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Wissenschaft

Raumsonde auf «Tuchfühlung» mit Marsmond

Paris Die europäische Raumsonde «Mars Express» ist so nah wie nie zuvor an den Marsmond Phobos herangeflogen.

Der unbemannte Flugkörper näherte sich dem rätselhaften Trabanten des Roten Planeten in der Nacht zum Donnerstag bis auf 67 Kilometer.

Dabei bestand nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation ESA erstmals die Möglichkeit, das Schwerefeld von Phobos zu vermessen. «Ich bin sehr glücklich, dass alles so gut läuft», kommentierte ESA-Wissenschaftler Gerhard Schwehm das erfolgreiche Manöver. Der Flug der Sonde sei eine großartige Gelegenheit gewesen, mehr über die innere Struktur von Phobos herauszufinden.

Forscher erhoffen sich von den gesammelten Daten auch neue Erkenntnisse über den Ursprung des derzeit mehr als 100 Millionen Kilometer entfernten Mondes. Bei Phobos handelt es sich vermutlich um einen Asteroiden aus der frühen Entstehungsperiode des Planeten, der von der Mars-Gravitation «eingefangen» wurde. Es gibt allerdings auch andere Thesen. Demnach könnte sich Phobos auch gleichzeitig mit dem Mars gebildet haben - oder er entstand nach dem Mars aus Bruchstücken, die beim Einschlag eines großen Meteoriten auf dem Roten Planeten in die Umlaufbahn geschleudert wurden.

Weil sich der 2003 gestartete Orbiter «Mars Express» dem mysteriösen Weltraumbrocken von der Nachtseite her näherte, konnte die hochauflösende Stereokamera der Sonde in der Nacht zum Donnerstag keine Fotos machen. Dies ist aber bei weiteren Vorbeiflügen in einigen Tagen möglich. Die Kamera soll dann unter anderem Aufnahmen von den Orten machen, die für die russische Mission «Phobos-Grunt» als Landestellen vorgeschlagen sind. Sie soll 2011 oder 2012 starten.

Frühere Erkundungsflüge von «Mars Express» haben nach Angaben der ESA bereits eine genauere Bestimmung der Masse von Phobos ermöglicht. Aus den Aufnahmen der Kamera leiteten Wissenschaftler sein Volumen ab. Mittlerweile vermuten Forscher, dass verschiedene Teile von Phobos hohl sein könnten. Diese These soll nun überprüft werden. «Wenn wir mehr über den Aufbau von Phobos erfahren, können wir vielleicht auch Kenntnisse über seine Entstehung gewinnen», sagte ESA-Experte Olivier Witasse.

Bei dem Experiment in der Nacht zum Donnerstag wurde gemessen, wie die Sonde in nächster Nähe zum Mond von dessen Gravitationsfeld vom Kurs abgelenkt wird. Diese Ablenkung beläuft sich nur auf wenige Millimeter pro Sekunde, erlaubt den ESA-Wissenschaftlern aber Rückschlüsse auf die Masseverteilung.

Die Erforschung von Phobos mit der Sonde wird noch bis zum 26. März fortgesetzt. Dann gerät der Mond, der gerade mal 27 mal 22 mal 19 Kilometer misst, vorerst außer «Reichweite».

dpa-infocom