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Zeugin über mutmaßliches Opfer: "Jeden Tag eine neue Story"

Koblenz Politik und Sex, Gewalt und Intrigen: Das sind die Zutaten, die den Fall Ewald Mattes so spektakulär machen. Jetzt sagte eine weitere Zeugin vor dem Landgericht aus. Angespannt wirkt die 36-jährige Sylvia (Name von der Redaktion geändert), die im Verfahren gegen Ewald Mattes als Zeugin geladen ist.

Vor dem Landgericht Koblenz schildert sie ihr Verhältnis zu der Frau, die dem Kaisersescher Bürgermeister sexuelle Nötigung vorwirft. Es geht um Intrigen, Verleumdungen und vor allem um eins: Wie aus einer Frauenfreundschaft Feindschaft wird.

Sylvia lernt das mutmaßliche Opfer 2001 bei einer Umschulungsmaßnahme in Mayen kennen. Die beiden Frauen freunden sich an, haben ein Jahr lang eine Fahrgemeinschaft. Sylvia schildert ihre Kollegin als sehr dominante Person mit großem Geltungsdrang. Immer wieder habe sie dramatische Geschichten aus ihrem Leben erzählt; vom Ex-Mann, der sie geschlagen und im Keller eingesperrt habe; von ihrem zweiten Mann und dessen schwerem Verkehrsunfall; von der Last, dass sie nun die Familie finanziell versorgen müsse. „Jeden Tag gab es eine neue Story“, sagt Sylvia, „und das drei Jahre lang.“

Der Bruch zwischen den beiden Frauen entwickelt sich langsam. Sylvia sagt: „Sie wollte nicht, dass ich andere Beziehungen in der Klasse aufbaue.“ Deshalb habe sie gezielt Gerüchte gestreut, unter anderem dass Sylvia hinter ihrem Mann her sei. Sylvia hat das als „Mobbing in extremer Form“ empfunden und sich zurückgezogen, ohne ihre einstige Freundin jemals zur Rede zu stellen. „Ich bin nicht der Typ dazu“, sagt sie vor Gericht. Ohnehin wollte Sylvia eigentlich gar nicht vor Gericht aussagen – aus Angst vor ihrer Ex-Freundin. „Sie ist mir zu gefährlich“, sagt sie immer wieder; und dass sie Angst um ihren neuen Job habe.

Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Andrea Wild-Völpel stellt sich heraus, dass Sylvia offenbar zur Aussage gedrängt werden sollte. Sie berichtet, dass der Anwalt von Mattes sie angerufen habe, ebenso eine seiner Verwaltungsmitarbeiterinnen, schließlich Mattes persönlich. „Ich bin massiv unter Druck gesetzt worden“, sagt Sylvia und berichtet von Anrufen im Drei-Minuten-Takt. Das Ganze gipfelte in einem Angebot, dass Mattes persönlich mit ihr zu einer Rechtsanwältin nach Düsseldorf fahren wollte, um sie auf die Verhandlung vorzubereiten. Darauf ließ sich Sylvia nicht ein, sondern ließ sich von einem Anwalt ihrer Wahl beraten. (Birgit Pielen)

RZO



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