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Studie: Bis zu 1,5 Milliarden Euro für Nachhilfe

Gütersloh Die private Nachhilfe für Kinder und Jugendliche in Deutschland boomt: Rund 1,1 Millionen Schüler nehmen mittlerweile regelmäßig bezahlten Nachhilfeunterricht in Anspruch, heißt es in einer am Donnerstag (28.1.) veröffentlichten Studie.

Die Bildungsforscher Klaus und Annemarie Klemm hatten sie für die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh erstellt. Demnach geben Eltern jährlich zwischen 942 Millionen und knapp 1,5 Milliarden Euro für Nachhilfe aus. Dabei gibt es ein starkes Gefälle zwischen West und Ost.

In der Grundschule bekommen bundesweit 6,0 Prozent Nachhilfe in Mathematik und Deutsch. Die Eltern geben durchschnittlich mindestens 108 Euro pro Jahr für die private Zusatzförderung aus.

Der Studie zufolge ist Nachhilfe bereits in der Grundschule an der Tagesordnung: Besonders häufig wird sie in Anspruch genommen, wenn es am Ende der Grundschulzeit um die Empfehlung für die weiterführende Schule geht. Die Sonderauswertung der IGLU Bildungsstudie aus dem Jahr 2006 ergab, dass im Schnitt aller Bundesländer 14,8 Prozent der Viertklässler Nachhilfe im Fach Deutsch erhalten. Während es in Baden-Württemberg 18,5 Prozent sind, beträgt der Wert in NRW 12,5 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern nur 8,8 Prozent.

Legt man die Untergrenze der jährlichen Gesamtausgaben für Nachhilfeunterricht auf alle Schüler allgemeinbildender Schulen um, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Am höchsten sind die durchschnittlichen Ausgaben pro Schüler mit jährlich 131 Euro in Hamburg und Baden-Württemberg. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen sie hingegen nur bei 74 Euro. Der Bundesdurchschnitt beträgt 108 Euro.

Im Alter von 15 Jahren nehmen der PISA-Studie aus dem Jahr 2003 zu Folge im Bundesländerdurchschnitt 19,1 Prozent der Jugendlichen Nachhilfe im Fach Mathematik in Anspruch.

Nachhilfe ist der Studie zufolge längst nicht mehr eine zeitlich begrenzte Ausnahmeerscheinung für leistungsschwächere Schüler. «Sie hat sich vielmehr zu einem etablierten, privat finanzierten Unterstützungssystem neben dem öffentlichen Schulsystem entwickelt», heißt es in der Untersuchung. Da sich aber vor allem Kinder aus wohlhabenden und höher gebildeten Familien diese Möglichkeit der außerschulischen Förderung leisten könnten, nehme dadurch die Chancenungerechtigkeit unseres Bildungssystems tendenziell zu. Auch die Lehrergewerkschaft GEW warnte, dass sich die Bildungschancen für benachteiligte Kinder verringern.

Die starke Nachfrage nach privatem Ergänzungsunterricht sei ein deutlicher Ausdruck dafür, dass Eltern mit dem Schulsystem unzufrieden seien, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. «Sie haben den Eindruck, dass ihre Kinder im Schulunterricht nicht bestmöglich gefördert werden und Nachhilfe soll diese fehlende individuelle Förderung ausgleichen.»

dpa-infocom


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