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Leipziger Buchmesse-Preis für Georg Klein

Leipzig Der Schriftsteller Georg Klein ist mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2010 ausgezeichnet worden.

Der 56-Jährige nahm die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung in der Kategorie Belletristik am Donnerstag für sein Werk «Roman unserer Kindheit» (Rowohlt, Reinbek) entgegen.

Helene Hegemann ging mit ihrem umstrittenen Buch «Axolotl Roadkill» ebenso leer aus wie die nominierten Autoren Jan Faktor, Lutz Seiler und Anne Weber. «Ich möchte hier Gänseblümchen des Dankes aus dieser Wiese des Augenblicks rupfen», sagte Klein. Der Autor erzählt von einer Kindheit im Süddeutschen in den frühen 60er Jahren - autobiografisch und zugleich fantastisch.

In der Kategorie Sachbuch/Essayistik gewann Ulrich Raulff mit «Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben» (C.H. Beck, München). Als bester Übersetzer wurde Ulrich Blumenbach ausgezeichnet. Von ihm stammt die deutsche Fassung des Romans «Unendlicher Spaß» von David Foster Wallace (Kiepenheuer & Witsch, Köln). Blumenbach hatte sechs Jahre lang an der Übersetzung des 1410-Seiten-Werkes gearbeitet.

Über Kleins Roman urteilte die Jury: «Überbordend poetisch wird hier ein Zeitpanorama entfaltet, das die Unterwelt der großen, bösen Erzählungen der alten Männer mit den leuchtenden Farben des Sechziger-Jahre-Sommers verbindet. Kinder standen noch nicht unter Dauerobservanz, ihre Fantasien konnten, wenn man so will - und der Roman will es so - noch in aller Ruhe wuchern.»

Jury-Vorsitzende Verena Auffermann äußerte sich vor der Preisverleihung noch einmal zum Streit um die Hegemann-Nominierung und die sogenannte Leipziger Erklärung. Darin hatten Autoren wie Günter Grass und Christa Wolf gegen Plagiate in der Literatur protestiert. Die Jury habe die Vorwürfe sehr ernst genommen, sagte Auffermann der dpa. Aber: «Die Jury ist frei und unabhängig und tut das, was sie für richtig hält und lässt sich nicht beeindrucken von Kritik von außen», sagte Auffermann. «Wir debattieren über den Inhalt der Bücher: gesittet, expressiv, erregt, leidenschaftlich.»

Am ersten Tag der Leipziger Buchmesse (bis 21.3.) strömten tausende Besucher in die Hallen, darunter viele Kinder, Jugendliche und ganze Schulklassen. Die jungen Leser interessierten sich nicht nur für die klassischen Bücher, sondern vor allem auch für Manga und Fantasy-Literatur.

Viel neuen Lesestoff für Erwachsene gibt es demnächst in Deutschland aus Argentinien. Der Beginn der Leipziger Frühjahrsschau war zugleich der Start der Kampagne «Kultur in Bewegung», mit der das lateinamerikanische Land 2010 für seine Literaten wirbt. Zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit hat die Regierung in Buenos Aires für dieses Jahr ein Übersetzungsprogramm für 130 Werke aufgelegt. Sie werden in 20 Sprachen übersetzt. Auf Deutsch sollen rund 100 Bücher erscheinen.

Für Lesungen, Diskussionsrunden und Ausstellungen kommen die Argentinier in den kommenden Monaten auch nach Berlin und Frankfurt/Main. Im Oktober ist das Land offizieller Gast der Frankfurter Buchmesse. «Lateinamerika» sei heute ein Gütesiegel für Literatur, sagte der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos. «Die deutschen Leser erwarten magischen Realismus und epische Breite vor einem zeitgeschichtlichen Hintergrund.» Aber die Generation junger argentinischer Autoren sei mit dem Gütesiegel nicht zu fassen, sie gehe eigene Wege.

So gut wie nichts zu sehen ist auf der Buchmesse vom E-Book. 2,9 Millionen Deutsche wollen sich nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage in diesem Jahr trotzdem ein E-Book kaufen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Hightech-Verbandes Bitkom. Nach Einschätzung des Verbandes werden sich die elektronischen Bücher zunächst bei der Fachliteratur durchsetzen.

In Leipzig präsentieren bis zum Sonntag mehr als 2000 Verlage aus fast 40 Ländern auf rund 65 000 Quadratmetern ihre Neuerscheinungen des Frühjahrs. 1500 Autoren sind auf der Messe und an 300 Orten in der Stadt zu Gast.

dpa-infocom