pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Gutachten zu Schadenersatzansprüchen

Grüne: Bei Kafitz 6,5 Millionen zurückholen

Rheinland-Pfalz - Gewinnt oder verliert der gekündigte Ring-Geschäftsführer Walter Kafitz beim Poker um dicke Abfindungen? Und muss er sich im Gegenzug sogar auf hohe Schadenersatzforderungen einstellen?

Der gefeuerte Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz muss für sein Missmanagement möglicherweise Millionen an Schadensersatz bezahlen. Davon sind zumindest die Landes-Grünen fest überzeugt. Kafitz, der momentan in Dubai weilt, sieht das wohl anders. Er wehrt sich vor dem Landgericht Koblenz gegen seine fristlosen Kündigungen, wie sein Anwalt bestätigte. Dabei hofft Kafitz wohl auf Hunderttausende Euro an Abfindung, denn sein Vertrag war erst im vergangenen Frühjahr um fünf Jahre verlängert worden. Sein Jahresgehalt lag dem Vernehmen nach bei 230 000 Euro.

Im Gegenzug drohen dem Ex-Ringmanager aber auch Schadenersatzforderungen. Während die Nürburgring GmbH kurz davor ist, Verfahren gegen „diverse Firmen und Personen“ einzuleiten, ist Eveline Lemke als Chefin der Landes-Grünen bereits sicher: Für Ansprüche in Millionenhöhe liefert das von unserer Zeitung exklusiv veröffentlichte Ernst &amp;amp;amp; Young- Gutachten handfeste Belege.

Der von ihr beauftragte Rechtsanwalt Carl-Bernhard von Heusinger (Koblenz) beziffert die Ansprüche auf 6,5 Millionen Euro und beruft sich dabei auf Ernst &amp;amp;amp; Young. Der Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht geht zudem davon aus: Die Ring-GmbH hat auch bei Ex-Finanzminister und Ex-Aufsichtsratschef Ingolf Deubel einen Anspruch auf Schadenersatz. Dass Kafitz bluten muss, liegt für ihn auf der Hand, weil der Geschäftsführer – am Aufsichtsrat vorbei – der Cash-Settlement GmbH (CST) einen ungesicherten Kredit von 5,6 Millionen Euro gewährte, um das bargeldlose Bezahlsystem am Ring zu organisieren. Außerdem zahlte er 645 000 Euro an die Finanzberater IPC/Pinebeck. Dabei steht der Anwalt wie Ernst &amp;amp;amp; Young auf dem Standpunkt, dass diese Honorare nicht per Generalbeschluss des Aufsichtsrats gedeckt waren, wie Deubel sagt.

Fazit für Heusinger: Kafitz hat mehrfach gegen den Gesellschaftervertrag verstoßen. „Jedes Geschäft ohne Zustimmung des Aufsichtsrats gilt als aufgedrängtes Geschäft. Dafür muss ein Geschäftsführer nach dem GmbH-Gesetz geradestehen.“ Nach der Rechtsprechung müsse ein Geschäftsführer nachweisen, ob der Aufsichtsrat alles abgesegnet hat. „Dabei geht es um die Millionen für die CST, die Honorare sowie Steuerrückforderungen – also 6,5 Millionen Euro.“ Der Grünen-Anwalt meint auch, dass Ernst &amp;amp;amp; Young der Staatsanwaltschaft Koblenz den Anfangsverdacht auf Untreue liefert. Lemke wird deutlicher: „Aus meiner Sicht muss die Staatsanwaltschaft ermitteln.“ Schwere Vorwürfe richtet Lemke an den neuen Aufsichtsrat. Mit der Ankündigung, dass die Lindner-Hotelgruppe und der Investor Kai Richter die künftigen Betreiber sind, „werden Ausschreibungsregeln übergangen, die europäisch festgelegt sind“. Lemke: „Dieses Kumpelgeschäft darf nicht weitergeführt werden.“ Im Untersuchungsausschuss bahnt sich ein Gezerre über die Frage an, was bislang über die gescheiterte Privatfinanzierung des 350 Millionen Euro „Nürburgring 2009“ ans Licht kam. „Das Konzept hat trotz der Kostensteigerungen Potenzial, erfolgreicher Motor für die ganze Region zu sein“, meint die SPD. Für die FDP steht fest, dass die SPD alle Warnungen vor dem überdimensionierten Projekt „in den Wind geschrieben“ hat. CDU-Chefaufklärer Christian Baldauf reagierte nicht auf Medienanfragen. (us/fcg)

RZO