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Opfer berichten von Übergriffen im "Knabenheim"

Missbrauch auch bei Salesianern in Bendorf

Bendorf Auch im früheren "Knabenheim Kemperhof" in Bendorf (Kreis Mayen-Koblenz) haben katholische Pater über Jahrzehnte Kinder sexuell missbraucht. Das bestätigte das deutsche Provinziliat der Salesesianer Don Bosco, die das Heim von 1949 bis 1999 betrieben haben.

Demnach haben sich sechs Ex-Heimschüler bei den Salesianern gemeldet. Vier von ihnen werfen gleich mehreren Patern sexuellen Missbrauch vor, zwei körperliche Misshandlungen. Die Taten sollen sich zwischen 1950 und 1970 ereignet haben. Vermutlich gibt es viele weitere Opfer.

Wegen sexuellen Missbrauchs werden zwei Pater und ein Erzieher beschuldigt. Der eine Fall ereignete sich 1958. Der Täter starb 1964. Ferner soll sich ein Ordensmitglied in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre an Kindern vergangen haben. 1967 wurde er entlarvt und ein Jahr später verurteilt. Auch die Taten eines Erziehers Ende der 60er wurden aufgedeckt. Er wurde verurteilt. Zudem wird sechs Patern und einem Lehrer der Heimhauptschule vorgeworfen, Kinder misshandelt zu haben. Vier der Beschuldigten sind heute tot. Nach den anderen suchen die Salesianer.

Bestätigt werden die Vorwürfe durch einen Zeitzeugen aus Adenau (Kreis Ahrweiler), der sich bei unserer Zeitung gemeldet hat und zwischen 1971 und 1973 in dem Heim war. Er erlebte "ständig Prügel, mit Stöcken und anderen Gegenständen". Außerdem habe es drakonische Strafen gegeben. So hätten ihn Pater in eine Mülltonne gesperrt. Der heute 50-Jährige ist selbst nicht missbraucht worden. Er weiß jedoch von mindestens zwei bis drei seiner Mitschüler, denen dies widerfahren sei. Dazu hätten die Pater die Kinder unter einem Vorwand in ein Zimmer gelockt.

In die Vorwürfe reihen sich auch zwei Fälle aus den 90er-Jahren ein. 1994 wurde ein Salesianer aus dem Heim wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt. 1996 erhielt ein weiterer Pater wegen jahrelangen Missbrauchs eine dreijährige Freiheitsstrafe.

Dennoch will das Provinziliat nichts von einem systematischen Missbrauch in Bendorf wissen. Immerhin seien in dem Heim 100 Salesianer und 250 Mitarbeiter beschäftigt gewesen. "Diese können angesichts der bisher bekannten Anzahl der gemeldeten Fälle nicht unter Generalverdacht gestellt werden." Bundesweit haben sich bislang 38 Betroffene bei den Salesianern gemeldet. 18 von ihnen berichteten von sexuellem Missbrauch. Heute will sich der Papst zum Missbrauchsskandal äußern.

Christian Kunst

RZO