"Anzeige abgeschaltet": Warnstreiks in Kitas und Bussen
Mainz Pendler an verwaisten Bushaltestellen, Eltern im Babysitter-Zwangsurlaub und überquellende Mülltonnen: Für Bilder wie diese hat am Montag in Rheinland-Pfalz ein landesweiter Warnstreik im öffentlichen Dienst gesorgt.
Betroffen waren nach Angaben der Gewerkschaft Verdi unter anderem Busse und Straßenbahnen in Mainz, aber auch in zahlreichen Kindertagesstätten in Mainz und Ludwigshafen wurde nicht gearbeitet. In beiden Städten sowie in Worms blieben volle Mülltonnen am Straßenrand stehen. Insgesamt beteiligten sich nach Verdi-Angaben etwa 3300 Beschäftigte von Bund und Kommunen an Warnstreiks in 25 Städten und Gemeinden.
Zur zentralen Kundgebung in Worms kamen laut Verdi mehr als 3000 Teilnehmer. Die Demonstranten, die laut Polizei mit 40 Bussen und in Privatautos angereist waren, marschierten mit Transparenten und Trillerpfeifen ins Stadtzentrum. Dort forderte Verdi-Landeschef Uwe Klemens die Arbeitgeber nach Mitteilung der Gewerkschaft auf, bei der Tarifrunde an diesem Mittwoch ein "verhandlungsfähiges Angebot" vorzulegen. Die Polizei sprach von etwa 2500 Kundgebungsteilnehmern.
Die Gewerkschaften fordern unter anderem fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen sowie eine 24-monatige Übernahme von Auszubildenden. "Dies ist durchaus eine angemessene und keineswegs maßlose Forderung, wie die Arbeitgeber behaupten", sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer, laut einer Mitteilung. Die GEW hatte mehrere Hundert Erzieherinnen aus kommunalen Kindertagesstätten zum Streik aufgerufen. Die Aktionen sollten sich auf den Montag beschränken.
In Mainz reihten sich am Morgen die Autos dicht an dicht. Nach Verdi-Angaben fuhr von Dienstbeginn an keiner der 117 Busse, und auch die 23 Straßenbahnen seien im Depot geblieben. "Es geht tatsächlich nix, außer drei oder vier Linien, die privat gefahren werden", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Entsprechend voller als sonst waren die Straßen am Morgen. "Es waren mehr Pkw in der Rush-Hour unterwegs", sagte Polizeisprecherin Heidi Nägel.
Viele Bushaltestellen wirkten verwaist, nur wenige Menschen suchten auf den Fahrplänen nach Informationen oder fragten andere Passanten um Rat. "Ich habe Glück gehabt", sagte Sina Salmen. Die Busse von und nach Wiesbaden seien gefahren - und das sogar pünktlich. "Irgendwie wussten viele von den Streiks. Mich hat es aber heute Morgen eiskalt überrascht", sagte die 22-Jährige.
So erging es auch Petra Renner (52) , die vergeblich auf einen Bus wartete. "Es ist so kalt. Da wollte ich nicht laufen", erzählte sie. Außerdem sei ihr die Einkaufstasche zu schwer. "Wohl oder übel" müsse sie aber nun den halbstündigen Fußmarsch auf sich nehmen. Auch die 21 Jahre alte Jura-Studentin Hannah Mengelkamp klapperte drei Haltestellen ab, um mit dem Bus zur Uni zu kommen - erfolglos. Sie blieb gelassen: "Dann muss ich eben nach Hause, mein Fahrrad holen." Am digitalen Fahrplan über der Bushaltestelle leuchtete bloß: "Anzeige abgeschaltet".
Unterdessen blieben laut Verdi 29 von 35 Kindertagesstätten in Ludwigshafen geschlossen, in Mainz hatten 11 Einrichtungen zu. Bei den Müllabfuhren in Worms, Mainz und Ludwigshafen ließen etwa 500 Beschäftigte die Arbeit ruhen. Vom Warnstreik betroffen waren auch kommunale Kliniken, Stadtwerke und Stadtverwaltungen sowie verschiedene Einrichtungen der Bundeswehr und der Wasser- und Schifffahrtsämter. (Internet: http://www.gew-rheinland-pfalz.de/; http://rlp.verdi.de/)
RZO
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