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Zeuge: "Wundersame Besuchervermehrung" am Nürburgring

Mainz Die Bürgerinitiative "Rettet den Nürburgring" hat schon vor fast drei Jahren vor überzogenen Besucherprognosen beim umstrittenen neuen Freizeitpark in der Eifel gewarnt.

Die Schätzungen seien "völlig illusorisch", habe der Verein bereits im März 2007 dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und dem damaligen Finanzminister Ingolf Deubel (beide SPD) geschrieben, sagte der frühere Vorsitzende Norbert Hanhart am Dienstag. Eine Antwort sei nie gekommen, ergänzte der Zeuge im Untersuchungsausschuss zur Nürburgring-Affäre in Mainz.

Die Prognose, mit dem im Sommer 2009 eröffneten Freizeitpark an der Rennstrecke jährlich 500 000 Besucher mehr anlocken zu können, sei auf fragwürdiger Basis zustande gekommen, kritisierte Hanhart. Teils sogar mit "Taschenspielertricks". So seien damalige Besucher zweier schon vorhandener Attraktionen am Nürburgring einfach doppelt gezählt worden. "Das war eine Art wundersamer Besuchervermehrung."

Konzentrische Kreise auf der Landkarte um die Rennstrecke herum im Bereich von einer halben bis zu zwei Autostunden hätten "zu unserem Erstaunen den Nürburgring als Zentrum eines Ballungsraums definiert", berichtete Hanhart weiter. Auf diese Weise sei ein Einzugsbereich von 20 Millionen Einwohnern bis nach Frankfurt, Köln und Luxemburg festgelegt worden. Um das Interesse an einem neuen Freizeitpark ohne Autobahnanschluss zu ermitteln, seien allerdings seltsamerweise nur Besucher am Nürburgring selbst befragt worden.

Fatalerweise waren die "überzogenen Prognosen" nach Darstellung des Zeugen aber die Grundlage des Ausbaukonzepts. "Wenn die Basis nicht stimmt, kann das Haus nicht halten", sagte Hanhart. Am Ring sei eine landschaftsverschandelnde "Gigantomanie" geplant worden. Tatsächlich hatte die SPD-Landesregierung die Zahl der erwarteten zusätzlichen Besucher pro Jahr erst kürzlich auf 170 000 herunter korrigiert. Damit sind die Befürchtungen mangelnder Auslastung noch gewachsen.

Der Zeuge, ein Mediziner bei der Bundeswehr, kritisierte weiter eine derzeitige verstärkte Ausrichtung des Nürburgrings auf "Mainstream-Freizeitangebote" wie zum Beispiel Musikantenstadl. Manche Motorsport-Veranstaltungen würden dafür gestrichen. "Das ist der Tod eines Mythos", beklagte Hanhart, dessen Bürgerinitiative mittlerweile "aus Frust" im Dornröschenschlaf schlummere.

Der Untersuchungsausschuss des Landtags soll mögliche Fehler bei den Querelen um das Prestigeprojekt klären. Die Privatfinanzierung des gut 300 Millionen Euro teuren Freizeitzentrums war im Sommer 2009 spektakulär gescheitert. Es entstand der Eindruck, die Landesregierung sei Betrügern auf den Leim gegangen. Finanzminister Deubel trat zurück, die Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln.

Deubel sagte am Dienstag bereits zum dritten Mal als Zeuge im Ausschuss aus. Mit Blick auf den Verein "Rettet den Nürburgring" meinte er: "Bürgerinitiativen behaupten immer, dass gesamte Planungen und Prognosen grottenfalsch sind." Aber fast alle politischen Kräfte in der strukturschwachen Region hätten sehr wohl das Projekt im Sinne eines aufstrebenden Tourismus gewollt.

Und nun nur 170 000 zusätzliche Besucher im Jahr? Kein Wunder, meinte der Ex-Minister in seiner vielstündigen Befragung. Der Freizeitpark sei eben zu spät und mit teils unfertigen Attraktionen gestartet. Zudem fehle ihm eine "positive Lobby": Opposition und Medien "reden das Projekt in Grund und Boden".

Erneut wies Deubel Vorwürfe zurück, der Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH sei seinerzeit umgangen worden. Im Juli 2008 habe das Kontrollgremium die Geschäftsführung mit einem Generalbeschluss ermächtigt, die geplante Privatfinanzierung voranzutreiben, sagte Deubel, der seinerzeit auch Aufsichtsratschef gewesen war.

"War das nicht eine Selbstentmannung , eine Art Blanko-Scheck des Aufsichtsrats?", fragte der CDU-Abgeordnete Axel Wilke. Nein, keineswegs, antwortete der Ex-Minister. Es habe ein Geldvorteil von 50 Millionen Euro gelockt und es habe sehr wohl weiterhin "erhebliche Kontrollbefugnisse des Aufsichtsrats" gegeben. "Ich halte den Beschluss auch heute noch für völlig sachgerecht", betonte Deubel - trotz des späteren Scheiterns der Privatfinanzierung. (www.landtag.rlp.de; www.rettet-den-ring.de) (Von Jens Albes)

RZO



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