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 Das Thema des Tages 
Missbrauch in der katholischen Kirche

Hat auch Zollitsch vertuscht? Chef der Bischofskonferenz schützte pädophilen Priester

Just an dem Tag, für den die Stellungnahme des Papstes zu den Missbrauchsfällen in Deutschland erwartet wird, erschüttert ein neuer Sex-Skandal die katholische Kirche.

Der heutige Freiburger Erzbischof Zollitsch soll ihn in den 90er-Jahren mit einem Handstreich vom Tisch gewischt haben.

ROM. Mindestens einen Fall von schwerem Missbrauch hat es im Verantwortungsbereich des heutigen Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch gegeben. Das berichtet die Badische Zeitung in Freiburg. Das bischöfliche Ordinariat hat die Vorfälle aus den 80er- und frühen 90er-Jahren gegenüber der Zeitung bereits bestätigt.

Damals waren schwere Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs gegen einen Gemeindepfarrer im Schwarzwald laut geworden, der 1991 schließlich in den Vorruhestand versetzt und zum Wegzug aus der Gemeinde bewogen wurde. Der heutige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, war zu dieser Zeit verantwortlicher Personalreferent der Erzdiözese. Auf eine Strafanzeige war seinerzeit verzichtet worden; der beschuldigte Pfarrer nahm sich, nachdem sich die Vorwürfe gegen ihn erhärteten, 1995 das Leben. "Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht gegen einen Toten. Für uns ist die Sache erledigt", soll Zollitsch 1995 einem Anrufer gesagt haben, der Hilfen für die Missbrauchsopfer eingefordert hatte.

Der Generalvikar der Erzdiözese , Fridolin Keck, wies den Vorwurf zurück, es sei unzulänglich gehandelt und vertuscht worden. Wer das behaupte, surfe auf der aktuellen "Kirchen-Kritik-Trendwelle". Dass es das Telefonat im Jahr 1995 gegeben habe, könne man nicht bestätigen.

Das Bekanntwerden des Vorfalls platzt mitten hinein in die Debatte darüber, wie die katholische Kirche mit sexuellem Missbrauch in ihren eigenen Reihen umgeht. Papst Benedikt XVI. unterzeichnete am Freitag seinen mit Spannung erwarteten Brief zum Missbrauchsskandal. Veröffentlicht wird der Hirtenbrief erst an diesem Samstag. Klar ist schon jetzt: Die Deutsche Bischofskonferenz verschärft ihre Leitlinien. Die von den bayerischen Bischöfen am Donnerstag beschlossene Meldepflicht gilt künftig vo-raussichtlich in allen deutschen Bistümern. Dann muss jeder Verdacht auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger der Staatsanwaltschaft angezeigt werden. Die bisher geltenden Leitlinien verpflichten die Kirche nur bei einem erhärteten Verdacht und bei nicht verjährten Fällen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Außerdem kann die Kirche bisher auf eine Anzeige verzichten, wenn die Opfer das nicht wollen. Diese Lücke soll nun geschlossen werden.

Der Leiter der Missbrauchs-Kommission im Bistum Münster, Hans Döink, zeigte sich erschüttert über das Ausmaß des Pädophilieskandals: "Diese Krise muss bis auf den Grund durchlitten werden." Die katholische Kirche muss sich aus seiner Sicht verändern. "Ich wünsche mir, dass die Erschütterung, die durch diese Krise ausgelöst worden ist, die Kirche insgesamt veranlasst, auch in anderen Bereichen einmal nachzuschauen", sagte Döink. Zu überprüfen sei etwa die Stellung der Frau in der Kirche.

RZO