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1994 Fall in Bendorf: Erzieher im Don-Bosco-Internat verurteilt

Koblenz Der Fall sorgte im März 1994 für Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelte gegen einen 29-jährigen Erzieher aus Bendorf wegen sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen - wie es im Juristendeutsch heißt.

Das Pikante: Der Mann war seit 1991 Erzieher am katholischen Hauptschulinternat der Salesianer Don Boscos. Zunächst ermittelte die Anklagebehörde in sieben Fällen. Der Mann räumte zunächst zumindest einen Teil der Vorwürfe ein.

Aufgedeckt wurde der Fall durch eine Frau, die sich anonym bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte. Anders als im Fall des Berliner Canisius-Kollegs reagierten die Salesianer in Bendorf sofort. Der damalige Leiter des Internats, Pater Bzdock, dem sich der Schüler anvertraut hatte, veranlasste die Freistellung des Mitarbeiters und schaltete die Kriminalpolizei ein. Daraufhin verließ der Erzieher auch den Orden.

Der Leiter des Internats war damals erschüttert. Unserer Zeitung sagte er: "Niemand in unserem Haus hat so etwas geahnt, niemand schöpfte Verdacht. Der Erzieher war äußerst beliebt bei den Schülern, hat sie sportlich sehr gefördert." Der Erzieher hatte in dem Internat die Fußball-Arbeitsgemeinschaft geleitet.

Als die 9. Große Strafkammer des Koblenzer Landgerichts im August 1994 das Urteil gegen den Erzieher verkündete, wurde das ganze Ausmaß des Missbrauchs bekannt: Der mittlerweile 30-Jährige wurde wegen "sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in 154 Fällen, davon in 98 Fällen in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Kindern, ferner in 82 Fällen mit sexuellem Missbrauch von Jugendlichen und in 42 Fällen mit Nötigung" zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.

Und was macht der Verurteilte heute? Ist er auf freiem Fuß oder in Sicherungsverwahrung? Leitender Staatsanwalt Horst Hund will sich dazu nicht äußern - er verweist auf das "Rehabilitationsinteresse" des damals 30-jährigen Erziehers, das schwerer wiege als das "Interesse der Öffentlichkeit". Von weiteren Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen Ordensvertreter weiß er nichts: "Ich glaube nicht, dass es entsprechende Verfahren gegeben hat."

Christian Kunst

RZO