumute. Der Kapitalismus krankt, Mittellosen werden Kredite zum Häuserbau aufgeschwatzt.

Vor allem der erste schwarze US-Präsident soll den Karren aus dem Dreck ziehen, doch die vielen Baustellen sind komplizierter als es sich in den visionären Reden Barack Obamas anhört. Dass er als Vorschuss gleich den Friedensnobelpreis bekommt, macht es nicht leichter. Afghanistan? Keine Lösung erkennbar. Israel? Baut trotz des US-Widerstands weiter Siedlungen. Iran? Kein Einlenken im Atomstreit erkennbar. Guantánamo? Kann doch nicht bis Anfang 2010 geschlossen werden.

Und was ist in Deutschland passiert? Rot-Grün besiegelt den Atomausstieg (2001). Aus der D-Mark wird der «Teuro» (2002), Hartz IV zur Chiffre für Sozialabbau (2003). Pisa bringt das Bildungssystem ins Wanken (2001) und die Linke die Parteienlandschaft (2005). Eine Ostdeutsche wird und bleibt Kanzlerin (2005/2009). Wir berauschen uns am fußballerischen Sommermärchen (2006), freuen uns über gesellschaftliche Veränderungen: Ein Adoptivkind aus Vietnam wird Gesundheitsminister, ein offen schwuler Mann Außenminister (2009). Ein Torwart löst eine Anteilnahme aus, die die Frage aufwirft, was der Tote selbst davon gehalten hätte? Es ist auch ein Jahrzehnt der Doppelmoral: Wie viele der Trauernden hätten Robert Enke belächelt, wenn er seine Depression öffentlich gemacht hätte?

Vieles ist plötzlich nicht mehr so wie es mal war: Quelle und Karstadt gehen unter. Adolf Merckle, ein deutscher Unternehmens- Patriarch alter Schule, sieht sein Lebenswerk zerstört und lässt sich von einem Zug überfahren (2009). Krise ist ein Wort, das in der Politik besonders die SPD mit ihrem Absturz auf 23 Prozentpunkte mit Leben füllt. Waren die 80er die Hochphase politischen Engagements («Atomkraft? Nein danke»), wirkt die Demokratie in den Nuller Jahren gefährlich blutleer.

Bildung - die Studenten gehen auf die Barrikaden, haben aber das Problem, dass fast alle ihre Forderungen teilen - und Integration werden zu gesellschaftspolitischen Topthemen. Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin löst eine Debatte aus, als er den Integrationswillen von Türken und Arabern infragestellt. Eine große Zahl von ihnen in Berlin habe keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel. «Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.»

Und sonst? Wie fühlen wir uns? Die EU schweißt zusammen - wir leben in einer historischen Friedenszeit. Ja, wir werden offener und entspannter. 2006 ist die Welt wirklich zu Gast bei Freunden. Wir sehnen uns nach Gemeinschaft - die Zahl der Singles steigt aber immer weiter an. Bis 2060 könnte die Bevölkerung von 82 auf 65 Millionen schrumpfen. Dann leben wahrscheinlich genauso viele Über-80-Jährige im Deutschland wie Teenager und Kinder. Die Rentner werden zu «Best-Agern». Sie sind agil wie nie - wenn aber bald 100 Erwerbstätige 50 Rentner finanzieren müssen, droht ein Generationenkonflikt.

An den Jungen nagen die Zweifel. Wie und wo will ich leben? Bekomme ich einen Job? Das Prekariat ersetzt das Proletariat. Wir sind Gefangene der schönen neuen Welt. Die Vielfalt überfordert uns, hier das Fitness-Studio, da meine Chats. Jeder ist mit jedem in Kontakt und fast überall erreichbar. Man rotiert zwischen mehreren Email-Zugängen und so mancher Bewerber scheitert, weil der Chef Jugendsünden «ergoogelt». Die Gemeinschaft schwindet, der Fernseher und Computer ersetzen oft das gemeinsame Diskutieren am Küchentisch.

Insgesamt wird alles etwas amerikanischer. Kommunen wagen Cross-Border-Leasing-Geschäfte und sehen in Zeiten der Finanzkrise die Felle davonschwimmen. Nach Feierabend geht es zum Work-Out. Nur George Bush mögen wir nicht, dafür Obama umso mehr. Auch unser Fernsehen nimmt Anleihen in Amerika. Talk-Shows, Koch-Shows oder Reality-Shows («Big Brother») - überall kann man dabei sein und zum Drei-Wochen-Star werden. Daniel Küblböck wird zur Chiffre für das Jedermann-Syndrom. Deutschland sucht den «Superstar» oder «Germany's Next Topmodel» - die Casting-Welle bricht über uns herein. Man schämt sich fremd. Das Fernsehen, auch das öffentlich-rechtliche, verliert an Niveau. Das findet nicht nur Marcel Reich-Ranicki.

Der Satiriker Martin Sonneborn bilanziert: «Das westliche Weltbild ist in diesem Jahrzehnt ins Wanken geraten. Unsere Banker haben einen schlechteren Ruf als Hütchenspieler und Trickbetrüger, unsere Soldaten stellen überrascht fest, dass sie mit ihren Gewehren auch herumschießen sollen und unsere Volksparteien sind keine Volksparteien mehr.» Trend-ABC A wie «Attac»: Globalisierungskritiker - unter anderem die aus Frankreich stammende Organisation Attac - verschaffen sich in dieser Dekade oft Gehör, nicht zuletzt bei den Gipfeln der führenden Industriestaaten.

B wie «Bundeskanzlerin» und «Benedikt XVI.»: Angela Merkel (CDU) und Joseph Ratzinger, beide seit 2005 im Amt, sind die zwei Deutschen, die weltweit für das meiste Aufsehen sorgen und zu denen sich so gut wie jeder eine Meinung bilden muss. «Angie» und «Wir sind Papst» werden zu geflügelten Worten.

C wie «Computerspiele»: Sie boomen. Und es gibt nicht nur Baller- Spiele, auch Sport- und Sing-Programme. Doch die Bevölkerung ist gespalten. Für die einen sind die Spiele toller Freizeitspaß, den anderen bleiben sie fremd. Umstritten bleibt, inwieweit sogenannte Killerspiele für (Schul-)Amokläufe verantwortlich sein könn(t)en.

D wie «Deutsches international erfolgreich»: Ob ein Oscar für den Film «Das Leben der Anderen» (2007) oder die Magdeburger Popband Tokio Hotel (seit 2005): Kultur aus Deutschland läuft auch im Ausland gut. An die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover erinnert sich indes kaum noch jemand.

E wie «Easyjet-Set»: «Fliegen zum Taxi-Preis» hieß mal ein Slogan. Mindestens Europa wird zum Dorf. Billig-Flieger wie eben «Easyjet» oder «Ryanair» boomen. Mal eben ein Wochenende nach London, Barcelona oder Paris. Das ist toll für das Lebensgefühl. Was es für die Umwelt bedeutet, verdrängen viele gern. Unsere Kinder und Enkel werden uns vielleicht eines Tages dafür hassen.

F wie «Fremdschämen»: Casting-Shows wie «Deutschland sucht den Superstar» (seit 2002), «Germany's Next Topmodel» (seit 2006) oder «Das Supertalent» (seit 2007) begeistern viele. Manchen lassen sie am Verstand der Menschheit zweifeln. Auch Fernsehformate wie «Big Brother» (seit 2000) sind mit ihrem Vorführ-Effekt umstritten.

G wie «...gut so!»: Mit seinem Satz «Ich bin schwul - und das ist auch gut so!» im Sommer 2001 läutet der SPD-Politiker Klaus Wowereit ein geradezu schwules beziehungsweise lesbisches Jahrzehnt ein. Zum 1. August 2001 tritt das rot-grüne Projekt «Homo-Ehe» in Kraft. Homosexualität ist kein allzu krampfiges Thema mehr. Nicht zuletzt das Internet macht es möglich. 2009 wird mit Guido Westerwelle (FDP) ein offen Schwuler deutscher Außenminister.

H wie «Harry Potter» und «Herr der Ringe»: Fantasy-Bücher boomen. Die Verfilmungen von «Harry Potter» und «Herr der Ringe» (jeweils seit 2001) gehören zu den erfolgreichsten Filmen überhaupt. Eskapismus, also Wirklichkeitsflucht? Am Ende der Dekade kommt der Vampir-Kult hinzu («Twilight»/«Bis(s)»-Reihe in Buch und Film).

I wie «iPod» oder «iPhone»: MP3-Spieler, die den Soundtrack des Lebens dudeln, sind das Accessoire schlechthin. Viele Menschen laufen nur noch mit Stöpseln im Ohr herum. Schicke Handys (Smartphones) sind das (Erwachsenen-)Spielzeug überhaupt. Besonders begehrt: Apple- Produkte. Der Firma und ihrer Galionsfigur Steve Jobs gelingt in dieser Dekade eine sagenumwobene Wiederauferstehung.

J wie «Jobhopper»: Das traurige Phänomen «Generation Praktikum» sorgt für Schlagzeilen und führt die ungerechte Situation am Arbeitsmarkt vor Augen. Für viele 20- bis 35-Jährige ist dort nämlich nicht viel zu holen - oder aber Ausbeutung. Zum Sprachrohr des Lebensgefühls der Betroffenen wird die Zeitschrift «Neon» (seit 2003).

K wie «Klimawandel»: Spätestens seit dem Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) im Jahr 2007 ist der Klimawandel, wenn nicht gar die Klimakatastrophe, gedankliches Allgemeingut. 2007 erhalten der IPCC und der US-Politiker Al Gore den Friedensnobelpreis. Doch so wirklich los geht es mit der Rettung des Planeten nicht. Prominentes Opfer des neuen Zeitgeists wird die Glühbirne. Sie gilt als Energieschleuder.

L wie «Latte Macchiato»: Es ist das Heißgetränk des Jahrzehnts, spätestens seit die US-Kaffeehaus-Kette «Starbucks» 2002 nach Deutschland kam. Die «gefleckte Milch» hat viele Fans. Sie wird in Cafés, im Büro oder zu Hause getrunken. Milchschaumschläger(innen) allerorten. Apropos Schaum: der boomt auch in der Edel-Gastronomie - Stichwort: Molekularküche. Aber das führt hier zu weit. Als Kaltgetränk des Jahrzehnts vor allem in der Szene-Gastonomie kann man indes wohl «Bionade» bezeichnen.

M wie «Master-Studiengänge»: Der sogenannte «PISA-Schock» (2001) führt vor Augen, dass die Schulen der Bildungsrepublik Deutschland nicht die besten sind. Der «Bologna-Prozess» will derweil Europas Hochschulen vereinheitlichen und krempelt die Unis um: Die Titel und Studiengänge «Bachelor» und «Master» bleiben lange umstritten.

N wie «New York»: Die Stadt am Hudson ist die Metropole des Jahrzehnts. Am 11. September 2001 fliegen hier zwei Flugzeuge - von Terroristen gesteuert - in die weltberühmten Zwillingstürme des World Trade Center. Jeder weiß noch, wo er war, als er davon erfuhr. 2008 stürzt hier mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers mehr oder weniger der Kapitalismus zusammen.

O wie «Obama»: US-Präsident Barack Obama (2008 gewählt, seit 2009 im Amt) ist der Anti-Bush. Sein äußerst umstrittener Vorgänger George W. Bush prägte eigentlich das Jahrzehnt - mit seinem Irak-Krieg oder Sündenfällen wie dem Gefangenenlager Guantánamo. Doch für viele ist Bush die «Hassfigur des Jahrzehnts», Obama dagegen, der Friedensnobelpreisträger 2009, der «Mann des Jahrzehnts».

P wie «Prekariat»: Das sogenannte Arbeitslosengeld II («Hartz IV») ab 2005 - eine Neuregelung bei Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe - löst viele Debatten aus. Scheinbar erst jetzt wird vielen bewusst, dass in Deutschland eine ganze Menge Menschen leben, die vom Reichtum abgehängt sind. Von Unterschicht ist die Rede. Gleichzeitig wächst eine Wut auf die sogenannte Elite, in der mancher sich nicht zu scheuen scheint, trotz Millionen-Einkommen Steuern zu hinterziehen.

Q wie «Quelle»: Auch große Konzerne und Marken können untergehen. Die Karstadt- und Quelle-Krise macht es deutlich. Die Institution Kaufhaus erlebt schwere Zeiten. Die Fußgängerzonen in Deutschland sehen sich mit ihren Filialen großer Ketten immer ähnlicher. Das Einkaufsverhalten der Deutschen hat sich im Internet-Zeitalter und in Zeiten abnehmender Geldbeutel verändert.

R wie «Rauchverbot»: Es wird auch «Nichtraucherschutz» genannt. Die Bevölkerung ist natürlicherweise gespalten, wenn es ums Rauchen in öffentlichen Räumen, Bars und anderen Lokalen geht. Und die Republik sowieso, weil die Gesetze (ab 2007) in jedem Bundesland anders formuliert sind. Was sich ausbreitet in Zeiten des Rauchverbots, sind Heizpilze. Eines der Wörter des Jahrzehnts.

S wie «Sommermärchen»: Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist der emotionale Höhepunkt vieler Deutscher in dieser Dekade. Bei bestem Wetter ist vom 9. Juni bis 9. Juli «die Welt zu Gast bei Freunden». Neben den Toren der Nationalelf brennen sich Bilder davon ins Gedächtnis, wie Millionen Menschen Schwarz-Rot-Gold- Schminke im Gesicht haben und an tausenden Autos die Flagge flattert.

T wie «Teuro»: Zum 1. Januar 2002 kommt der Euro. Mit der europäischen Einheitswährung geht ein Traum in Erfüllung: Reisen in fremde Länder ohne Währungsumtausch. Schade nur, dass vieles bei der Umrechnung (1 Euro = 1,95583 DM) irgendwie unverhältnismäßig viel teurer wird. Oder alles nur Einbildung? «Teuro» ist jedenfalls «Wort des Jahres» 2002 und einer der Beweise dafür, dass die Deutschen sehr kreativ mit ihrer Muttersprache sein können und eine neue Lust an ihr (Stichwort: Bestseller «Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod (2006) gefunden zu haben scheinen.

U wie «Unsinn»: Comedy und Blödeleien sind sehr erfolgreich. Mario Barth füllt 2008 sogar das Olympiastadion in Berlin. Aber auch Hape Kerkeling hat zum Beispiel mit seiner Kunstfigur Horst Schlämmer die Lacher auf seiner Seite. Darüber hinaus auch die Buchkäufer. Sein Werk «Ich bin dann mal weg» (2006) ist allerdings eher der Beweis für eine neue Ernsthaftigkeit in Deutschland. Schließlich geht es um Selbstfindung auf dem Jakobsweg.

V wie «Volksparteien»: In den Wahlen ist vielerorts in Deutschland eine Abkehr von ihnen zu beobachten. Vor allem die SPD leidet unter Mitglieder- und Wählerschwund. Gleichzeitig befinden sich die sogenannten kleinen Parteien wie FDP und Grüne im Aufwind. Und nicht zu vergessen natürlich: Die neue Partei Die Linke (offiziell ab 2007). In einigen Teilen beruht sie noch auf der früheren PDS, die mal die SED war.

W wie «Wikipedia»: Das Wissen wird nicht mehr von Professoren und Verlagen verwaltet - so der Ansatz. Mit dem Online-Lexikon Wikipedia entwickelt sich eine neue Art der Wissensfindung und der Detail- Informiertheit. Zur Inspiration ein wahrer Fundus. Und das Schlimmste für Journalisten zum Beispiel: Fast alles stimmt auch noch.

X wie «Xing und andere soziale Netzwerke»: Spätestens 2009 sind sie zum Massenphänomen geworden. Millionen Menschen tummeln sich in den sozialen Netzwerken, haben plötzlich mehr Freunde im «digitalen Leben» als im «analogen Alltag». Je nach Geschmack und Milieu melden sich Leute bei Facebook, MeinVZ, Wer-kennt-wen und was es sonst noch so alles gibt an.

Y wie «YouTube»: Die Internet-Plattform ist für viele Jugendliche ein bisschen so etwas wie das Fernsehen des 21. Jahrhunderts. Hier kann man sich stundenlang vergnügen. Doch wer hätte gedacht, dass sich im 21. Jahrhundert die Menschen einerseits nur noch mit großem Heimkino auf einem schicken Flachbildschirmfernseher zufriedengeben, andererseits aber auch mit kleinen Web-Filmchen?

Z wie «Zerstörungswelle»: Bei der furchtbaren Tsunami-Katastrophe kommen am zweiten Weihnachtstag 2004 mehr als 230 000 Menschen ums Leben. Gewaltige Flutwellen verwüsten innerhalb weniger Stunden die Küsten des Indischen Ozeans. Auslöser ist ein schweres Erdbeben der Stärke 9,1 vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra. Mindestens 1,5 Millionen Menschen werden obdachlos. Von Georg Ismar, dpa

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