pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
RZ-Blog  |  Twitter  Mobil&RSS  |  Kontakt
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Leute

Deutschland bringt die Stadt ins Gleichgewicht

Shanghai Es ist die Utopie einer besseren Stadt, die ihre Gegensätze in Einklang bringt: «Balancity» - eine Stadt im Gleichgewicht.

Unter diesem Motto steht der deutsche Pavillon auf der Expo 2010 in Shanghai. Mit 70 Millionen Besuchern wird es die größte Weltausstellung der Geschichte.

Rund 50 Millionen Euro lassen sich die Deutschen ihren Auftritt im Reich der Mitte kosten - mehr als je zuvor. Mit seinem kubisch geformten Pavillon wolle sich Deutschland als «enorm vielfältig, ideenreich und innovativ», aber auch etwas verspielt darstellen, sagt Peter Redlin, Kreativdirektor der Event-Agentur Milla und Partner, die das inhaltliche Konzept umsetzt.

«Better City, better Life» - eine bessere Stadt, ein besseres Leben, lautet das Hauptthema der ersten Expo im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Der deutsche Beitrag zeigt einen Stadtkosmos, der die verschiedenen Pole ausbalanciert: Tradition und Moderne, Technik und Natur, Globalität und Regionalität sowie Wohnen und Arbeiten. «Das soll ohne erhobenen Zeigefinger geschehen, ganz sympathisch und auf Augenhöhe, humorvoll hoffentlich und bestimmt auch ganz überraschend», sagt Redlin. Besonders wichtig sei der «Erlebniswert» für den Besucher, findet der Kreativdirektor, der schon an dem deutschen Auftritt bei der Expo 2000 in Hannover mitgearbeitet hat.

Höhepunkt ist eine Kugelshow in der «Energiezentrale». An einem Pendel hängt eine drei Meter große Kugel, die mit 400 000 LED-Punkten Farben, Formen und Bilder abbilden kann. Durch gemeinsames Rufen und Gesten können die Besucher die 1,2 Tonnen schwere Kugel über neun Meter zum Schwingen bringen. «Gemeinsam lässt sich tatsächlich etwas bewegen», ist die Idee des interaktiven Spiels. Das karaokeähnliche Gruppenerlebnis wird moderiert von Jens und Yanyan. Diese beiden Kunstfiguren, ein deutscher Maschinenbaustudent und eine Architekturstudentin aus China, nehmen die Besucher des Pavillons von Anfang an virtuell an die Hand und treten am Ende sogar persönlich auf, umkreisen die Wunderkugel auf skateboard-ähnlichen Untersätzen.

In dem urbanen Organismus des Pavillons werden über sechs Monate täglich bis zu 45 000 Besucher erwartet. Auf ihrem Weg wandern sie durch Landschaften, tauchen im Hamburger Hafen aus dem Wasser auf, stoßen im Planungsbüro auf innovative Stadtentwicklung. Im Garten erleben sie privates Glück in Form deutscher Grill- und Schrebergartenkultur. Das Depot präsentiert deutsches Design. Die Fabrik zeigt Spitzentechnik zu Themen wie Energie, Nachhaltigkeit oder Mobilität. Im Park steckt der Besucher den Kopf in umgedrehte Blumenkelche und taucht in 360 Grad-Bilder von Grünflächen ein, kann das Gras sogar riechen. Das Atelier bietet Kunst und Kultur, darunter die «Stolpersteine», die der Künstler Gunter Demnig zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ins Trottoir einsetzt.

Typische Touristenattraktionen dürfen bei einem deutschen Expo-Auftritt nicht fehlen. «Wichtig ist, dass wir den Besucher da abholen, wo er ist», sagt Marion Conrady, deutsche Expo-Sprecherin. «Wenn der Chinese Schloss Neuschwanstein nicht findet, ist er enttäuscht.» In Filmen auf einem Stadtplatz wird auch gezeigt, wie öffentlicher Raum in Deutschlands genutzt wird - unter anderem mit Demonstrationen, was für China ein eher ungewohntes Bild ist. «Wir lassen nichts weg, sondern zeigen, was tatsächlich alles möglich ist», sagt Redlin. Das ist eben die Balance: «Unser Modell einer deutschen Stadt und eines Zusammenlebens.»

Im Chinesischen wird «Balancity» mit «harmonische Stadt» übersetzt - eine Beschreibung, die sich auffallend mit dem propagandistischen Konzept der «harmonischen Gesellschaft» von Staats- und Parteichef Hu Jintao deckt. Das darf aber niemanden darüber hinwegtäuschen, dass die kommunistischen Führer Chinas weit davon entfernt sind, gesellschaftliche Gegensätze in ein Gleichgewicht zu bringen oder gar demokratische Prozesse zuzulassen, um die gewünschte Harmonie zu erreichen.

www.expo2010-deutschland.de Von Andreas Landwehr, dpa

dpa-infocom